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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Genitalien - Gennari
niedrige Art mit auf der Erde liegenden, aufsteigen-
den, kurzen Wen, kann als Schattenpflanze in Part'
anlagen nützlich verwendet werden, indem sie unter
Nadelhölzern im Mai und Juni einen gelben Blu-
mcnteppich hervorbringt.
In den Gewächshänsern finden sich viele sehr
zierliche Arten. Von ihnen wird mit Vorliebe knl-
tiviert (^. inono^erina ^"m., der eins a m igeGin -
st er, ausgezeichnet dllrch den köstlichen Tust der zahl-
reichen weißen Blumen. Sie blüht am schönsten
im freien Grunde eines Winterhauses. Die Ginster-
arten werden allgemein durch Samen vermebrt, nur
einige lassen sich auch durch Teilung vervielfältigen.
Genitalien (lat. F6niwlia), soviel wie Ge-
schlechtsorgane.
Genitiv (lat.) oder Genetiv, der Casus, durch
den ein Nomen (Substantiv, Adjektiv) oder Pro-
nomen zu einem andern Nomen oder Pronomen in
irgend eine nähere Beziehung gesetzt wird, z. V.
"das Haus des Vaters". Hängt ein G. von einem
Verbnm ab, so erscheint der im G. stehende Begriss
häufig uicht in seiner Ganzheit, sondern nur zu
einem unbestimmten Teile von der Handlung er-
grisfen, z. B. "er trinkt des Weines". Vgl. Casus.
Vsuitor (lat.), Erzeuger; (lenitiix, s. (^^nstrix.
Genitfchewsk (Ienitschi), auch Tonkaja,
oder Ust-Asowst, Flecken im Kreis Melitopol des
russ. Gouvernements Taurien, an der Meerenge von
G., die zwischen dem Nordende der Landzunge von
Arabat (s. d.) und dem Festland den Siwasch mit
dem Asowschen Meer verbindet, und an der Geni-
tschewschenIweigbahn(Nowo-Alexejewka-G.,151<m)
der Linie Losowo-Sewastopol, hat (1892) 1550 E.,
Post und Telegraph, guten Hafen, Küstenschiffahrt,
Handel mit Salz und Fischen.
Genins (lat.), nach altital. Vorstellung die gött-
liche Verkörperung der im Manne wn tsamen zeugen-
den Kraft (von ^nei-e, d. b. erzeugen), dann über-
haupt die ganze ideale Abspiegelung des Indivi-
duums, sein besseres Ich; daher schwur man bei
seinem G., brachte ihm am Geburtstage unblutige
Opfer dar, und das Hausgesinde verebrte den G.
des Hausherrn. Es gab aber nicht nur Genien ein-
zelner Menschen, sondern auch von allen möglichen
gröftern und kleinern Vereinigungen! von Völkern,
Legionen, Kollegien sowie von Städten und Bändern,
Lagern, Theatern und Orten überbaupt, ja es gab
auch Genien von Göttern. Man dachte sich und
bildete die Genien namentlich von Örtern gern in
Schlangengestalt, stellte dann aber die Genien im
übrigen gewöhnlich in der Gestalt eines opfernden
Mannes, mit nach röm. Brauche über das Hinter
Haupt hinaufgezogener Toga, Füllborn und Patera
(Opferschale) in den Händen dar. Namentlich findel
man den G. des Hausherrn so in vielen pompeja
Nischen Wandgemälden abgebildet. Eine Bildsäule
des G. des röm. Volts stand aus dem Forum zu
Nom. Bedeutsam wurde der Kult des G. des jedes'
maligen Kaisers namentlich dadurch, daß schon
Augustus in den Kapellen der zahlreichen Unter-
abteilungen der 14 Quartiere der Stadt zwischen
den beiden Laren das Bild seines G. aufstellen lieft.
Die Genien sind rein italisch, und nur die neuere
Kunstsprache hat den Namen, um den häufig vor
kommenden männlichen und weiblichen geflügelten
Gestalten eine Bezeichnung zu geben, auf griech.
Tarstellungen übertragen. (S. Eros.)
Vsliins SP1ÜVN110118, die epidemische Konsti-
tution, s. Epidemie.
GenUs (spr. schangliß), Stephanie Felicitt Du-
crest de^aint-Anbin, Marquise von Sillery, Gräfin
von, franz. Schriftstellerin, geb. 25. Jan. 1740 auf
dem Schlosse Champeöry bei Autun, stammte aus
einer vornehmen Familie. In ihrem 16. Jahre hei-
ratete sie den Grafen Vruslart de G. Sie fand Auf-
nahme im Hanfe Orlöans und wurde vom Herzog
von Cbartres zur Erzieherin seiner Kinder ernannt.
Sie schrieb sür ihre Zöglinge u. a. das "^dLHtre
ä'txwc'Äticm" (4 Bde., Par. 1779-80u.ö.), "^delc
l^Meoäoi'e" (3 Bde., ebd. 1782) und "1^68 veiiies^
<w c'imloaw) (3 Bde., ebd. 1784 u.ö.). Sitz schrieb
später den empfindsamen, aber frivolen Roman "1^68
cllovllU6i8 dn cvßns, ou Iu cour äo ('1llli-i6ma^u0"
(3 Bde., Hamb. 1795; neue, sehr veränderte Anst.,
Par. 1805), und Zu ihrer Verteidigung den "?i-0ci8
(1(5 ma, cmulmt^ i)0ii(lcMt 1a Involution" (Hamb.
1790). Sie starb 31. Dez. 1830 in Paris^ Ihre
Nomane (gegen 100 Bände) ellthalten meist Schilde-
rilngen und Begebenheiten aus dem kouventionellen
Welt- und Gesellschaftsleben. Ihr gelungenstes Wert
ist "X^wmoiseiw <16 ^wlmoilw (Par. 1802u. o.);
außerdein verdienen Erwähnnng: "8(>nv6liir8äol'^
li^ik i^." (ebd. 1804), "^Ilullune ä6 N^intLnon)) (ebd.
1806 u. ö.), "N^(I^uioi38li6 ä6 I^ll ^)'6tt6 on le
8iec1o ä6 I^onis Xiil" (ebd. 1813 u. ö.). Viel In-
teressantes enthalten ihre "N6mmi'68" (10Bde., Par.
1825; deutscb von Auguste von Faurax, 8 Bde., Lp'^.
l820). - Vgl. Samte Beuve, ^'^U86ri68 äu l^uncli
(Bd. 3); Nonbonime, .XiaäamL 6e 6. (Par. 1885);
V. Dll Bled, I lnc s^nnn0 äu monde l^utoui' l^uXVIIl''
8i^<^!0. >1'"^ lil (,<)Nit6880 (I" (s. (in der "I56VU6 ä0^
äonx ^1<)ll(l68v, 1892, 111, 3).
Gemmdloej II., erster Patriarch von Konstan-
tinopel unter türt. Herrschaft, hieß als Laie Geor-
gioo Scdolarios. llnl 1100 in Konstantinopcl
geboren, nahln G. int Gefolge des Kaifers Io-
dannes VIIl. Paläologos 1439 an dem Ferrara-
Florellzer Konzil (s. d.) teil, trat hier mit Entschieden-
heit für die Union der griech. und röm. Kirche ein,
belämpfte diefewe aber nach feiner Rückkehr, als sie
bei dein griech. Volt und Kleruv wenig Allklang fand,
ebenso heftig, zog sieb dann vom Hofe zurück und
lebte al5 Mönch wissenschaftlichen Studien. Als
Konstantinopel (115:'.) von den Türken eingenommen
wurde und Sultan Mohammed II. die Wiederbe-
setzung des erledigteil Patriarchenstuhls verlangte,
fiel die Wahl anf G. Er wurde 1454 geweiht und
vom Sultan belebnt, legte aber, schwer verleumdet,
schon 115<; sein Amt nieder und zog sich, nach etwa
balbjälnigenl Aufenthalte auf den: Athos, in das
Kloster ^obannes des Täufers bei Serrä in Mace-
donien zurück, wo er um 1400 starb. Unter seinen
etwa 100 Schriften, meist philos. und theol. Inhalts,
ist im Abendland, weniger bei den Griechen, am
geschätztesten die "Cont^88io (^oimlulii", ein auf
Anlasi des Sultans Mohammed verfaßtes Glau-
bensbekenntnis (älteste Ausgabe, griechisch und latei-
nisch, von Brassicanus, Wien 1530; neueste von
I. C. T. Otto, "Des Patriarchen G. von Konstanti-
nopel Konfession", ebd. 1864). - Vgl. Gaß, G.
und Pletho (Bresl. 1844).
Gennargentn (spr. dschennardschentu), höchste
Berggruppe der Insel Sardinien, auf der Greine
der ital. Provinzeil Sassari und Cagliari, steigt in
der PulNa Bruuca Spina bis zll 1940 m auf.
Gennari (spr. dsche-), eine ital. Malerfamilie
> aus Ccnto, von deren Mitgliedern Cesare G., geb.
> 1637, gest. 1688, besondern Ruf erlangte. Er war
50''