Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

793
Gentelos Grün - Gentile da Fabriano
und die vielfachen Greuel des Krieges hatten auf
lange Zeit G.s Wohlstand vernichtet. In den Krie-
gen'Lndwigs XIV. wnrde G., 1673 und 1708, aucb !
im Osterreichischen Erbfolgekriege 1745 von den ^
Franzosen erobert. Unter der franz. Herrschast ^
war G. Hauptstadt des Scbelde-Departements, Lud- !
wig XVIII. verlebte bier die sog. Hundert Tage.
Am 24. Dez. 1814 wnrde in G. der Friede zwiscken
England und den Vereinigten Staaten von Anterila
geschlossen. Bei der Trennung Belgiens von Holland ,
spielte die Stadt eine große Rolle und blieb lange ^
Mittelpunkt der orangistijchm Bestrebungen. Jetzt
ist G. Hauptsitz der socialistischen Partei Belgiens.
Genteles Grün, eine giftfreie Malerfarbe, ist !
zinnsanres Knpfcroryd, das dnrch Fä llen von Kupf^r-
vitriollösnng mit zinnsanrem Natrium entsteht.
Genter Pacifikation, ein zu Gent 8. Nov.
1576 abgeschlossener Vertrag, dnreb den Holland
nnd Seeland (bald traten anch die übrigen nördl. !
Provinzen ihm bei) und die südl. Provinzen einander
Hilfe versprachen zur Vertreibung aller span. Trup-
pen vom niederlünd. Grundgebiete. Der General-
statthalter Johann von Osterreich mußte im sog.
Ewigen Edikt von Marcke-en-Famöne 12. Febr.
1577 die Paeisikation gutheißen, woranf die Spanier
das Land verließen. (S. Niederlande.) - Vgl. Inste,
I^n. pacitic^tion do (Flln<I (Briiss. 1876).
Q>ontb8 (lat., Mehrzabl von ,?on8, d. i. Ge-
schlecht) hießen bei den Römern von verwandt-
schaftlichen Kreisen (tamilin^) gebildete Vereine,
welche, als zu derselben Gruppe oder Genossenschaft
gehörig, denselben gemeinsamen, mit der adjektivi-
schen Ableitungssilbe ins gebildeten Hauptnamen
(Nomen ssmitilo) trugen, untereinander selbst aber
sich dnrch Voruamen (pi-lieiwin^) zu unterscheiden
pflegten. Erst später trat ein dritter Name, Bei-
name (coSnomLn) genannt, zur Unterscheidung der
einzelnen Familien innerhalb der ^i^ auf. So
werden z. N. in der ssm!8 t'm-,u>li'n. die Familien
der Scipiones, Sulla, Lentuli, Cetbegi, Dolabella
u. s. w. unterschieden. (Vgl. Mommseit, Die röm.
Patriciergeschlechter, in den "Röm. Forschuugen",
Bd. 1, Verl. 1864.) Nach der einen Ansicht waren
die zu einer und derselben (^on8 gehörigen Fami-
lien untereinander durch Abstammung von einem
gemeinsamen Stammvater, die freilich bei den
patricischen t^. in die Zeit vor der Gründuug
Roms hinaufreichte, verwandt. Nach andern bil-
dete die Verwandtschaft ebensowenig wie bei den
Geschlechtern, in welche die attischen Phratrien zer-
fielen, eine ausschließliche oder unbedingt notwen-
dige Bedingung der Gentilität, sondern es waren
vielmehr die altröm. patricischen (^. wie jene atti-
schen in histor. Zeit wesentlich politisch bestimmte
Vereine von Familien, deren Band, durch Staat
nnd Religion geweiht, gleich heilig gehalten werden
sollte wie natürliche Verwandtschaft, und die daber
den Namen 6. erhielten. Docy wird immerhin bei
sehr vielen (^. eine ursprüngliche Verwandtschaft
der Familien den Kern und Ansgangspunkt gebil-
det haben. In Rom bildeten die (^., angeblich ur-
sprünglich je zehn, die Unterabteilungen der Kurien.
Die Verfassung des Servius Tnllius, welche anch
den nichtpatricischen Bewohnern des röm. Staates
Anteil an polit. Rechten gab, rnhte dagegen auf
ganz andern Bedingungen als die Gentilcnverfas-
sung, deren allmählicher Verfall mit jener begann
und entschieden war, als die Kuriatkomitien (s. Ko-
mitien) alle Macht verloren. Der nicht seltene Fall,
daß ilt derselben (^ng sich neben den patricischcn
auch plebejische Familien finden, ist im allgemeinen
darans zu erklären, daß die Klienten (s. Klientel)
ebenfalls den Namen des Patrons trugen und daß
nen aufgenommene Bürger den Namen dessen, der
ibnen das Bürgerrecht verschafft hatte, annahmeu.
Allen <3. gemeinfam war das gegenseitige Erbrecht
der Gentilen, wenn ein Geschlechtsgenosse obne
Testament oder nähere Erben gestorben war, nnd
die Aussicht über Verschwender und Verrückte, wenn
keine Agnaten da waren. Anch hatten die 6-. ge-
meinsame Heiligtümer (saci-a Fentilicia) mit ge-
meinsamen Opfern an bestimmten Tagen (lei-ias!
Z6nti1icia6) und Orten, wesbalb anch für den Aus-
tritt aus einer F6N8 die feierliche Losfagung von
den gemeinsamen Heiligtümern l66t68wtio Zaero-
rum) notwendig war, und gemeinsame Grabstätten.
Ebenso war die F6N8 befngt, Beschlüsse über ihre
gemeinsamen Angelegenheiten zu sassen. Diese pri-
vatrechtlichen Verhältnisse l.ju8 ^entilicinin) erhiel-
ten sich bis in die erste .Naiserzeit; Gajns bezeichnet
die Gentilität bereits als abgekommen. Auch plc-
^ bejiscbe Familien entwickelten sich zu größern Ver-
wandtschaftvtreisen, welche dann einen gemeinsamen
Gentilnamen führten und in mehrere Familien zer-
fielen, aber l^. im alten Sinne würden sie nicht.
Genthin, Kreisstadt im Kreis Ierichow II des
prenß. Reg.-Bez. Magdeburg, 48 kin im NO. von
! 'Magdeburg, an der Stremme und am Plauenschen
Kanal (s. d.), an der Linie Bcrlin-Potsdam-Magde-
burg der Preuß. ^taatsbahncn, ^itz des Landrats-
amtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Magde-
burg), hat (1890) 47W E., darunter 83 Katholiken
uud' 40 Israclitcn, Post erster Klasse, Telegraph,
Progymnasium, evang. Schullchrerseminar nnd
Präparandcnanstalt; Thonwarcnfabrikation, große
Böttcherei und Ziegeleien, mehrere Dampffchneide-
milhlen, Puppen- und Hanofchuhfabrik.
! Qentiaua., Pflanzengattnug, f. Enzian.
! Gentianablau, f. Anilinfarben.
! Gentianaccen l^euticin^c^a") oder Gentia-
ncen ((lentiünöno), Pflanzenfamilie ans der Ord-
! nnng der Contorten (s. d.) mit gegen 500 fast über
die ganze Erde, vorzugswcife in bergigen Gegenden
der gemäßigten Zonen zerstreuten Arten. Es sind
fast sämtlich einjährige oder ausdanernde krantartige
Gewächse, selten Sträucher, mit ungeteilten, meist
gegenständigen Blättern und einzeln oder cymös
stehenden Blüten mit 4-.""lappigem, meist röhren-
förmigem Kelch, einer verwachfcnblätterigen, meist
trichter- oder glockenförmigen Blnmenkrone, die eben-
falls 4-5lappig, seltener l;-I2lappig ist; Staub-
gefäße in der Regel so viel als Zipfel der Vlumen-
kroue, der Griffel ist meist an seiner Spitze zwei-
spaltig, der Frucbtknoten oberständig und aus zwei
Fruchtblättern znsammengesetzt, entweder ein- oder
zweifäcberig' die Frucht ist eine vielsamige zwei-
tlappigc Kapsel, deren Wandung meist häutig, selten
fleischig entwickelt ist. Da viele G. große, lebhaft
gefärbte Blüten besitzen, so werden einige als Zier-
pflanzen gezogen, und zwar hauptsächlich Arten der
Gattung (^LntiÄna (s. Enzian).
Gentiamn, ein krystallinischer Stoff von der For-
mel (^IlioO.^, der aus der Wnrzel von ^sntiana
Wt6k ^/. dnrch Äther ausgezogen werden kann.
Gentil (frz., spr. schangtih), fein, niedlich, artig.
Gentile (fpr. dfchen-), Valentino, s. Antitrini-
tarier. ss. Fabriano.
Gentile da Fabriano^spr.dschen-),ital. Maler,