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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geographische Länge - Geologie
In der That war dies der erste deutsche Geogra-
phentag', indes der nächste, 1881 zu Berlin abgehal-
tene beginnt jedoch wiederum eine selbständige <Herie;
seitdem wird zuerst alljährlich, seit 1887 alle 2 Jahre
in der Osterwoche ein deutscher Geographentag ab-
gehalten, zuletzt im April 1895 in Bremen. Die
"Verhandlungen" der Geographentage erschienen
im Druck (Berl. 1881 fg.).
Auch in andern Ländern haben geogr. Kongresse
und Wanderversammlungen zu besondern, beschränk-
tem Zwecken stattgesunden' in England 1876 in
Glasgow, 1877inPlymouth, 1878 in Dublin, 1879
in Sheffield, 1880 in Swansea u. s. w.; in Frank-
reich 1872 in Bordeaux, 1873 in Lyon, 1874 in
Lilie; 1875 wählte man Nantes, 1876 Clermont-
Ferrand, 1877 .havre, 1878 Paris, 1879 Mont-
pellier, 1880 Reims. Die Schweiz hat geogr. Kon-
gresse seit 1881; der letzte tagte 1890 zu Neuchätel.
Endlich fand 18. bis 22. Sept. 1892 der erste Kon-
greß ital. Geographen zu Genua statt, im Anschluß
an die Columbus-Iubiläumsfeier.
GeographifcheLänge,s. Länge, geographische.
Geographische Meile, s. Meile.
Geographisches Institut in Weimar, 1791
von Friedr. Justin Bertuch (s. d.) gegründet, ging
1822 an Obermedizinalrat Dr. L. Fr. von Froriep
über, später an dessen Sohn, Geh. Medizinalrat Dr.
Robert Froriep, 1855 an Ludwig Denicke
aus Lün^burg, 1858 anVoigt & Günther, später
an Dr. F. Arnd, 1883 an eine Kommanditgesell-
schaft unter Vertretung von H e rm annWeißbach
und Julius Iwan Kettler, der 1890 alleiniger
Besitzer wurde. Der Verlag umfaßt Atlanten lauck
der Alten Welt), General- und Specialkarten der
einzelnen Erdteile und Länder, Hand- und Reise-
tarten, Physik., geolog. und.Himmelskarten, Mond-
tarten, Erd-und Himmelsgloben, hauptsächlich be-
arbeitet von H. Kiepert, Karl und Adolf Graf, C. F.
Weiland, Kettler, C. Riemer und C. Bruhns, ferner
Zeitschriften und geogr.-statist. Jahrbücher.
Geograph von Ravenna, anonymer, im
7. Jahrh, lebender, aus Ravenna gebürtiger Ver-
fasser einer Geographie in griech. Sprache mit dem
Titel "Kosmographie", die in einer im 9. Jahrb.
angefertigten lat. Übersetzung erhalten ist. Das
Werk bietet in der Hauptfache Namenreihen von
Städten, Inseln und Flüssen aller dem Altertum
bekannten Länder der Erde. Die Angaben sind fast
ausschließlich aus einer großen, mit der Peutinger-
schen Tafel (f. Peutinger) eng verwandten Itinerar-
karte entnommen, die als ein sehr entstelltes Abbild
der großen Weltkarte, welche Kaiser Augustus in
Rom herstellen ließ, anzusehen ist. Die "Kosmo-
graphie" ist herausgegeben von M. Pinder und
G. Parthey (Berl. 1860).
Geold, die einem Rotationsellipsoid sehr nahe
kommende wirkliche Gestalt der Erdoberfläche.
Geoktepe (Gök Tepe), ein seit 12. Jan. 1881
im russ. Besitz befindlicher befestigter Ort in der
Oase der Achal-Teke-Turkmenen, in Russisch-Tur-
kestan, am Bache Sasyk-ab und an der Trans-
kaspischen Eisenbahn. General Skobelew bemäch-
tigte sich 20. Dez. 1880 mit 8000 Mann kaukas. und
turkestan. Truppen des befestigten Iangi Kala süd-
lich von G. und schlug vor der Südfront der Festung,
in der sich 40000 Tekinzen befanden, ein stark be-
festigtes Lager auf. Am 12. (24.) Jan. erfolgte der
Sturm in drei Kolonnen: die Tekinzen zogen sich zu-
rück, wurden verfolgt und großenteils niedergemacht.
Die russ. Befestigung G. liegt nicht genau an
dem Orte, den Skobelew 1881 einnahm. Letzterer
besteht vielmehr noch als Dorf Geok-Tepe oder
Ar ab an demselben Bache Sasyk-ab mit (1883)
1438 E., Tekinzen vom Stamme Sytschmas. In der
Nähe liegt noch ein zweites Dorf Geok-Tepe oder
Bogadsche mit 1581 E., ebenfalls Tekinzen.
Geoktschaj, auch Goktschaj. 1) Kreis im
westl. Teil des russ. Gouvernements Baku in Trans-
kaukasien, im N. gebirgig, im S. Steppe und von
der Kura begrenzt, hat 4274,i hkm, 77 331 E.
(Aserbeidscdansche Tataren, Armenier, Juden, 1385
russ. Raskolnikon), Ackerbau, Viehzucht, Obstbau,
Seidenzucht,Tcppich-undSeidenweberei.-2) Kreis-
stadt im Kreis G., am Fluß G. und 17 km nordlich
der Station Udschary der Linie Tiflis-Batu der
Transkaukas. Eisenbahn, hat (1891) 892 E., Post,
Telegraph.
Geologie (grch.) oder Geognosie, die Wissen-
schaft von der Zusammensetzung und dem Bau der
Erde als eines aus anorganischen Massen bestehenden
Weltkörpers. Da die feste Erdkruste, die uns allein
zugänglich ist, wesentlich aus Mineralaggregaten
besteht, die man Gesteine oder Felsarten nennt, wie
z. B. Granit, Gneis, Sandstein, Kalkstein u. s. w.,
so ist es eine erste Aufgabe der G., die Verschieden-
beiten derselben zu untersuchen und festzustellen
lPetrographie, Gesteinslehre), .hierbei ergab sich
zugleich, daß alle diese Gesteine teils durch Erstar
rung aus einem vorher heißflüfsigen Zustande, teils
durch Ablagerung aus Wasser entstanden sind; in-
folge davon unterfcheidet man Eruptivgesteine
und sedimentäre Gesteine. Über die Bildung
der Gesteine s. Gesteinsbildung', über die Bildung
der Erzgänge s. Erzlagerstätten.
Die Aufgabe der G. besteht aber keineswegs le-
diglick in der Untersuchung und Unterfcheidung der
verschiedenartigen Massen, aus denen die feste Erd-
kruste zusammengesetzt ist, sondern ganz besonders
auch in der Untersuchung der gegenseitigen Lage-
rungsverhältnisse und sonstigen Beziehungen, unter
! denen sie austreten, woraus sich eben erst der innere
! Bau der festen Erdkruste, die Geotektonik, er-
! giebt. Diese Untersuchungen lassen zugleich die spe-
cielle Art der Entstehung der Gesteine sowie ihr re-
latives Alter und die Vildungsweise oder Ent-
stehungsgeschichte der festen Erdkruste erkennen.
Für die Beurteilung der sedimentären Gesteine
sind die sehr häufig darin enthaltenen Überreste von
organischen Körpern, die sog. Versteinerungen, ganz
besonders wichtig. Sie rühren von Pflanzen oder
Tieren her, die in frühern Zeiten lebten und deren
Species größtenteils nicht mehr lebend existieren,
ja die zum Teil sogar sehr bedeutend von den jetzt
lebenden Formen abweichen. Aus ihrer Verteilung
in den übereinander liegenden und folglich nach-
einander gebildeten Schichten oder Ablagerungen
geht hervor, daß unausgesetzt, aber in sehr langen
Zeiträumen, neue Formen entstanden und vorhan-
dene erloschen sind, und daß jede Periode der Ent-
wicklungsgeschichte der Erde ihre von der vorher-
gegangenen und folgenden verfchiedene Flora und
Fauna gehabt hat. Seitdem man die chronol. An-
ordnung der fossilen Reste erkannt hat, pflegt man
dieselbe vorzugsweise zur Bestimmung des geolog.
Alters der Ablagerungen zu benutzen. Auf diese
Weise ist die Versteinerungskunde oder Pa-
läontologie (s. d.) für die G. wichtig geworden,
zumal da man nach den fossilen Tier- und Pflanzen-