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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geologisch-agronomische Flachlandsaufnahme - Geologische Landesanstalten
bis jetzt von einigen Teilen Preußens, Sachsens und
der Schweiz erschienen sind, Muster der Ausführung.
In technischer Hinsicht ist die G. wichtig, da nicht
nur das Auffinden und Verfolgen von Erzgängen
und Lagern, von Brennstoffen, Salz u. s. w., son-
dern auch die Anlage von Eisenbahnen, Tunneln
u. dgl. Kenntnisse vom geolog. Bau der betreffenden
(legend erfordert.
Geschichte der G. In gewissem Sinne beginnt
die Entwicklung der G. bereits im grauen Alter-
tume mit Spekulationen über den Ursprung der Erde
und über Veränderungen auf ihrer Oberfläche; als
Wissenschaft aber beginnt die G. doch erst mit den
Forschungen Georg Agricolas (1490 - 1555) auf
Grund der Untersuchung von Mineralien und der
denn Bergbau beobachteten Erscheinungen. Nach
ibm ist der Däne N. Steno (1631-^6) zu nennen,
der die organische Abstammung der Pelrefaktcn zur
Anerkennung zu bringen suchte, und der Engländer
Martin Lister < ^638-1712), der den Wert der Petre-
fakten für die Bestimmung der Alteröfolge der Sedi-
mente erkannte. Eine neue Epoche beginnt erst mit
G. A. Werner (1750-1817), der die "Geognosie"
zuerst als selbständige Wissenschaft in Freiderg in
Sacksen lehrte und sie ebenso durch seine scharfsinnige
Beobachtung und Darstellung, wie durch die Begei-
sterung förderte, mit der er feine zablreichen Schüler
aus allen Ländern erfüllte. Seiner Person ist es
zuzuschreiben, daß seine sog. "neptunistischen" An-
scbauungen eine große Beachtung fanden ungeachtet
der Darlegungen des Schotten James Kutton (1726
-l)7), der dem unterirdischen Feuer bei der Heraus-
bildung der Erde fein Recht zusprach. Unter den
zablreichen und verdienstvollen Forschern in Deutsch-
land, England und Frankreich um die^Wende des
Jahrhunderts und noch weit später wird der Streit
der Neptunisten und Plutonisten der Förderung der
Wissenschaft geradezu hinderlich. Obwohl schon be-
sonders Füchsel und Karl von Hoff (177l-1837)
auf die Bedeutung der gegenwärtig auf der Erde
sich abspielenden geolog. Prozesse für die Ertlä-
rnng der Vergangenheit hingewiesen hatten, so
waren es doch erst die "Principien der G." des
Engländers Sir Charles Lyell (1797 - 1875), die
die sog. aktualistische Auffassung lgeolog. Phäno-
mene einzuleiten vermochten.
Neben den geogenetischen Spekulationen und Stu-
dien geht nun aber mit dem Beginn dieses Jahr-
hunderts auch immer mehr die Erforschung der Erde
durch Beobachtungen, die Feststellung de^ Beobach-
teten durch eingehende Beschreibung und Festlegung
auf Karten einher. In Deutschland ragt durch seine
vielseitige und umfassende Thätigkeit vor allen Wer-
ners berühmtester Schüler Leopold von Buch (1774
-1853) hervor; mag er auch in der Betonung einer
falschen Hypothese über den Ursprung vulkanischer
Berge nicht glücklich gewesen sein, seine Beobach-
tungen auf weiten Reisen, seine Untersuchungen
von Petrefatten und Formationen sichern ihm eine
hervorragende Stelle unter allen Geologen. Neben
ihm stehen in England Sir Roderick Murchison, in
Frankreich Elie de Veaumont und viele andere. Die
vorurteilsfreien Beobachtungen häufen sich nun im-
mer mehr, in Deutschland durch die Thätigkeit von
von Alberti, Heinr. Credner, von Dechen, von Güm-
del, C. F. Naumann, Oppel, Quenstedt, der Gebrü-
der Römer, von Strombeck u. a.; in Osterreicb durcb
I. Barrande, von Hauer, von Hochstetter, M. Hoer-
ues, Renß u. a.
In den sechziger Jahren tritt die G. in ein neues
Stadium. E. Veyrich in Berlin dringt durch mit
! der Forderung der Herstellung geolog. Karten in
größtem Maßstabe, und nach dem Vorbilde der
geolog. Reichsanstalt in Wien erhalten nun fast alle
Staaten Europas und manche andere Länder ihre
, Geologischen Landesanstalten (s. d.). Zu gleicher Zeit
! wird das Mikroskop in den Dienst geolog. Forschung
gestellt. F. Zirkel in Leipzig gebührt das Verdienst,
l auf diesem Gebiete Bahn gebrochen zu haben. Es
^ nimmt die G. einen erneuten Aufschwung, es häufen
sich wertvollste Arbeiten in allen Zweigen der G.
^ in schier unübersehbarer Masse, aber doch bleibt der
! gcolog. Forschung, der Verwertung aller Veobach-
! tungen zu höherer Erkenntnis noch ein uncrmeß-
^ liches Gebiet für die Zukunft übrig.
! Litteratur. Die verbreitetsten Lehr- und Hand-
! bücher der G., die das ganze Gebiet umfassen, sind
folgende: Eredner, Elemente der G. (7. Aufl., Lpz.
! 1891); Neumayr, Erdgeschichte (2 Bde., ebd. 1887);
K. W. von Gümbel,G. von Bayern. Teil 1: Grund-
! züge der G. (Cassel 1888); von Fritsch, Allgemeine
! G. (Stnttg. 1888); Naumann, Lehrbuch der Geo-
gnosie (2. Aufl., Bd. 1 u. 2, Lpz. 1857-62; Bd. 3,
Lsg. 1-3, 1866-72; unvollendet); A. de Lappa-
! rent, ^raite äo FeoloFis (2. Aufl., Par. 1885);
! A. Geikie, Ikxtdook ot' ^eow^ (3. Aufl., Lond.
1893); Dana,^1anulli0f8oo1o^(10.Aufl.,Neuyork
! 1880); Kayfcr, Lehrbuch der G. (2 Bde., Stuttg.
1891-93). Eine wissenschaftliche Darstellung der
' Geschichte der G. ist noch nicht geschrieben. Deutsche
' gcolog. Zeitschriften sind das zu Stuttgart erschei-
! nende Neue Jahrbuch für Mineralogie, G. und
^ Paläontologie; die Zeitschrift der Deutschen Geo-
logischen Gesellschaft zu Berlin; das Jahrbuch der
k. k. Geologischen Rcichsanstalt in Wien.
Geologisch - agronomische Flachlandsauf-
! nähme wird von der königlich preuß. Geologischen
Landesanstalt bewirkt, indem die nach rein geo-
log. Grundsätzen kolorierten Karten im Maßstabe
1:25 000 noch mit farbigen Signaturen verfehen
werden, die die Hauptarten des obern Bodens an-
geben; über den Untergrund geben zahlreiche bis
zu 2 ui Tiefe ausgeführte Bohrungen, deren Er-
gebnisse in roten Zeichen kurz aufgedruckt sind, ge-
nügende Auc-tunft.
Geologische Formationen, s. Geologie.
Geologische Gesellschaften haben den Zweck,
die Geologie im allgemeinen, besonders aber die Er-
forschung der geolog. Verhältnisse und des Mineral-
reichtums einzelner Länder zu fordern. Diesem Zwecke
dienen Versammlungen der Mitglieder mit Vorträ-
gen, Besprechungen und Ausflügen, Veröffentlichung
von Zeitschriften und umfangreichern Abhandlun-
gen sowie auch pekuniäre Unterstützung geolog.
Forschuugen. G. G. bestehen in saft allen grosiern
Kulturländern, so in Deutschland die Deutsche Geo-
logische Gesellschaft in Berlin, in Eliglaild die Odo-
lo^'ical Zocit^x of London und die Koval 660ioFi-
cai 8oci6t^' ok Ireianä, in Frankreich" die 8o"6lc;
F60i0Fihii6 lie ^I'HNC6, in Schweden (^60l()Ai8k3.
1^0i6iiiiiF6n in Stockholm, neuerdings auch in Ita-
lien und in der Schweiz.
Geologische Karten, s. Geologie.
Geologische Landesanstalten, Institute,
denen vom Staate die Aufgabe gestellt ist, die letz-
tcrm angedorigen Ländergcbiete geologisch zu unter-
su^en und die gewonnenen Resultate in Form von
geolog. Karten, Profilen und Beschreibungen zur