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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Georg (Herzog von Braunschweig-Lüneburg); Georg (Prinz von Dänemark); Georg I. (König von Griechenland); Georg Wilhelm (Herzog von Braunschweig-Lüneburg)

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Georg (Herzog von Braunschweig-Lüneburg) – Georg I. (König von Griechenland)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Georg Friedrich (Markgraf von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth)'

liche Gewalt in Preußen von neuem zu befestigen und weiter auszudehnen. Er führte zahlreiche fränk. Beamte in das Land, die nach fränk. Muster die Verwaltung, die Finanzen, das Steuerwesen neu ordneten. Für das Interesse des Hohenzollernhauses war G. F. allenthalben thätig. Da er keine Söhne besaß und mit seinem Tode die fränk. Linie erlöschen mußte, so vereinbarte er mit dem Kurfürsten Joachim Friedrich, dem frühern Administrator von Magdeburg, 1599 den Geraer Vertrag, durch den die Unteilbarkeit der Kurlande bestätigt wurde, während den jüngern Brüdern Joachim Friedrichs, seinen Stiefbrüdern Christian und Joachim Ernst, die fränk. Markgrafschaften zufielen. Jägerndorf hatte G. F. 1596 an die Kurlinie des Hauses geschenkt. Er starb 1603 und wurde in der Klosterkirche zu Heilsbronn, der fränk. Hohenzollern-Grabstätte, bestattet.

Georg, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, geb. 17. Febr. 1582 als sechster Sohn des Herzogs Wilhelm (s. Braunschweig, Bd. 3, S. 465b), kämpfte in den Niederlanden unter Moritz von Oranien und Spinola und nahm in dän. Diensten 1611–13 am Kriege gegen Schweden in Schonen teil. Im Dreißigjährigen Kriege focht G. bald auf kaiserlicher, bald auf schwed. Seite, lediglich darauf bedacht, die welfischen Lande möglichst vor den Schrecken des Krieges zu bewahren. 1626 kämpfte G. in kaiserl. Diensten in Brandenburg, Holstein und Italien, nahm im Juli 1630 den Abschied und trat bald darauf in die Dienste Gustav Adolfs. Die von ihm geworbenen sechs Regimenter zeichneten sich im Juni 1632 bei Sarstedt, 2. März 1633 bei Rinteln, 28. Juni 1633 bei Hessisch-Oldendorf aus; 10. Nov. 1634 eroberte G. Minden. Am 29. Juli 1635 nahm er infolge von Mißhelligkeiten mit Oxenstierna den Abschied aus schwed. Dienste und trat bedingungsweise dem Prager Frieden bei; doch blieben seine Truppen fast sämtlich der schwed. Sache treu. G. erhielt nach dem Tode Friedrich Ulrichs (1634), mit dem das mittlere Haus Braunschweig-Wolfenbüttel ausstarb, im Teilungsvertrage mit seinen Brüdern vom 27. Jan. 1636 die Regierung von Göttingen und Calenberg, worauf ihm die übrigen welfischen Fürsten den Befehl über ihre Truppen übertrugen und eine bewaffnete Neutralität zu beobachten beschlossen. 1639 trat G. wieder zu den Schweden über und übernahm auch den Befehl über die Truppen der Landgräfin Amalie von Hessen, ohne bedeutende Erfolge zu erringen; 2.April 1641 starb er. G. ist der Stammvater des hannov. Königshauses, da er allein von seinen Brüdern sich vermählte. Er war ein talentvoller Heerführer und Organisator. – Vgl. von der Decken, Herzog G. von Braunschweig und Lüneburg (4 Bde., Hannov. 1833–34).

Georg Wilhelm, Herzog von Braunschweig-Lüneburg, geb. 16. Jan. 1624 zu Herzberg als zweiter Sohn des vorigen, gelangte 1648 in den Besitz des Fürstentums Braunschweig-Calenberg nebst Göttingen, während sein ältester Bruder Christian Ludwig die Fürstentümer Braunschweig-Celle und Grubenhagen übernahm. Nach dem Tode des letztern erhielt G. W. 1665 infolge eines Vergleichs das Fürstentum Celle, wohingegen Calenberg, Göttingen und Grubenhagen seinem Bruder, dem Herzog Johann Friedrich, zufielen. Aus besonderer Zuneigung zu seinem jüngsten Bruder Ernst August hatte er sich 1658 diesem gegenüber feierlich verpflichtet, sich niemals zu vermählen, auch bewirkte er, um dessen Vermählung mit der ↔ Prinzessin Sophie, der Tochter des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz, zu ermöglichen, von den Calenbergischcn Ständen eine namhafte Erhöhung der Apanage desselben. Später jedoch trat G. W. in eine nahe Verbindung mit Eleonore d'Olbreuse, der Tochter eines franz. Emigranten, die auf seinen Wunsch 1674 durch Kaiser Leopold I. zur Reichsgräfin von Harburg und Wilhelmsburg erhoben wurde und mit der er sich 1676 unter Zustimmung seines Bruders, des Herzogs Ernst August, vermählte. Zuvor hatte er in einem besondern Vertrage die Erbfolge seines Bruders und dessen Nachkommen in seinem Fürstentume auch für den Fall ausdrücklich anerkannt, daß ihm in seiner Ehe noch Söhne geboren werden sollten. Dieser Ehe entstammte eine 1666 geborene Tochter Sophia Dorothea (s. d.), die Gemahlin des Kurprinzen von Hannover, spätern Königs Georg I. von Großbritannien. In dem Kriege gegen Frankreich 1674 und 1675 stand G. W. treu zu Kaiser und Reich und suchte in diesem Sinne auch auf die übrigen welfischen Fürsten einzuwirken. An der Spitze seiner Truppen nahm er an der Schlacht an der Conzer Brücke (s. Conz) 11. Aug. 1675 sowie an der Erstürmung Triers rühmlichen Anteil. G. W. starb 28. Aug. 1705. Mit ihm erlosch die Linie Braunschweig-Celle, die Besitzungen kamen an das nunmehrige Kurhaus Hannover.

Georg, Prinz von Dänemark, geb. 1653 als Sohn König Friedrichs III., seit 1683 Gemahl der spätern Königin Anna von England, trat in der Revolution von 1688 gegen seinen Schwiegervater Jakob II. auf Seite Wilhelms von Oranien und wurde von diesem zum Herzog von Cumberland, später von seiner Gemahlin zum Großadmiral erhoben. Er war ein unbedeutender Mann, der von seinem beliebten Ausruf den Spitznamen Est-il-possible führte. Er starb 1708.

Georg I., König von Griechenland, offiziell «König der Hellenen», geb. 24. Dez. 1845 zu Kopenhagen als zweiter Sohn des Königs Christian IX. von Dänemark und der Königin Luise, führte als dän. Prinz den Namen Wilhelm und widmete sich dem Seedienst. Auf Empfehlung Englands wurde er als Kandidat für den durch den Sturz Ottos I. erledigten griech. Thron von Frankreich und Rußland günstig aufgenommen und 30. März 1863 von der griech. Nationalversammlung einstimmig unter dem Namen G. zum König erwählt. Durch ein Protokoll der drei Schutzmächte (zu London 5. Juni) wurde die Thronfrage geregelt; tags darauf nahm G. die Krone an und wurde 27. Juni von der griech. Nationalversammlung für volljährig erklärt. Nachdem er durch einen Vertrag seinem jüngern Bruder Waldemar den Vorrang in der dän. Erbfolge eingeräumt hatte, landete er 30. Okt. im Peiraieus und hielt seinen feierlichen Einzug in Athen, wo er tags darauf vor der Nationalversammlung den Eid auf die Verfassung leistete und die Regierung übernahm. Die an seine Thronbesteigung sich knüpfende Vereinigung der Ionischen Inseln mit Griechenland, seine 27. Okt. 1867 erfolgte Vermählung mit der russ. Großfürstin Olga und die Erziehung seiner Kinder in der griech.-kath. Kirche (während er selbst evangelisch blieb) verschafften ihm persönliche Beliebtheit und sicherten seinen Thron. An den nationalen Wünschen, die auf eine Vereinigung aller unter türk. Herrschaft befindlichen griech. Ländern mit Griechenland hinzielen, hat er

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 820.