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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Georg IV. (König von Großbritannien)
Dieser dauernden irischen Gefahr snchte Pitt zu be-
gegnen durch die volle Union beider Inseln in einem
Parlament (1800); als er aber auch zur Beseitigung
aller bürgerlichen Beschränkungen der Katholiken,
die weitaus in Irland überwogen, schreiten wollte,
scheiterte er am Eigensinn G.s und mußte ab-
treten (1801), bis ihn der Kampf gegen Napoleon
wieder ans Nuder rief. Nach seinem frühen Tode
(1806) und einer kurzen Whigregierung übernahmen
die Tones die Durchführung des Krieges, während
G., bei dem die Krankheitsanfälle sich mehrten,
1810 völliger Geistesumnachtung verfiel, die seit
Jan. 1811 die dauernde Regentschaft des Prinzen
von Wales erforderlich machte. Der starke Körper
des Königs, der obendrein völlig erblindete, erhielt
ihn noch 9 Jahre am Leben. Er starb 29. Jan.
1820 in Windsor. - G. besaß mannigfache per-
sönliche Vorzüge, Mut und Entschlossenheit, die er
bei mehrern Attentaten, die auf ihn verübt wurden,
und bei fonstigen Gelegenheiten bewies. Doch kann
dies das Urteil über ihn nicht ändern, daß er einer
der unfähigsten und durch alles, was er felbst ge-
than und veranlaßt hat, unheilvollsten engl. Mon-
archen war. Der große Aufschwung, den England
in seiner europ. Machtstellung, in Handel und In-
dustrie während der sechzig Jahre seiner Regierung
nahm, ist nicht ihm zu danken, sondern namentlich
dem jüngern Pitt.
Aus seiner 1761 geschlossenen Ehe mit Charlotte
Sophie von Mecklenburg-Strelitz (gest. 1818) hinter-
ließ er sieben Söhne: Georg IV.; Friedrich, Herzog
von 3)ork; Wilhelm, Herzog von Clarence (den nach-
maligen Wilhelm IV.); Eduard, Herzog von Kent,
den Vater der Königin Victoria; Ernst August, Her-
zog von Cumberland, den spätern König von Han-
nover; August Friedrich, Herzog von Eussex; Adolf
Friedrich, Herzog von Cambridge, und sechs Töchter.
- Vgl. Mahon IStanhope^, IIi8toi'x oi' Nu^nä
1713-83, Bd. 3-7 (Lond. 1837 fg.'u. ö.; deutsch,
Braunfchw. 1855); Lecky, Ilistor^ ot'NiiAlluid in
tiis 18"' cenwi'7, Bd. 3-6 (Lond. 1878; deutfch,
Bd. 3 u. 4, Lpz. 1882-83); Thackeray, ^1i6 tour
^601-^88 (Lond. 1861 u. ö.); Massey, Hintm-x ok
Nn^imä dni'iil^ tii" rei^n ot' (^eoi^o III. (4 Bde.,
ebd. 1861-63; 2. Aufl. 1866); Phillimore, 11i8wi-)'
ot' NnAlÄnd) I-lei^n ok (,601^6 III., Bd. 1 (ebd.
1863); Anderson, Iiistor^ ot' tteoi^k tke tlniä'8
i-eiZn (ebd. 1891); mehr anekdotenhast Iesse, Ns-
moii'8 of td6 Ute tuul rei^n of (^01^0 III. (3 Bde.,
2. Aufl. 1867); Walpole, Nmnoii-8 ot' tlie rßi^n ot'
(;6oi^6 III. (4 Bde., Lond. 1847; 2. Aufl. 1851);
^ori'68^onll6nc6 ot' t^0i'Z6 III. >vit1i I^ord ^ortti
(hg. von Donne, 2 Bde., 1867); Wright, ^aric^-
tui'6 Iliätoi'^ ot' tlie (^601-^68 (Lond. 1867); Wal-
pole, 1^8t .loniimlg (hg. von Doran, 2 Bde., edd.
1859); ders., 1.6^618 (hg. von Cunningham, 9 Bde.,
1880); die Korrespondenzen und Memoiren der
Staatsmänner unter G.: Bedford, Grenville,
Roctingham, Chatham, North, For.
Georg IV.,König von Großbritannien und
Irland und König von Hannover (1820-30), ältester
l^ohn und Nachfolger Georgs III., wurde 12. Aug.
1762 in London geboren und zeigte schon früh einen
Hang zu zügelloser Ausfchweifung und Verschwen-
dung, wobei er sich ebenso wie in seinen polit. Be-
strebungen auss engste mit dem seinem Vater ver-
haßten For verband. 1785 schloß er eine heimliche
Ehe mit einer Katholikin, der Witwe Fitzherbert;
doch ließ er. diese Verbindung auss entschiedenste
in Abrede stellen, als er der Hilfe des Parlaments
bedürfte, um feine ungeheuern Schulden zu decken.
Mit einer Bewilligung von 160000 Pfd. St. über-
nahm das Parlament 1787 einen Teil derfelben.
Kurze Zeit darauf war seine Schuldenlast aber wie-
der zu einer solchen Höhe gelangt, daß er unter der
Bedingung der Bezahlung und Erhöbung seiner
Apanage in eine standesgemäße Ebe mit der Prin-
zessin Karolinc von Braunschweig willigte, die 1795
abgeschlossen wurde. Diese Verbindung war von
Beginn an unglücklich, und nach der Geburt der
Prinzessin Charlotte 1796 trennte sich G. in roher
Form von seiner Gattin. Längere Zeit lebte er fern
von aller Politik; seit dem Auseinanderfall der
Whigpartei (1792) hatte er sich mehr und mehr von
diesen alten Freunden entfernt. Der König verwei-
gerte dein ihm feindselig gesinnten Sobne, dessen
ganze Lebensführung ein öffentlicher Skandal war,
jede Verwendung im Civil- oderMilitärdienst. Iedocb
mußte ihm, als Georgs III. Geisteskrankheit fich als
unheilbar erwies, Jan. 1811 die Regentschaft über-
tragen werden und damit begann thatsächlich seine
eigene Regierung.
Großes Erstaunen erregte der Prinzregent, indem
er, früher der fchärfste whigistische Oppositionsmann,
zetzt das Toryministerium unter Perceval beibehielt,
sobald auch dieses sich seinen Geldansprüchen nach-
giebig zeigte. Ihm war es lediglich um die Mittel
zum Lebensgenuß zu thun, von Versuchen zur Er-
weiterung der königl. Macht hielt ihn schon seine
Scheu vor ^eder ernsten Arbeit ab. Auch nach
Percevals Tod (1812) bildete er nach einigem
Schwanken wieder ein ausschließliches Torykabinett
unter Liverpool, dem er die Regierung völlig über-
ließ, während er seinen Lustbarkeiten und seiner
prunkvollen aber geschmacklosen Baulust lebte. Be-
sonders beim Besuch der verbündeten Monarchen
von Rußland, Österreich und Preußen in London
(1814) entfaltete er eine verschwenderische Pracht.
Während Teuerung und Hungersnot die niedern
Klassen zu Unruhen trieb, zeigte sich bei ihm wieder
nur ein gewaltiges Anwachsen seiner Schulden,
was eine ungeheure Erbitterung gegen ihn zur
Folge hatte. Als er auch nominell König geworden
(^9. Jan. 1820), war seine erste Tbat die Einleitung
des Scheidungsprozesses gegen seine Gemahlin, die
allerdings durch ein taktloses Benehmen Anlaß zum
Tadel gegeben hatte. Das Ministerium ließ sich ge-
winnen, dem Oberhaus die Klage vorzulegen, aber
vor der zur Königin haltenden öffentlichen Meinung
mußte man sie fallen lassen. Der schmutzige Handel
erregte das höchste Aussehen und Ärgernis. Trotz-
dem ließ G. aber seine Gattin nickt zu der mit
größtem Pomp 19. Juli 1821 abgehaltenen Krönung
zu; ihm war es eine Befreiung, daß kurz daraus
Karoline starb (Aug. 1821). Weit unwillkommener
war ihm bei seinem Besuch Schottlands 1822 die
Kunde vom Selbstmord des Marquis von London-
derry, und erst nach langem Zögern konnte er sich
entschließen, zu dessen Nachfolger im Auswärtigen
den ihm wenig genehmen Canning zu ernennen.
Auch in den folgenden Jahren lebte G. allein feinen
Vergnügungen, nur der Katholikenbefreiung setzte
er einen hartnäckigen Widerstand entgegen, den
auch der Herzog von Wellington schließlich (1829)
nur mit der Drohung seines Rücktritts brechen konnte.
G. starb 25. Juni 1830 in Windsor. In London
wurde ihm auf dem Trafalgar Square ein Reiter-
standbild (modelliert von C>antrey) errichtet. Sei-