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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Georgijewsk - Georgsdukaten

die Kura bewohnt. Sie zerfällt in die eigentlichen G. (etwa 310000), die Mingrelier (200000), die Imeretier und Gurier (zusammen 380000), Kobulezen und Adscharen (zusammen 46000), die Chewsuren (s. d.), Pschawen und Tuschen (zusammen 2000). Dazu kommen noch die Swaneten (12000), die mohammedanischen G. (Engiloi, d. h. Bekehrte, genannt) um Lagodechi (Kreis Sakatalv), die Mtiuli (d. h. Bergleute) am obern Lauf der Aragwa und die aus Grusien ausgewanderten am obern Lauf des Terek angesiedelten G. Die Gesamtzahl dieser Völker, die zum Teil nur nach der Örtlichkeit benannt sind, beträgt etwa 1 Mill. Sie sprechen alle die Georgische Sprache (s. d.) mit wenig Abweichungen. Die G. sind iran. Abstammung, wenn auch da und dort mit Semiten und Turanen vermischt, von Wuchs im allgemeinen groß, mit edelgeformtem Schädel (dolichocephal), geradstehenden Kiefern und Zähnen, dunkeln Augen, dichtem, meist schwarzem und gelocktem Haar, reichlichem Bartwuchs, weißer, durch die Sonne etwas gebräunter Hautfarbe. Die Frauen haben auffallend regelmäßige Züge, aber meist ohne Ausdruck, und verblühen bald. Der G. ist sehr gastfreundlich und liebenswürdig, liebt fröhliche Gesellschaft beim Klang der einheimischen Musik (surna und sasandri) oder der Drehorgel bei Tanz und Spiel, greift aber, vom Wein erhitzt, leicht zum Dolche (kinžal). Das Kostüm der Männer und Frauen ist sehr kleidsam; letztere hüllen sich auf der Straße in weiße Laken, die oft über den Kopf gezogen werden. Die frühern Erdhütten der G. mit flachen Dächern (sakli), auf denen der birnförmige Kamin aufgesetzt ist, und mit ihren Veranden werden mehr und mehr durch Häuser nach europ. Art mit großen Balkons verdrängt. Die innere Einrichtung ist dürftig und meist unsauber. In gesellschaftlicher Beziehung bestehen die G. aus einem heruntergekommenen Adel und einem armen Bauernstand, wegen ihrer Trägheit können sie andern Völkern des Kaukasus, namentlich den Armeniern gegenüber, nicht aufkommen.

Georgijewsk, Stadt im Bezirk Pjatigorsk des Terschen Gebietes im russ. Generalgouvernement Kaukasien, 37 km nordöstlich von Pjatigorsk, in 314 m Höhe, links am Podkumok, hat (1887) 8290 E., Post und Telegraph, 2 russ., 1 armen.-gregor. Kirche, 1 Bank, Bienenzucht und Handel mit Seiden- und Kolonialwaren, auch mit Vieh. G. wurde 1777 als Festung gegründet und war der Stapelplatz von Waffen und Munition für die Kaukasusarmee.

Georgikon (grch.), Lehrgedicht, das den Landbau besingt. Bekannt sind besonders Virgils (s. d.) "Georgica".

Georgine, Pflanze, s. Dahlia.

Georgine, ein gelber Farbstoff, der aus den Rückständen der Fuchsinfabrikation gewonnen wurde, jetzt aber nicht mehr im Handel ist.

Georgios Monachos, genannt Hamartolos ("der Sündige", ein oft vorkommendes Beiwort von Mönchen), verfaßte um die Mitte des 9. Jahrh. eine vielgelesene und von dem russ. Chronisten Nestor benutzte Weltchronik von Adam bis auf 842. Vollständige, aber ungenügende Ausgabe von de Muralt, Petersburg 1859. Eine neue Ausgabe wird vorbereitet von C. de Boor.

Georgios Scholarios, s. Gennadios II.

Georgische Inseln, s. Gesellschaftsinseln.

Georgische Sprache oder grusinische Sprache. Die G. S. gehört samt dem Mingrelischen, Lasischen und Swanetischen zu der kleinen, bisher isoliert stehenden Familie der südkaukas. Sprachen. In lautlicher Hinsicht zeichnet sie sich durch ihren reich entwickelten Konsonantismus sowie durch die Vorliebe für Konsonantenhäufungen aus. Der Bau ist im wesentlichen als agglutinierend zu bezeichnen. Wort- und Formenbildung findet durch Prä- und Suffixe statt. Das georgische Verbum bietet durch die große Anzahl pronominaler, temporaler und modaler Affixe einen bedeutenden Formenreichtum. Zur weitern Charakteristik sei erwähnt, daß das adjektivische Attribut stets vorangeht, während die Stellung des Genetivs eine freie ist; auch richtet sich in der G. S. das Adjektivum im Gegensatze zu den übrigen Sprachen der südkaukas. Gruppe in Numerus und Casus nach dem zugehörigen Substantivum. Die georgische Vulgärschrift, mkhedruli, deren Einführung im 14. Jahrh. erfolgte, ist eine kursive Umbildung des armenischen Alphabets, welches letztere unter dem Namen Khutsuri als georgische Kurialschrift benutzt wird.

Vgl. Syntagmaton linguarum orientalium quae in Georgiae regionibus audiuntur autore Fr. Maria Madggio (Rom 1643); Brosset, Éléments de la langue géorgienne (Par. 1837); Tschubinow, Kratkaja gruzinskaja grammatika (Petersb. 1885); Fr. Müller, Grundriß der Sprachwissenschaft, III, 2 (Wien 1885); Tsagareli, O grammatičeskoj literaturě gruzinskago jazyka (Petersb. 1873).

Die georgische Literatur zeigt in ihrer ältesten Periode ein ausschließlich geistliches Gepräge. Die profane Literatur tritt im 11. Jahrh. auf, und in das 12. Jahrh. fällt bereits die erste Blütezeit der georgischen Dichtung, welcher das berühmte Epos "Wepkhwis tkaosani", der Mann im Tigerfelle, von Schota Rustaweli angehört. Mit dem polit. Verfall hielt dann der Rückgang in der Litteratur gleichen Schritt, und erst seit der Mitte des 19. Jahrh. ist ein neuer Aufschwung der georgischen Dichtung zu verzeichnen. Unter den Dichtern der Gegenwart ist der Lyriker Alex. Tschawtschawadse, neben dem noch Barataschwili und Eristawi zu nennen sind, der hervorragendste. Alle drei stehen mehr oder weniger unter dein Einflüsse Byrons. Eine selbständigere, mehr nationale Richtung vertritt Akati Tsereteli. Die wissenschaftliche Litteratur Georgiens, soweit sie sich auf die Geschichte und Geographie des Landes bezieht, ist vornehmlich durch die Arbeiten Brossets der europ. Forschung zugänglich gemacht worden.

Vgl. Liste des travaux de M. Brosset. Mélanges asiatiques tirés du Bulletin de l'Académie des Sciences, T. IX (Petersb. 1888).

Georgium sidus, Planet, s. Uranus.

Georg-Marienhütte, Kolonie im preuß. Reg.-Bez. und Landkreis Osnabrück, an der Nebenlinie Brackwede-Osnabrück (Bahnhof Malbergen) der Preuß. Staatsbahnen und an der Nebenbahn Haßbergen-G., hat (1890) 1799 E., Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, schöne evang. Kirche, evang. und kath. Volksschule, Wasserleitung, Gasanstalt, Krankenhaus; ein großes Eisenwerk, eine Gießerei, mechan. Werkstatt, Fabriken für Eisenbahnbedarf, Cement und Cementsteinen, ein großes Brauneisensteinlager.

Georgnobel, englische, zur Zeit Heinrichs VIII. geprägte Goldmünze mit dem Bilde des heil. Georg, etwas über 16 M. Wert.

Georgsdukaten, s. Georgsthaler.