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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gepatschferner - Gera
Mdatg. /3c/ii-eb., s. Tafel: KatzenI, Fig.3), hat einen
mähnenartigen Vart und ebensolches .halshaar
und ist gedrungener und niedriger auf den Beinen
als der afrikanische G. ((.ynailurn" nuttiUn^
Hc/n-eb.), den die Araber Fahhad nennen. Der
asiatische G. hat außerdem auf dem ganzen Körper
dunkelbraune Flecke, während der afrikanische anf
dem Bauche weiß und ungeflcckt ist. Letzterer kommt
häufiger in di*e europ. Tiergärten. Sein Preis be-
trägt je nach Alter 350-600 M.
Gepatschferner, der größte Gletscher der Ötz-
thaler Alpen, in den Ostalpen an Größe (24,0 ykm)
nur von der Pasterze, an Länge (10,4 Icm) von keincnl
andern übertroffen, besitzt ein weites und flaches
Firnfeld, einen steilen Absturz (500 m) der Zunge
und ein flaches Zungenstück auf ebenem Boden. Er
ist starkell Schwanlungen unterworfen; seit dem
letzten Marimalstandc (um l850) ist er zwar nur
um 460 ni zurückgegangen, hat aber bis gegen !00 m
an Mächtigkeit verloren, sodaß sein Volumsverlust
(bis 1887) 129 Mill. odm erreicht. Die Mittel-
moräne und die Seitenmoränen sind nur schwach
entwickelt. Das Gletscherende liegt jetzt in 1912 m
Höhe; ihn: entströmt der Faggenbach.
Gephyreen (si^ii^i), s. Sternwürmer.
Geplden, ostgcrmanisches, den Goten stamm-
verwandtes Volk, das, nrsprünglich an der untern
Weichsel sitzend, mit den Goten und Vandalen süd-
wärts zog und sich zunächst an denKarpaten nieder-
ließ. Die ihnen benachbarten Goten besiegten ihren
mächtigen König Fastida. Voll den Hunnen unter-
worfen, nahmen die G. an deren Heere^zug nach
Gallien teil, wurden aber nach Attilas Tod durch
ihren König Ardarich 454 voll dem Joch der Hun-
nen befreit und besetzten die von diesen geräumten
Lande an Theiß, Donau und Save. Nach manchen
Kämpfen mit den Ostgoten entspann siä) ein Ver-
nichtungskampf zwischen den G. und den im Norden
der Theiß angesiedelten Langobarden unter deren
König Audoin und dessen Nachfolger Alboin. Dieser
vereinigte sich mit den Avaren zum völligen Unter-
gange Kunimunds, des letzteil Königs der G. Seit
566 hörte das Volk auf zu existieren; seine Reste
verloren sich unter dem Joch der Avaren. - Vgl.
Aschbach, Geschichte der Heruler und G. (Franlf.
1835); K. Zeuß, Die Deutfchen und die Nachbar-
stümme (Münch. 1837); Kropatschcck, De ^epiäii-
i'um i-6du8 (Dissertation, Halle 1869); F. Dahn,
Die Könige der Germanen (6 Abteil., Münch. u.
Würzb. 1861-71).
Geppert, Karl Edilard, klassischer Philolog, geb.
29. Mai 1811 zu Stettin, studierte zu Breslau,
Leipzig uild Berlin, habilitierte sich 1836 zu Berlin,
ward 1846 außerord. Professor uild starb daselbst
31. Aug. 1881. G.s Hauptthätigkeit war den lat.
Komikern, besonders Plautus, zugewandt und ver-
wickelte ibn in Streitigkeiten mit Nitschl ulld seiner
Schule. Außer Ausgaben von Plautus' "(^ni-eu-
lio" (Berl. 1845), "N^u^^cnmi') (ebd. 1845), "^ii-
UNININN8" (ebd. 1844), "l i^)tivi" (lat. und deutsch,
ebd. 1859), "^i'iionl6ntn8" (Lpz. 1863), "?06uu1u8"
(Berl. 1864), "llpiäicuL" (ebd. 1865), <<^8iua')
(ebd. 1866) veröffentlichte er "Plautinischc Studien"
(ebd. 1870 fg.), "Über den Oocißx ^.indi'08ilniu8"
(Lpz. 1847), "llber die Terentianischcn Didaskalien"
(in Iahns "Archiv für Philologie", Bd. 18,1852),
"Über die Aussprache des Lateinischen im ältern
Drama" (Lpz. 1858). Ferner sind zu erwähnen:
"Über den Ursprung der Homerischen Gesänge"
(2 Bde., Lpz. 1840), "Die Götter und Heroen der
alten Welt" (1842), "Die altgriech. Bühne" (Lpz.
ltt43), "Reiseeindrücke aus Spanien" (Berl. 1873),
"Chronik von Berlin" (3 Bde., 1837-42).
Gepräge, s. Münze.
Ger, alte Bezeichnung für den Wurfspieß der
german. Völkerschaften. Das Wort hat sich in zu-
sammengesetztenPersoncnnamen, wie Gerbert, Ger-
bard, Gerlinde, Gertrud erhalten. In der neuern
Zeit hat die Turnkunst den Namen G. einem 2-3,5 m
langen Wurfstabe beigelegt, mit dem nach einem
kopfähnlichen Klotz, dem Gerkopf, der meist anf
einer hölzernen Säule, dem Gerpfahl, in cin^m
Scharnier beweglich aufgestellt ist, geworfen wird.
<^?'., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkür-
zung für Ernst Friedrich Germar (s. d.).
Gera, rechter Nebenfluß der Unstrnt in Thürin-
gen, entsteht aus der Wilden G., welche zwischen
d^m Echneekopfe und dem Großen Beerberge im
Thüringerwald entspringt, und der Weißen oder
Zahmen G., welche ihre Quelle auf dem Sachsen-
steine hat. Unterhalb Erfurt teilt sie sich: die Wilde
G. fließt durch preuß. Gebiet und mündet unter-
halb Gebesee, die Schmale G. geht durch Weimar
und mündet nach 75 km langem Laufe unterbalb
Werningshausen. Von O. nimmt die G. die Wipfra,
von W. die Apfelstedt auf, von der sich bei Georgen-
thal ein Arm zur Leine abzweigt.
Gera. 1) Landratsamtsbezirk im Fürstentum
Neuß jüngerer Linie, hat 284,io hkm, 90 Gemeinde-
bezirke, 136 Wohnplätze und (1890) 81199 (39309
männl., 41890 weibl.) E., darunter 1000 Katho-
liken uild 142 Israeliten, 6785 bewobnte Wohn-
häuser, 18 724 Hausbaltungen und Anstalten und
nmsaßt die AmlsgerichVöbezirte G.und Hohenleuben.
- 2) Haupt- ulld Residenzstadt des Fürstentums
Reuß jüngerer Linie, Kreisstadt
im Landratsamt G., liegt in
189 in Höhe, anmntig im Thale
der Weißen Elster, an den Linien
(^.:Göftnitz-Glauckau(51,4km),
G.-Greiz-Weischlitz l M,8 km)
und Wünschendorf-G.-Pforten
der Sächs., Leipzig-G.-Probst-
zella(K>51(m)derPreuß.Staats-
bahnen und anderWeimar-Ge-
regierung, des Landratsamtes für den unterländi-
schen Bezirk, eines gemeinschaftlichen Landgerichts
(Oberlandesgericht Jena) für Neuß jüngerer Linie
und den sachsewweimar. Kreis Neustadt mit fünf
reuftifchen Amtsgerichten (G., Hirschberg, Hoben-
lenben, Lobenstein, Schleiz) und drei Weimar. Amts-
gerichten (Aulna, Neustadt a. Orla, Weida), eines
Amtsgerichts, Schwurgerichts, Zoll- und Haupt-
steueramtes, einer Reichsbankstelle sowie einer Han-
delskammer. Die in neuerer Zeit rasch aufgeblühte
Fabrikstadt hatte 1805: 7000, 1843: 11300,1880:
27118, 1885: 34152, 1890: 39<;70 (Ende 1892:
41878) E., darunter 554 Katholiken und 131 Is-
raeliten, in Garnison (398 Mann) das 2. Bataillon
des 96. Infanterieregiments, Post erster Klasse
mit zwei Zweigstellen, Telegraph, Fernsprechein-
richtung (236 Sprechstellen), elektrische Straßen-
bahn, für Güter mit Dampfbetrieb, städtische Feuer-
wehr, Wasserwerk (1890), Kanalisation, Gasanstalt,
Hospital, städtisches Krankenhaus, Armen- und Ar-
beits-, Waisenhaus, Geraer Bank, Gewerbebank
und fürstl. Sparkasse. Unter den drei Kirchen sind