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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gerabronn - Geradführung
Schleiz zufielen. Jetzt bildet die Herrschaft G. (ohne
Saalburg) das Landratsamt G. oder den Nnter-
ländischen Bezirk. (S. auch Reuh, Fürstentümer.)
Vgl. Klotz, Beschreibung der Herrschast und Stadt
G. (neue Aufl., Gera 1826); Hahn, Geschichte von
G. (2 Bde., ebd. 1850 - 55); Vlumentritt, G. und
Umgebung (ebd. 1870); Behr, Beiträge zur Geschichte
von G. (ebd. 1876); Fischer, Die Stadt G. (ebd.
1878); Elm, Führer durch G. und Umgebung (ebd.
1880); Urkundensammlung zur Geschichte der Herr-
schaft G. im Mittelalter (ebd. 1882).
Gerabronn. 1) Oberamt im württemb. Jagst-
kreis, hat (1890) 30125 (14554 männl., 15571
weibl.) E., 5 Städte und 30 Landgemeinden. -
2) Stadt und Hauptort des Oberamtes G., 8 km
von der Bahnstation Blaufelden, unweit der Nret-
tach, in 463 in Höhe, ist Sitz des Oberamtes und
hat (1890) 1174 (§., Post, Telegraph, landwirt-
schaftliche Gewerbebank, evang. Pfarrkirche, Mol-
kerei, Ackerbau und Viehzucht.
Gerace (spr. dscherahtsche), Hauptstadt des Krei-
ses G. (118411 E.) in der ital. Provinz Reggio di
Calabria, am Ionischen Meere, an der Linie Tarent-
Reggio des Mittelmeernetzes, auf einer Anhöhe
schön gelegen, hat (1881) als Gemeinde 9511 E.,
eine Kathedrale mit antiken Säulen; Weinbau,
Eisengruben und Hochöfen. Nahebei ist die Trüm-
merstätte des epizephyrischen Lotri.
Gerade heißen im deutschen Rechte gewisse
Sachen, welche aus dem Nachlasse einer Frau ledig-
lich deren nächsten weiblichen Verwandten verab-
folgt werden, ähnlich wie in Ansehung der Männer
das Heergeräte (s. d.). In den ältesten Quellen ist
die G. auf Schmuck und gewisse Kleidungsstücke be-
schränkt; später, insbesondere im sächs. Recht, wird
der Begriff ausgedehnt auf alle Sachen, welche für
den Gebrauch durch Frauen besonders bestimmt
sind, auch auf solche, welche einer Tochter bei der
Verheiratung mitgegeben zu werden pflegen. Im
Sachsenspiegel wird neben einer Witwengerade,
welche diejenigen Sachen zum Gegenstande hat, die
eine überlebende Ehefrau aus dein Nachlasse für sich
herausnimmt, einer sog. Niftel gerade gedacht;
die letztere umfaßt gewisse Sachen, welche an die
nächste weibliche Verwandte (Niftel) fallen. Durch
die neuere Gesetzgebung ist die G. vielfach beseitigt.
Das Züricher Gesetzbuch in der Fassung von 1887
kennt im §. 858 einen Voraus der Töchter in der
mütterlichen Verlassenschaft, teils ohne Ersatz (Klei-
der, zugeschnittenes Weißzeug, ArbeitsgerätHaften,
Bücher), teils mit beschränktem Ersatz (schmuck,
Kleinodien, Sparhafen). Der Deutsche Entwurf
kennt die G. nicht. - In der Geometrie ist G.
soviel wie gerade Linie (s. Linie).
Gerade Aufsteigung oder Rektascension
(a8c6ii8i0 rl5OiH) eines Gestirns ist derjenige Bogen
des Himmelsäquators, der zwischen dem Frühlings-
puntte und dem Abweichungskreis dieses Gestirns
enthalten ist. Die G. A. wird vom Frühlingspunktc
aus in der Richtung von Westen nach Osten bis
360" oder 24^ gezählt. Durch die Angabe der
G. A. und der Abweichung eines Gestirns ist sein
Ort am Himmel bestimmt. Die Bezeichnung G. A.
rührt daher, daß für die Orte unter dem Äquator
der Durchschnittspunkt zwischen dem Abweichungs-
kreise eines Gestirns und dem Äquator zugleich mit
dem Gestirn und zwar senkrecht gegen den Hori-
zont aufgeht. In dem Moment, wo an einem Orte
ein Gestirn kulminiert, d. h. sich gerade im Meri-
dian befindet, ist die Sternzeit des Ortes genau
gleich der G. A. des Gestirns.
Gerade Linie, s. Linie.
Geradendfläche, s. Pinakoid.
Gerade und Ungerade, auch Gleich und
Ungleich oder Paar und Unpaar, Spiel, bei
dem der Gegner raten läßt, ob man eine gerade
oder ungerade Zahl Geldstücke oder anderer Dinge,
oder ein Geldstück mit gerader oder ungerader Jahr-
zahl in der Hand hält. Schon die alten Griechen
kannten das Spiel als Artiasmos (von arti,
gerade), die Römer als ?^r impar (gleich ungleich;
s. auch Mora).
Gerade Zahl, jede ganze Zahl, die durch Zwei
ohne Rest teilbar ist.
Geradflügler oder Kaukerfe lOi-tKoptei-a),
eine Insektenordnung, die alle Insekten mit zum
Beißen eingerichteten Mundteilen und unvollkom-
mener Verwandlung umfaßt. Weitere Merkmale für
die ganze Ordnung lassen sich bei der Vielgestaltigkeit
der hierher gehörenden Insekten kaum geben. Man
teilt die G. in die Unterordnungen der eigent-
lichen G. (Oi-tlioMra ^iiniua), der ^mpliidio-
tica., der (^olioäkQtia, der Vlasenfüher (s. d.,
I^^opoäa.; hier z. B. der Getreideblasenfuß ^s. d.1,
^Iiiipg c6i'63,1ium ^l"?., s. Tafel: Insekten IV,
Fig. 16) und der Pelzfreffer (s. d., M^iopda^).
Die ^mpliidioticH und (^oiroäeutiH, früher zu den
Netzflüglern gerechnet, werden auch jetzt noch viel-
fach als Falsch Netzflügler (I^Luäoiieuropwi'O in
eine Gruppe vereinigt. (S. die betreffenden Artikel.)
Die eigentlichenG. (OitlwptöiH ZknninH) besitzen
schmale Vorderflügel von derberer, lederartiger Be-
schaffenheit (Flügeldecken), die während der Rübe
die dünnhäutigen, fächerartig zusammengefalteten
Hinterflügel bedecken. Beim Fliegen treten nur die
Hintcrflügel in Thätigkeit. Kopf und Mundteile sind
immer sehr kräftig entwickelt, die Fühler meist lang
und vielgliedrig. Nach dem Bau der Hinterbeine
teilt man die eigentlichen G. ein in die Gruppen der
laufenden G. ((^ui-sorik): Ohrwürmer (z. B.
der gemeine Ohrwurm, ^orücnia, Hui-icniai-ig. Iv., s.
Tafel: Infekten IV, Fig. 10) und Schaben
(z. V. die Küchenschabe, ?6li^1an6tH orientaliä 1^.,
s. Tafel: Insekten IV,Fig. 11), der schreitenden
G. ((^168801 iH): F ang h euschreckcn (hierher die
Gottesanbeterin, Nantis reii^iosa, ^., s. Tafel:
Insekten IV, Fig. 12, und der brasil. Vat68 ordns
/>^-m., s. Tafel: Infekten I, Fig. 8) und Ge-
spenstheuschrecken, und der springenden G.
(^itHtoria): Feldheuschrecken (z. B. die tropisch-
amerik. ^Iwlnalkg. inii68 /))m^/, s. Tafel: In-
sekten I, Fig. 6, und die Wanderheuschrecke,
?ac1i)^1u8 mi^i-Htoiius 7^.,s.Tafel: InsektenIV,
Fig. 13), Laubheuschrecken (z. B. die brasil.8ca.-
piiura, Vi^l>i8i N?i>i/, s. Tafel: Insekten I,
Fig. 4) und Grillen. (S. die betreffenden Artikel.)
Geradführung heißt im Maschinenbau eine
Vorrichtung, welche (namentlich bei der Umsetzung
einer rotierenden oder schwingenden Bewegung in
eine geradlinig hin und her gehende vorkommend)
jede andere als die beabsichtigte geradlinige Ver-
schiebung eines Konstruttionsteils verhindert.
Die einfachsten G. sind diejenigen, bei denen eine
inihrer Achse gerade zu führende Stange durch Lager,
Ringe oder Büchsen in dieser Vewegungsrichtung
erhalten wird. Diese G. können zwei Formen er-
halten: entweder die Stange bewegt sich in festen
Lagern hin und her, oder die mit dem gerade zu