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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gerhardt; Gerhardus magnus; Gerhoh; Géricault

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Gerhardt (Karl Friedr.) - Géricault

der Klinik nach Berlin berufen. Er machte sich namentlich um die physikal. Diagnostik sowie um die Lehre von den Kehlkopfskrankheiten und den Kinderkrankheiten verdient und schrieb: «Der Kehlkopfskroup» (Tüb. 1859), «Der Stand des Diaphragmas» (ebd. 1860), «Lehrbuch der Auskultation und Perkussion» (5. Aufl., 2 Tle., ebd. 1890), «Lehrbuch der Kinderkrankheiten» (4. Aufl., ebd. 1880–81). Mit andern gab er heraus «Handbuch der Kinderkrankheiten» (6 Bde., 2 Nachträge, Tüb. 1877–89).

Gerhardt, Karl Friedr., Chemiker, geb. 21. Aug. 1816 in Straßburg, studierte in Karlsruhe, Leipzig und in Gießen unter Liebig Chemie, wurde 1844 Professor der Chemie in Montpellier, privatisierte von 1848 an mehrere Jahre in Paris und wurde 1855 Professor in Straßburg, wo er 19. Aug. 1856 starb. Die Hauptbedeutung G.s liegt in dem überaus großen Einflusse, den er auf die Entwicklung der theoretischen Chemie übte. Von großer Bedeutung waren neben seiner Bekämpfung des alten Radikalbegriffs seine Erörterungen über die Molekulargrößen. Er zeigte, teilweise in Gemeinschaft mit Laurent und vielfach von diesem gefördert, daß die Atomgewichte mancher Elemente, namentlich des Kohlenstoffs, Sauerstoffs und Schwefels, gegenüber den damaligen Annahmen verdoppelt werden müßten. Er wies ferner nach, daß auch die Mehrzahl der Vorgänge, welche man bisher als einfache Verbindungen aufgefaßt hatte, thatsächlich chem. Umsetzungen sein müssen, da die Elemente im freien Zustande meist Verbindungen von mehrern ihrer Atome sind. Von mehr vorübergehendem, aber für die Entwicklung der chem. Anschauungen hervorragendem Wert war seine Typentheorie (s. d.). G. ist so der Vertreter des Übergangs von der Periode der Radikalchemie zu derjenigen der Strukturchemie und hat sich um die Vorbereitung der letztern die höchsten Verdienste erworben. Neben zahlreichen, in den «Comptes rendus» und den «Annales de chimie et de physique», im «Journal für praktische Chemie» und in «Liebigs Annalen» veröffentlichten Abhandlungen schrieb er sein Hauptwerk «Précis de chimie organique» (2 Bde., Par. 1844–45), welches gleichzeitig auch in deutscher, noch erweiterter Originalausgabe unter Mitwirkung von Würtz (2 Bde., Straßb. 1844–46) und Rud. Wagner (4 Bde., Lpz. 1854–58) erschien.

Gerhardt, Paulus (gewöhnlich Paul), geistlicher Liederdichter, geb. 12.März 1607 zu Gräfenhainichen in der Provinz Sachsen, Sohn des dortigen Bürgermeisters, lebte als Kandidat des Predigtamtes und Hauslehrer zu Berlin, bis er 1651 Propst zu Mittenwalde in der Mark wurde; 1657 kam er als Diakonus an die Nikolaikirche zu Berlin. Als strenger Lutheraner eiferte er hier gegen die vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm angestrebte Union zwischen Reformierten und Lutheranern. Da sich G. weigerte, dem Edikt vom 16. Sept. 1664, welches beiden Parteien die gegenseitigen Verketzerungen und Verunglimpfungen verbot, Folge zu leisten, wurde er 1666 seines Amtes enthoben. Auf Bitten der Gemeinde im Jan. 1667 wiederum eingesetzt, legte er seine Stelle aber schon im Februar aus Gewissensangst freiwillig nieder. 1669 wurde er Prediger in Lübben, wo er 7. Juni 1676 starb. Zu G.s Andenken ward 1844 auf dem Friedhofe seiner Vaterstadt eine Kapelle errichtet. G. war nach Luther der größte Dichter des prot. Kirchenliedes. Nicht so knorrig und kraftvoll, ^[Spaltenwechsel] wie der Reformator, übertrifft er ihn in Formvollendung und innigem Gefühlsleben. So sind seine Lieder größtenteils in fast alle prot. Gesangbücher, leider oft sehr entstellt, aufgenommen worden. Am bekanntesten sind: «Wach' auf mein Herz und singe» (1649), «Nun ruhen alle Wälder» (1653), «O Haupt voll Blut und Wunden» (1659, nach dem «Passionsliede aus des heil. Bernhard Rhythmica oratio etc.»: Salve, caput cruentatum), «Ich weiß, daß mein Erlöser lebt» (1667). Die Erzählung von der Entstehung seines berühmtesten Liedes «Befiehl du deine Wege» (nach Ps. 37,5), das 1659 schon gedruckt war, ist eine Legende. Eine histor.-kritische Ausgabe seiner Gedichte lieferte J. F. Bachmann (Berl. 1866), eine Ausgabe mit Einleitung und Anmerkungen K. Goedeke u. d. T.: «Gedichte von Paulus G.» (Lpz. 1877); seine «Geistlichen Lieder» gaben Phil. Wackernagel (8. Aufl., Gütersloh 1888), K. Gerock (4. Aufl., Stuttg. 1890) und Fr. Schmidt (in «Reclams Universalbibliothek») heraus. – Vgl. die Lebensbeschreibungen G.s von Langbecker (Berl. 1841; mit Nachtrag: «Leben der Anna Maria G.», 1842), O. Schulz, P. G. und der Große Churfürst (ebd. 1840), Kraft (in Ersch und Grubers «Allgemeiner Encyklopädie», Sekt. 1, Bd. 61, Lpz. 1855), Bachmann (2. Aufl., ebd. 1875) und A. Richter (ebd. 1876).

Gerhardus magnus, s. Groote, Gerhard.

Gerhoh (Gerhoch) von Reichersberg, kirchlicher Schriftsteller des Mittelalters, geb. 1093 zu Polling bei Weilheim in Oberbayern, wurde im dortigen Chorherrenstifte und auf den Schulen zu Freising, Mosburg und Hildesheim gebildet und in Augsburg Domherr und Leiter der Domschule. An dem ungeistlichen Leben der Chorherren Anstoß nehmend, entsagte er 1124 seiner Stellung und wurde Chorherr im benachbarten Stift Raitenbuch. Hier war er unablässig bemüht, die Chorherren zu kanonischer Lebensweise nach der Regel des heil. Augustinus zu bewegen, stieß jedoch auf hartnäckigen Widerstand. Bischof Kuno von Regensburg dagegen unterstützte seine Bestrebungen und berief ihn 1126 zu sich. Erzbischof Konrad Ⅰ. von Salzburg ernannte ihn 1132 zum Propst des Chorherrenstifts Reichersberg am Inn, wo er 27. Juni 1169 starb. Unter seinen Schriften (hg. von Scheibelberger, Linz 1875) ist durch ihre scharfe Polemik gegen die kirchlichen Mißstände und durch ihre Mitteilungen über den zweiten Kreuzzug besonders bemerkenswert «De investigatione Antichristi». – Vgl. Nobbe, G. v. R. (Lpz. 1881); Sturmhoefel, Der geschichtliche Inhalt von G.s 1. Buche über die Erforschung des Antichrists (Tl. 1, ebd. 1887); ders., G. v. R. über die Sittenzustände der zeitgenössischen Geistlichkeit (Tl. 2, ebd. 1888).

Géricault (spr. scherikoh), Théodore, franz. Maler, geb. 26. Sept. 1791 zu Rouen, kam 1806 nach Paris und war hier Schüler von Charles Vernet, später von Pierre Guérin. Seine beiden ersten Bilder: Der angreifende Gardejägeroffizier (1812) und Der verwundete Kürassier (1814), jetzt im Louvre befindlich, wichen in der lebendigen Auffassung und kräftigen Technik völlig von den akademischen Schultraditionen ab und können als Vorläufer der romantischen Richtung gelten. 1817 besuchte G. Italien, wo ihn das Studium nach den neapolit. Malern des 17. Jahrh. noch weiter in seiner Richtung förderte. Nach Frankreich zurückgekehrt, wählte er zum Gegenstande seiner Darstellung ein Tagesereignis, den Schiffbruch der Fre-^[folgende Seite]