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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geringstes Gebot - Gerlach (Franz Dorotheus)
verlassen hatte (1472), zogen sie (1473) aus der
Sorbonne und druckten im Hause Zur goldenen
Sonne ("^ä Loißm aursuin in platea 8. ^codi")
weiter, nunmehr aber mit Rücksicht auf ganz an-
dere Kreise theol. und kanonistische Bücher und lat.
Unterhaltungsschriften des Mittelalters. Auch die
Type wechselten sie, statt der Antiqua die halb-
gotische wählend. Obgleich die drei 1475 kostenlos
naturalisiert worden waren, verließen Crantz und
Friburger schon Ende 1477 Paris; G. druckte allein
weiter. 1480 verband er sich mit Georg Maynyal,
doch trat sehr bald (1481) eine längere, noch un-
erklärte Unterbrechung in seiner Druckerthätigkeit
ein (bis 1489). Später (1494) verband er sich'mit
Berthold Nembolt aus Straßburg, mit dem er ver-
einigt blieb bis 1508, wo er sich anscheinend zurück-
zog. Er starb 1510 mit Hinterlassung ansehnlicher
Legate für die Sorbonne. - Vgl. I. P. A. Madden,
I^6tti'63 ä'un didlioZi-aM, Bd'. 5 (Par. 1878); Iul.
Philippe, OriFiiik äe I'impiimsrik ü. I^ris (ebd.
1885); Fr. Ios. Schifsmann im "Schweiz. Geschichts-
sreund", Bd. 42 (1887). > Gebot.
Geringstes Gebot, s. Deckungsprincip und
Geringswalde, Stadt in der Amtshauptmann-
schaft Nochlitz der sächs. Kreisbauptmannschaft Leip-
zig, 10 km im NO. von Rochlitz, in 260 m Höhe,
an der Nebenlinie Rochlitz-Waldheim der Sächs.
Staatsbahnen, hat (1890) 2891 evang. E., Post,
Telegraph, sehr schone frühgot. Stadtkirche (1890):
Fabrikation von Strümpfen, Chenilleartikeln, Ci-
garren, Stühlen, Schlauch- und 5tattunweberei und
Porzellanmalerei. Nahebei liegt Alt-Gerings-
walde mit 480 und Gut 5t löster - G e r i n g s -
Walde mit 584 E. - G. kommt 1062 urkundlich
als Gerungiswald vor und ist Stammsitz der Fürsten
und Grafen von (Hchönburg. 1543 wurde die Re-
formation eingeführt, 1590 verkauften die Herren
von Sckönburg die Besitzungen des Klosters an den
Kurfürsten Christian I. - Vgl. Beiträge zu einer
Geschichte des Städtleins G. (Lpz. 1777); Christ.
Sckultze, Vom Schönburgischen Kloster zu G. (1765).
Gerinne, ein künstlicher Wasserlauf, der Kanal,
durch welchen das Wasser einer Turbine oder einem
Mühlrad zugeleitet wird (M ühlgerin n e); anderer-
seits sind G'. aus Holz hergestellte Kanäle für Was-
serwerke, Wasserversorgungsanlagen u. s. w. Die
G. führen nach Art der A quädukte (s. d.) über dem
Gelände dahin, oder es sind Erdgräden, deren Sohle
und Wände man mit Bohlen oder Mauerwerk be-
Ueidet. Der Zusammenhalt der Hölzer wird durch
^chraubenbolzen und Zwingen erzielt. Großartige
Anlagen dieser Art finden sich bei den Goldwäsche-
reien Amerikas. Für dauernde Anlagen sucht man
der Vergänglichkeit des Baustoffs halber Holz-
gerinne möglichst zu vermeiden, doch fpielen sie in
holzreichen Gegenden, den Alpenländern u. s. w.
noch immer eine wichtige Rolle. - In der
Gießerei wird G. ein offener Kanal genannt,
welcher das aus dem Schmelzofen strömende Metall
zur Gußform führt, sofern man sich nicht der Gieß-
pfanne bedient.
Gerinnen, s. Koagulieren.
Gerippe, s. Skelett.
Geripplittien, in einer Terrainzeichnung (s. d.)
alle diejenigen Linien, welche die Lage, Richtung
und Ausdehnung der darzustellenden Bodenformen
bezeichnen. Die G. bilden die Verbindung der
höchsten, bez. tiefsten Punkte der betreffenden Ter-
rainjorm, und man unterfcheidet daher Höhenlinien
(Kuppen-, Rücken-, Kammlinien) und Tiefenlinien
(Thal-, Mulden-, Schlucht-, Fuhlinien). Sie werden
meist nur bei dem Entwurf einer Terrainzeichnung
zur Darstellung gebracht und nach Vollendung der
Arbeit wieder entfernt, sie sind aber für den sach-
gemäßen und richtigen Aufbau einer solchen Zeich-
nung von grundlegender Bedeutung und ganz
unentbehrlich. ' ^Erwins (s. d.).
Gerlach, Werkmeister von Strahbmg, Sobn
Gerlach, Ernst Ludw. von, konservativer Publi-
zist und Abgeordneter, geb. 7. März 1795 zu Ber-
lin, wo sein Vater 1813 als Oberbürgermeister
starb, nahm mit seinen ältern Brüdern, Wilhelm
von G. (geb. 1789, gest. 1834 als Oberlandes-
gerichtspräsident zu Frankfurt a. O.) und Leopold
von G. (s. d.), 1813-15 an dem Befreiungskriege
teil, widmete sich dem Iustizdienste und wurde 1823
Oberlandesgerichtsrat in Naumburg. Um diese
Zeit trat er dem sog. Klub der Wilhelmsstraße nahe
und wurde Mitarbeiter des von demselben inspirier-
ten "Polit. Wochenblatt", das den sog. christlich-
germanischen, im Grunde feudalen Staatsgedanken
vertrat. In der Hengstenvergschen "Kirchenzeitung"
trat er für Selbständigkeit der Kirche gegenüber dem
Staate ein. 1829 zum Land- und Stadtgerichts-
direktor in Halle, 1835 zum Vizepräsidenten des
Oberlandesgerichts in Frankfurt a. O. befördert,
wurde er 1842 Oberjustizrat im Justizministerium
und bald darauf Mitglied des Staatsrates und der
Gesetzkommission. Er hat den 1842 den Ständen
vorgelegten Entwurf zu einer neuen Ehegesetzgebung
ausgearbeitet. G. wurde 1844 Chefpräsident des
Oberlandesgerichts zu Magdeburg und nahm 1846
an der Generalfvnode teil. Im Juli 1848 bei der
Gründung der "Neuen Preußischen (Kreuz-) Zeitung"
beteiligt, war er die eigentliche Seele derselben und
verfaßte namentlich die anfangs monatlich, fpäter
vierteljährlich in derselben erscheinende "Rundfchau".
(Vgl. Zwölf polit. Monatsrundschauen vom Juli
1848 bis dahin 1849, Berl. 1849; desgl. vom Juli
1849/50, ebd. 1850; desgl. 1850/51,'ebd. 1851.)
1849 Mitglied der preuß. Ersten Kammer, 1850
des Erfurter Parlaments, später (für Neustettin
Dramburg) Mitglied des Abgeordnetenhauses, trat
er, stets einer der ersten Vorkämpfer der Reaktion,
1858 beim Beginn der Regentschaft von diesem
Felde polit. Thätigkeit zurück. In der "Rundschau"
hingegen lieferte er fortgefetzt feinen Gesinnungs-
genossen den Kanon ibrer Politik. G. wurde im
Sept. 1865 Wirkl. Geh. Oberjustizrat und damit
Rat erster Klasse. Die deutsche Politik Bismarcks
und die Annexionen von 1866 fanden bei ibm keinen
Beifall. 1870 und 1873 wählte ihn der Wahlkreis
Mülheim nochmals in das Abgeordnetenhaus, wo
er sich als Hospitant zur Centrumspartei hielt und
im Kirchenkonflikt zu den heftigsten Gegnern der
Regierung zählte. Die Debatte über die Civilehe
17. Dez. 1873 führte zu einer charatteriftifchen Aus-
einandersetzung G.s mit Bismarck. Wegen einer
gegen die preuß. Regierung gerichteten Flugschrist
wurde G. im Aug. 1874 zu einer Geldluche ver-
urteilt und nahm seine Entlassung aus dem Staats-
dienste. G. starb 18. Febr. 1877 zu Berlin.
Gerlach, Franz Dorotheus, Philolog und Ge-
schichtsforscher, geb. 18. Juli 1793 zu Wolfsbeh-
ringen im Gothaischen, widmete sich zu Göttingen
philol. Studien, habilitierte sich daselbst 1816 und
folgte 1817 einem Rufe an die Kantonsfchule nach
Aarau. 1820 wurde er zum Professor an der Uni'