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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gerlach (Leopold von) - Gerlos
versität Basel, 1829 zum Oberbibliothekar ernannt.
Er starb 31. Okt. 1876 zu Basel. Unter seinen
philol. Arbeiten sind hervorzuheben: die Ausgabe
des Sallust mit Kommentar (3 Tle., Bas. 1823
-31), die Ausgabe der "(^Li-maniH" des Tacitus
lVas. 1835), der eine Übersetzung mit unvollendetem
Kommentar (ebd. 1837) folgte'. die unter Mitwirkung
Noths bearbeitete kritische Ausgabe des Noniu^
Marcellus (ebd. 1842) und die des Lucilius (Zur.
1846). G. veröffentlichte u. a. ferner "Hiftor. Stu-
dien" (Hamb. und Gotha 1841), als deren zweiten
Teil "Gefchichtliche Forschung und Darstellung"
lBas. 1847) und als dritten Teil "Vorgeschichte,
Gründung und Entwicklung des rom. Staats" (ebd.
1863), "Geschichte der Römer" (im Verein mit Bach-
ofen, Bd. 1 in 2 Abteil., ebd. 1851; unvollendet),
eine Übertragung des Livius ins Deutsche (5 Bde.,
Stuttg. 1856-73; wozu als Einleitung: "Die Ge-
schichtschreiber der Römer von den frühesten Zeiten
bis auf Orosius", ebd. 1855).
Gerlach, Leopold von, preuß. General, Bruder
von Ernst Ludw. von G., geb. 17. Sept. 1790 zu
Berlin, trat sehr jung in preuß. Militärdienste und
nahm 1806 an der Schlacht bei Auerstedt teil. An
den Befreiungskriegen beteiligte er sich 1813 und
1814 im Stäbe Blüchers, 1815 als Generalstabs-
offizier, wurde 1824 Adjutant des Prinzen Wilhelm
des 3. Armeekorps in Berlin, 1842 Commandeur
der 1. Garde-Landwehrbrigade, zwei Jahre danach
Generalmajor, 1849 General ü. la Liiits, 1850
Generallieutenant und Generaladjutant des Königs
Friedrich Nilhelm IV. In dieser wichtigen Ver-
trauensstellung unterstützte G. mit Entschieden-
heit durch seinen Einfluß die polit. und kirchliche
Reaktion in Gemeinschaft mit Stahl und andern
Vertrauten der Umgebung des Königs. Er war das
einflußreichste Mitglied der sog. "Camarilla", die im
Gegensatz zu den Ministern, namentlich zu Rado-
witz, dessen deutsche Politik er bekämpfte, thatsäch-
lich eine Art Nebenregierung führte. 1859 stieg G.
zum General der Infanterie auf und starb 10. Jan.
1861 zu Potsdam. Die für die Zeitgeschichte hockst
wichtigen "Denkwürdigkeiten aus dem Leben Leo-
pold von G.s" (2 Bde., Berl. 1891-92) gab seine
Tochter heraus. - Vgl. auch Briefwechsel des Gene-
rals L. v. G. mit dem Bundestags-Gesandten
O. v. Bismarck (Berl. 1893).
Gerlache (spr. scherläsch), Etienne Constantin,
Baron de, belg. Staatsmann, geb. 26. Dez. 1785
zu Biourge im Luxemburgischen, ließ sich als Ad-
vokat in Lüttich nieder, wo er Rat bei dem Appel-
lationshofe wurde. Seit 1824, Mitglied der Zweiten
Kammer der Generalstaaten, gehörte er bis zur belg.
Revolution der Oppositionspartei an, in der er bald
eine der ersten Stellen einnahm. Nach Ausbruck
der Revolution wurde er in die mit Abfassuug eincs
Verfassungsentwurfs beauftragte Kommission be-
rufen und zum Deputierten in den Kongreß ge-
wählt, wo er für die Ausschließung der oranischen
Dynastie stimmte. Nach Surlet de Chokiers Er-
nennung zum Regenten Belgiens wurde G. zum
Präsidenten des Kongresses gewählt. Er stand an
der Spitze der Deputation, die dem Prinzen Leopold
von Sachsen-Coburg die belg. Krone antrug, und
nahm letzterm später den Eid auf die Verfassung
ab. Bei der Reorganisation der belg. Gerichtsver-
fassung iOkt. 1832) wurde er Präsident des Kassa-
tionshoft. alldem zog er sich von der polit. Bühne
zurück, nur im Jan. 1839 übernahm er eine erfolg-
lose Sendnng an die Londoner Konferenz, um die
Vorschläge zu einer pekuniären Ausgleichung des
Territorialstreites mit Holland zu verteidigen. Dem
Illtramontanismus ergeben, that sich G. als Leiter
der Partei auf den Kirchentagen zu Mecheln (1863
und 1864) hervor. G. starb 10. Febr. 1871 zu
Brüssel. Als Schriftsteller ist G. im histor., polit. und
staatswirtsckaftlichen Fache aufgetreten. Vorzüglich
hat seine streng kath. "^listoire än i-o^auins ä^
?HV3-La3" (4. Aufl., 3 Bde., Brüfs. 1875) große Ver-
breitung erhalten. Seine "d^nvr68 coinpi6t68" er-
schienen 1875 in 6 Bänden.
Gerlachsheim, Flecken im Amtsbezirk Tauber-
bischofsheim des bad. Kreises Mosbach, unweit der
Tauher, an der Linie Heidelberg-Würzburg der Bad.
Etaatsbahnen, hat (1890) 1063 E., Postagentur,
Telegraph und eine Taubstummenanstalt (105 Zög-
linge) in dem ehemaligen Prämonstratenserkloster.
Gerlafingen, Nieder-, Dorf im Bezirk Buch-
eggberg-Kriegstetten des schweiz. Kantons Solo-
thurn, 4 1<in von Solothurn, in 454 in Höhe, am
rechten Ufer der Großen Emme und an der Linie
Neu-Solothurn-Burgdorf-Langnau der Emmen-
thalbahn, hat (1888) 930 E., darunter 319 Evan-
gelische, ein bedeutendes Hammer- und Walzwerk,
da5 namentlich das Eisen des Hochofens Choinoez
im Jura verarbeitet.
Gerland, Georg Karl Cornelius, Geograph und
Ethnolog, geh. 29^ Jan. 1833 zu Cassel, trieb zu
Marburg und Berlin hauptsächlich sprachliche Stu-
dieu und war dann Gymnasiallehrer in Cassel,
Hanau, Magdeburg und Halle, bis ihm Ostern 1875
an der Universität Etraßourg die Professur für
Geographie und Ethnologie übertragen ward. G.
ühernahm nach Waitz' Tode (1864) die Vollendung
der "Anthropologie der Naturvölker", welche ihn
bis 1871 beschäftigte. Seine übrigen anthropol.
Arbeiten sind: "üoer das Aussterben der Natur-
völker" lLpz. 1868), "Anthropol. Beiträge" lBd. 1,
Halle 1875), "Atlas der Ethnographie" (im "Bilder-
Atlas", Lpz. 1876), Berichte über die anthropol.-
ethnolog. Forschung in Behm-Wagners "Geogr.
Jahrbuch" von 1876 an, "Die Zukunft der India-
ner" lim "Globus" 1879), "Atlas der Völkerkunde"
lGotha 1891-92; 7. Abteil, von Berghaus' "Phn-
sikal. Atlas"), "Die Basken und die Iberer" (in
Gröbcrs "Grundriß der roman. Philologie", Bd. 1,
Strahb. 1886). Seine geogr. Studien bewegen sich
namentlich auf dem Gebiete der Geophysik oder phy-
sikal. Geographie, welche auch den Mittelpunkt feiner
akademischen Thätigkeit bildet. Die von G. heraus-
gegebenen "Beiträge zur Geophysik" (Bd. 1, Stuttg.
1887) enthalten Arbeiten von ihm und seinen
Schülern. Ferner gehören hierher die "Geogr. Ab-
handlungen aus Elsaß-Lothringen" (Stuttg. 1891)
und verschiedene Arbeiten über die Vogesen.
Gerle oder Karrenbütte, älteres Maß des
schweiz. Kantons Neuenburg für Most. Die G.
Trestermost (oder Trüdaichmaß) hatte 99,023 1; die
G. Helles aber 73^ 1. Seit 1. März 1858 war nur
noch eine G. von 99 1 gestattet. (S. Aichmaß.)
Gerlos, Hochthal in Tirol, östl. Zweigarm des
Zillerthals, von der vom Gerloskees und dem
Ncichenspitz (3294 m) herabkommenden G. durch-
braust. Das Dorf G. (1254 m), westlich von der
Pinzgauer Höhe oder dem Gerlospaß (1457 m),
der ins Pinzgau führt, hat (1890) 339 E. In der
Nähe die Krimmler Fälle (s. d.).