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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gersch - Gerson (Joh. von)
(1888) 1816 E., darunter 40 Evangelische. Die Ge-
meinde liegt am Südfuß des Nigi auf dem Nordufer
des Vierwaldstättersees, dessen mittleres Becken ge-
wöhnlich als Gersauersee bezeichnet wird. Den
Kern der Gemeinde bildet das Pfarrdorf G., wel-
ches 6 km westlich von Brunnen, in 460 in Höhe
am Seeufer, von Wiesen und Weiden, Obstgärten
und Waldungen umgeben, liegt. Dasselbe besitzt
Post und Telegraph, eine schöne, 18 l 2 vollendete
Kirche, mehrere Kurhäuser, Gasthöfe und drei Sei-
denfabriken (Florettspinnereien und Zwirnereien).
Mit den übrigen Uferorten des Sees ist das Dorf
durch die Dampferlinie Luzern-Flüelen, mit Brun-
nen und Weggis durch eine Fahrstraße, mit dem ^
zur Gemeinde gehörigen Kurhaus Rigi-Scheideck ^
(s. Rigi) durch einen Saumweg verbuuden. Die an-
mutige Umgebung, die geschützte Lage und das milde
Klima (Jahresmittel 10,0?" ()., Winter 1,95° (^., Früh-
ling 10,02" d), welches Edelkastanien und Feigen-
bäume im Freien gedeihen läßt, macken G. zu eiuem
auch im Winter besuchten klimatischen Kurort. -
G. gehörte im Mittelalter zum Thür- und Zürich-
gau, kam dann dnrch Verpfändnng an die Edeln von
Moos zu Luzern, kaufte sich 1390 los und behaup-
tete, nachdem es 1359 das Laudrecht der Waldstätte
und 1433 von Kaiser Sigismund die Bestätigung
seiner Freiheiten erhalten hatte, als die kleinste Re-
publik Europas und "Zugewandter Ort" der Eid-
genossenschaft, vier Jahrhunderte lang seine Souve-
ränität. Infolge der helvet. Staatsumwälzung von
1798 wnrde G. dem damaligen Kanton Vierwald-
stätten und 1803 dem Kanton Schwyz zugeteilt.
Berühmt war ehedem (bis 1840) die Gersauer
"Gaunerkilbe", ein dreitägiges Fest aller Heimat-
losen und Landstreicher aus uah und fern. - Vgl.
E. Osenbrüggen, Neue kulturhistor. Bilder aus der
Schweiz (Lpz. 1864).
Gersch (Mehrzahl Gurusch oder Grusch),
arab. Name des türk. und des ägypt. Piasters (s. d.).
Gersdorf. 1) G. bei Ernstthal, Dorf in der
Amtshauptmannschaft Glauchau der sächs. Kreis-
hauptmannschaft Zwickau, 5 km südlich von Ernst-
thal, hat (1890) 0940 (3006 männl., 2934 weibl.) E.,
darunter 355 Katholiken, Post, Telegraph, 3 Strumpf-
fabriken, 3 Ziegeleien, Brauerei, Kesselschmiede,
2 Steinkohlengruben (Kaisergrube und Pluto-Mer-
kur), Kohlenstaubmühle und 3 Mahlmühlen. -
2) Alt-Gersdorf, Dorf in der Amtshanptmann-
schaftLöbaudersächs.KreishauptmannschaftVantzen,
an der böhm. Grenze, am Ursprung der Spree, an der
Linie Vischofswerda-Zittau (Station Alt- und Neu-
Gersdorf) der Sächf. Staatsbahnen, hat (1890)
3966 (1902 männl., 2064 weibl.) E., Metall- uud
Eisengießereien, Fabrikation von Vanmwoll- und
Halbwollwarcn, mechan. Fahr- und Webstühlen,
Maschinen, künstlichen Blumen und Schuhwaren,
Strumpfstrickerei und 3 Dampssägewerke. - 3) Neu-
Gersdorf, Dorf ebendaselbst^ hat (1890) 4972
(2363 männl., 2609 weibl.) E., Post, Telegraph,
bedeutende Fabrikation von Baumwoll- und Halb-
wollwareu.
Gersdorff, Herm. Ernst von, prenß. General,
geb. 2. Dez. 1809 zu Kiehlingswalde bei Görlitz,
erhielt seine Erziehung im Kadettenhause zu Dres-
den, trat 1827 in das preuß. 2. Garderegiment zn
Fuß und beteiligte sich 1842-43 an dem Feldzuge
im Kaukasus. 1848 wurde G. nach Schleswig-Hol-
stein kommandiert zur Organisation der dortigen
Armee und war 1849 in den Gefechten bei Schles-
wig, Hadersleben und Kolding zugegen. 1853 kam
er als Major zum Generalstabe der 16. Division,
1859 als Commandeur zum 4.Iägerbataillon, 1860
als Oberst zum Infanterieregiment Nr. 67. Im I.
1864 erhielt er als Generalmajor das Kommando
der 11. Infanteriebrigade und kämpfte 1866 bei
Münchengrätz und Königgrätz. Er erhielt nach dem
Feldzuge als Generallieutenant das Kommando der
22. Division, an deren Spitze er sich bei Wörth aus-
zeichnete. Bald darauf übernahm er für den ver-
wundeten General von Vofe die Führung des
11. Armeekorps, mit dem er in der Schlacht von
Sedan (1. Sept. 1870) bei Donchöry über die Maas
ging und der franz. Armee den Rückzug in nordwestl.
Richtung verlegte. Dabei erhielt er eine tödliche
Verwundung, der er 13. Sept. erlag. 1889 erhielt
das Hess. Füsilierrcgiment Nr. 80 seinen Namen. -
Vgl. Hauptmann Schulz, Herm. von G. (Berl. 1891).
Gersemi, Tochter der Freyja (s. d.).
Gersfeld. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Cassel,
hat 357,49 hkm, (1890) 21515 (10 286 männl.,
11229 weibl.) E., 2 Städte, 52 Landgemeinden und
4 Gutsbezirke und bildete bis 1866 ein Bezirksamt
im bayr. Neg.-Bez. Nnterfranken. - 2) Kreisstadt
im Kreis G., an der Fulda und an der Nebenlinie
Fulda-G. (27,i Icin) der Preuß. Staatsbahnen, hat
(l890) 1434 E., darnnter 239 Katholiken und 79 Is-
raeliten, Post, Telegraph, eine evang. und eine lath.
Kirche, drei Schlösser, Mühlen und Fabrikation von
Drehorgeln, Spielwaren und Tabak.
Gerson (spr. schärrßöng), Joh. von, eigentlich
Jean Charlier, Theolog, geb. 14. Dez. 1363 in
Gerson im Bistnm Reims, studierte zu Paris unter
Peter d'Ailly, trat 1381 als Lehrer auf, wurde 1392
Doktor der Theologie und 1395 Kanzler der Univer-
sität. Er wirkte eifrigst mit zur Beseitiguug des
großen päpstl. Schisma und zur Reformation der
Kirche auf den Konzilien zu Pifa und Konstanz. Zur
Vorbereituug der Verhandlungen zu Pifa sprach G.
in den Schriften "Do nnitg,t6 6cci68iÄ8ti(H" und "1)6
lliifei-iliilitllto MM6 ad 6cci68ia" die Superiorität
des ökumenischen Konzils über den Papst und die Ab-
setzbarkeit des letztern aus, und als Johann XX114.
ein zweites Konzil nach Rom ausschrieb, wies er in
der Schrift "D6 nw(1i3 nnienäi ao i-ot'oi-nianäi 6o
cikLiÄin in concilio univki^ii" nach, daß eine
gründliche Reformation nnr auf einem vom Papste
unabhängigen Konzil zu stände kommen könne.
Dabei hielt er jedoch an den rö'm. Dogmen und
Kirchengebräuchen fest, stimmte auf dem Konstanzer
Konzil für die Entziehung des Laienkelchs und hatte
einen .Hauptanteil an der Verurteilung von Huß
und Hieronymus. Nach dem Konzil entzog er sich
den Nachstellungen des Herzogs von Burgund, des
Mörders des Herzogs von Orleans, durch Flucht
nach Tirol, weil er den Ausführungen des Franzis-
kaners Jean Petit, der diefen Mord als erlaubten
Tyrannenmord verteidigte, entgegengetreten war.
1419 begab er sich nach Lyon, wo er in einem Kloster
für Kindererziehung thätig war und 12. Juli 1429
starb. G. war ein gelehrter Theolog, schon bei Leb-
zeiten Doctor c1ii'i8tiHni88inni8 genannt, suchte Scho-
lastik und Mystik zu einer höhern Einheit zu ver-
schmelzen (in: "<^0N8i<1m'Htion68 (16 tlißolo^ia, IN^8-
Uc^") und das theol. Studium durch die Versenkung
in die Bibel zu vertiefen (in: "I>6 i-MrinÄtions
tliLolo^iak"). Auch verfaßte er zahlreiche erbauliche
Traktate, die zu feiner Zeit, z. B. anch von Geiler
von Kaysersberg, hochgeschätzt wurden und wurde