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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Geschütz
45) Kaliber Dralllänge. Die Geschosse werden durch
Kupferringe geführt. Das Zündloch liegt im Rohr
und hat senkrechte Stellung.
In Frankreich hatte man, trotzdem man sich
seinerzeit für den Vorderlader entschieden, seit 1858
Versuche mit Hinterladungsgeschntzen angestellt. C'5
fand ein schon 1842 vom spätern Obersten Treuille
de Beaulieu erfundener Schraubenverschluß mit
unterbrochenen Gewinden den Vorzug oor dem
gleichzeitig dem Versuch unterworfenen Wahren-
dorfffchen Verschluß. 1861 wurde die Hinterladuug
und der Schraudeuversckluß, allerdiugs nüt Bei'
bebalt der Ailettenführung, für die G. der Vtarine
angenommen, die Rohre derselben wurden auv
Eisen hergestellt und am bintern Robrteil mittels
Stablreifen verstärkt. 1867 begannen die Versuche
mit bronzenen Hinterlade-Feldgefckützen, und beim
Ausbruch des Krieges 1870 war ein durch den
Direktor der Artilleriewerkstatt zu Meudon, Ka-
pitän Reffve, Ordonnanzoffizier dev Kaisern, auf
Befehl des letztern entworfenem 14pfündiges Hinter-
ladungsgeschütz < genannt (^ms)n <Ie' 7 k^) bereite
so weit fertig, daß wäbrend der Belagerung von
Paris eine große Anzahl derselben angefertigt
und in den Dienst eingestellt werden tonnten. Nach
Beendigung des Krieges wnrden das l'anon äe 7
und ein demselben ähn-
liches (^lnon 6^ 5), er-
steres als schweres, letz-
leres als leichtes Feld-
geschütz zur vorüber-
gehenden Bewaffnung
der frauz. Feldartil-
lerie mit Hinterladern
derangezogen. Die Ka-
liber betrugen8,5 und 7,5 (.in, die Gefckoßgewichte 6,9
und 4," k^, das Ladungsverbältnis beider 1/6, die
Anfangsgeschwindigkeiten 3l)<> und 418 m, die Rohre
waren von Bronze mit Stablfutter im Ladungs-
raum, der Verschluß nach Treuille, die Granaten
mit dünnem Blei-
mamel, die Ladun-
gen bestanden aus
ringförmig verdich-
teten: Pulver und
die Kartuschen bat-
tcn einen Messing-
doden zuni Ga^ab-
^i,> .^,^ schluß. Gleichseitig
begannen die Ver-
suche zur Aufstellung eines neuen allen Anforderun-
gen entfprecbenden Systems der Feldgefcbütze, unter
Anwendung deö Stahls als Rohrmaterial, und um
jene baben sich besonders die Oberstlieutenants der
Artillerie Lahitolle ls. d.) und de Bange (s. d.) ver-
dient gemacht. Das W unn-Geschütz des erstern ist
später als für den eigentlichen Feldgebrauch zu sckwer
im Failt' i'j^'v K^'cM' a/s bt'spaliliteo Positions-
geschütz ausersehen worden. Die eigentlichen Feld-
geschütze bilden daher setzt die 80uud Wnnn-Geschütze
von Te Bange. Das G. von Lahi tolle (s. Fig.28,
auch ^abitolle-Kanone) besteht aus einem Kernrohr
von Gußstabl mit 6 Ringen von Puddelftahl, es hat
-^ febr feichte ^üge mit Progressivdrall, der Ver-
s^luß ist äbnlich dem der Reffye-Geschütze, indes mit
der plastischen ^iderungvonDeBange versehen
ls. Fig. ^ij). Letztere ist der Kautschulliderung des
Chassepotgewehrs nachgebildet und hat einen pilz-
artigen Stempel, hinter dessen Platte sich eine
schmiegsame ^cheibe aus Fett und Asbest in Lein-
wandbülle befindet. Die Gefchosfe haben Kupferfüh-
rung, die Granate wiegt 10,84 1^, das Ladungs-
oerhältnis ift 1/5,ia, die Anfangsgeschwindigkeit der
Granate 443 m; das Pulver ist grobkörnig, die Zün-
dungsweise ist die gewöhnliche Oberzündung. Die
80 und W mm-Feldgeschütze haben ähnliche Robre
wie das G. von ^abitolle, der Verschluß ist derselbe,
iudessen gebt dasZündloch durch den Schaft des pilz-
fönnigen Stempels, die Zündung erfolgt also in der
Riobtuug der Seelenachse (s. Fig. 30 u. 31). Fig. 30
stellt den Verschluß eines französischen Feldge-
s ch ü tz e s i m senkrechten L ä ngendllrchschnitt
dar: ^V Verschlußschraube, a Schaft, d Kopf des Puf-
fers, c Ansatz, cl plastischer Liderungsring, 6 Zünd-
tanal, k Lager für die Zündung, ^ Futter. Fig. 31
stellt den Verschluß lSystem De Bange) eines
französischen Feldgeschützes geöffnet
dar: N Verscklußtbür, (' Klinke, ^ Griff, d Hebel,
^ Scharnieröse, ä Scharnierbolzen, 6 Ansatz, fRinne,
Im Rast sür den Hebel. Das 80inin-Rohr hat 24,
das 90 mm 28 Züge mit Progressivdrall; ein
glatter cvlindriscker Pulverraum geht konisch in
den gezogenen Teil der Seele über. Das Geschoß
bat im vordem Teil eine ringförmige Anfchwel-
luug, mit der es beim Laden in den gezogenen
Teil tritt, während die am hintern Ende ange-
brackten Kupferreifen am Übergangskegel Wider-
^ stand finden, um fpäter, vermöge des Drucks der
, Pulvergafe, in den gezogenen Teil sich einzuschnei-
l den. Das Hauptgeschoß, <Mi8 a initrüiilk is. Tafel:
.Vt oderne Gefch o sse, Fig. 5), ist ein vorzüglich".s
Sbrapnel. Es wiegt 6,28 bez. 8,68 KZ; die Ladung
destebt aus rauckfreiem Blättchenpulver; die An-
fangsgeschwindigkeiten betragen 465) und 432 m.
Die Lafetten sind au^ Stahlblech. Die neuen franz.