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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Geschworener Brief; Geschwulst; Geschwür

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Geschworener Brief - Geschwür

Berggeschworener ein Gerichtsschöffe, der vom Bergrichter für jeden zu entscheidenden Fall besonders gewählt und vereidigt wurde. In spätern Zeiten bezeichnete man damit einen Revierbeamten, dessen Stellung im wesentlichen der der jetzigen Bergmeister entsprach. (S. auch Bergbehörde.)

Geschworener Brief, s. Brief (Bd. 3, S. 526b).

Geschwulst (Tumor), in der Medizin im allgemeinen jede nicht durch das normale Wachstum bedingte Umfangszunahme irgend eines innern oder äußern Körperteils; gleichbedeutend mit Anschwellung. So spricht man z. B. von einer Drüsengeschwulst und meint damit die krankhafte Vergrößerung einer Drüse, und in demselben Sinne nennt man auch die wassersüchtige Anschwellung eines Gliedes G. ohne jedweden weitern Zusatz. Häufiger bezeichnet man mit G. jede abnorme Hervorragung an der Oberfläche eines Körperteils oder Organs, dessen Namen man dann mit dem Namen des betreffenden Körperteils oder Organs verbindet, wie Kniegeschwulst, Pulsadergeschwulst, Lebergeschwulst. Eine noch engere Bedeutung endlich hat in neuerer Zeit die pathol. Anatomie dem Worte gegeben: sie versteht nämlich unter G. (Gewächs, Neoplasma, Pseudoplasma, Aftergebilde) eine durch krankhafte Neubildung an der Oberfläche oder im Innern eines Organs entstandene Masse, welche ein zusammenhängendes und gegen ihre Umgebung mehr oder minder scharf abgegrenztes Ganzes bildet.

Man unterscheidet verschiedene Formen derartiger Neubildungen oder G.: 1) Balggeschwülste oder Cysten, s. Balggeschwulst; 2) Fettgeschwülste oder Lipome, s. Fettgeschwulst; 3) Fasergeschwülste oder Fibrome, s. Fibroid; 4) Muskelgeschwülste oder Myome, s. Myom; 5) Knorpelgeschwülste oder Chondrome, s. Knorpelgeschwulst; 6) Knochengeschwülste, Exostosen oder Osteome, s. Exostose; 7) Gefäßgeschwülste oder Angiome, s. Angiom; 8) Nervengeschwülste oder Neurome, s. Neurom; 9) Drüsengeschwülste oder Adenome, s. Adenoid; 10) Warzengeschwülste oder Papillome, s. Papillargeschwulst; 11) Fleischgeschwülste oder Sarkome, s. Sarkom; 12) Krebsgeschwülste oder Carcinome, s. Krebs. Endlich können auch die Tuberkeln sowie die syphilitischen Neubildungen (Syphilome, gummata) in der Gestalt mehr oder minder umfangreicher G. auftreten.

Derartige G. bleiben entweder während des ganzen Lebens unverändert und ohne wesentlichen Einfluß auf den Gesamtorganismus fortbestehen, wie viele angeborene Hautgeschwülste, Fettgeschwülste u. dgl. (sog. gutartige G.), oder sie besitzen ein unaufhaltsames Wachstum und führen, sich selbst überlassen, durch fortgesetzte Wucherung und die allmähliche Zerstörung lebenswichtiger Organe oder durch Verschleppung der Geschwulstkeime mittels der Blut- und Lymphgefäße mit allgemeiner Vergiftung des Blutes zum Tode (sog. bösartige oder maligne G.). Über die Entstehuug und Ursachen der G. sind unsere Kenntnisse noch sehr mangelhaft. Häufig sind erbliche Anlagen, ein gewisses Lebensalter, gewisse epidemische und endemische Verhältnisse (wie z. B. beim Kropf) sowie übermäßige körperliche und geistige Anstrengungen als disponierende Momente zu betrachten; nicht selten entstehen G. nach gewissen mechan. und chem. Insulten (Schlag, Stoß, Druck u. dgl.) sowie nach manchen Krankheiten, wie Syphilis, Rotz, Typhus u. a.

Die Behandlung der G. kann in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle nur eine chirurgische sein, Ätzen, Abbinden, Abquetschen oder Ausschneiden mittels des Messers; doch kommt auch eine Spontanheilung vor, indem durch Entzündung eine Vereiterung und Schrumpfung oder Abstoßung der G. erfolgt. Von einer arzneilichen Behandlung ist fast nur bei den syphilitischen Geschwulstformen Heilung zu erwarten.

Die Lehre von den krankhaften G. (Onkologie) bildet einen der wichtigsten Abschnitte der pathol. Gewebelehre. - Vgl. Virchow, Die krankhaften G. (3 Bde., Berl. 1863-67); Lücke, Die Lehre von den G. (in Pitha und Billroths "Handbuch der Chirurgie", Bd. 2, Erlangen 1867); ders., Diagnostik der G. (Lpz. 1876); Klebs, Beiträge zur Geschwulstlehre (Heft 1, ebd. 1877).

Geschwür (Ulcus), ein langsam durch allmählichen Zerfall der Gewebe entstandener Substanzverlust, der meist nur eine geringe Neigung zu heilen besitzt und die Quelle einer fortdauernden Eiterabsonderung ist. Die Ursachen der G. sind entweder allgemeine oder örtliche. Zu den allgemeinen gehören besonders die sog. Kachexien und Dyskrasien, insbesondere die skrofulöse, tuberkulöse, syphilitische Allgemeinerkrankung; bei den örtlichen ist schon eine Abnormität, eine lokale Entzündung, eine andauernde örtliche Reizung durch mechan. oder chem. Schädlichkeiten, Wunde oder Absceß vorhanden, die durch unzweckmäßige Behandlung oder andere den Heilprozeß störende Einflüsse in ein G. verwandelt werden. Hat das G. kanalartige Gestalt, sodaß es die Haut oder eine Schleimhaut mit einem tiefer liegenden Gewebe verbindet, so heißt es ein Hohlgeschwür oder eine Fistel (s. d.). Rinnen- oder spaltenförmige G. (am häufigsten in der Achselhöhle, am After und Mundwinkel) werden als Fissuren (Spaltgeschwüre oder Rhagaden (Schrunden) bezeichnet. Wenn ein G. infolge von örtlichen Reizungen besonders schmerzhaft und entzündet ist, so nennt man es ein erethisches oder Reizgeschwür, bei vorwiegendem Gewebszerfall und geringer Neigung zur Heilung ein atonisches oder torpides, bei überwiegender Gewebsneubildung ein wucherndes oder fungöses G. Bisweilen wird die Heilung eines G. dadurch verhindert, daß seine Ränder hart und schwielig (kallöses G.) oder ausgebuchtet und von Eiter unterminiert sind (sinuöses G.), oder daß der Geschwürsgrund mit schmutziger, stinkender, jauchiger Flüssigkeit, selbst mit brandigen Gewebsfetzen bedeckt ist (jauchiges G.). Die Heilung der G. erfolgt unter günstigen Verhältnissen in der Regel derart, daß sich der Geschwürszustand zunächst von allen abgestorbenen Gewebsresten reinigt und sich sodann mit roten wuchernden Fleischwärzchen bedeckt, die allmählich den Substanzverlust ausfüllen und sich schließlich vom Geschwürsrande her überhäuten. Was die Behandlung der G. betrifft, so sind vor allem Ruhe des betreffenden Teils und größte Reinlichkeit die Haupterfordernisse, sowie eine angemessene, Ersatz gebende Diät. Bei zögernder Organisation benutzt man auch mit Vorteil leichte Reizmittel. Sehr schmerzhafte G. sind mit milden und kühlenden Salben (Bleisalben, Zinksalben) zu bedecken, schwammige G. mit üppig wuchernden Fleischwärzchen öfters mit Höllenstein zu bestreichen. Die skrofulösen, syphilitischen und tuberkulösen G. erfordern zu ihrer Beseitigung neben einer energischen örtlichen Behandlung auch durchaus eine sorgfältige