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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Giersberg - Giesebrecht
Während der Dreikaiserzusammenlunst in Skiernie-
wice 15. bis 17. Sept. 1884 hatte G. dort mehrere
Unterredungen mit dem Fürsten Vismarck und dem
Grafen Kalnoky. Vei der Kaiserzusammenkunft in
Krcmsicr 25. und 26. Aug. 1885 war er in steten:
Verkehr mit dem Grafen Kalnoky. Am 7. Okt. 1885
besuchte er den Fürsten Bismarck in Friedrichs-
ruh und erhielt 26. und 27. Aua,. 1886 während
seines Aufenthalts in Franzensbad den Besuch
des Fürsten Vismarck, als gerade die Bulgarische
Frage durch die gewaltsame Entfernung des Fürsten
Alexander in eine höchst schwierige Phase trat. G.
gewann den Zaren für seine seitdem festgehaltene
Politik des Zuwartens und der freien Hand, um die
Kraft Rußlands nicht in kleinen .Händeln zu zer-
splittern, sondern mit voller Macht in eine günstige
europ. Konstellation eingreifen zu können. G. ver-
mied daher jede Verwicklung, die Rußland ander
freien Benutzung des günstigen Augenblicks bindern
könnte. Diese Politik blieb nicht ohne Widerspruch
seiteus der russ. Nationalpartei, namentlich Katkows.
Daß aber der Kaiser doch fortdauernd mit ibr über-
einstimmte, bewies die huldvolle Auszeichnung, die
G. gelegentlich seines fünfzigjährigen Tienstjubi-
läums 25. Okt. 1888 durch Alexander III. zu teil
wurde. Nicht nur, daß der mebrmals bedrohte
Friede immer wieder aufrecht erhalten wurde, son-
dern auch, daß das seit dem letzten Kriege mit der
Türkei erschütterte Ansehen Nußlauds in Europa
sich entschieden gehoben hat, hat letzteres zum
großen Teil der klugen, zurückhaltenden Politik G.'
zu dauken gehabt. Bald nach der Kaiser^usammen-
kunft, 17. Aug. 1890 in Narva, erhielt G. zur Her-
stellung seiner Gesundheit einen längern Urlaub;
aus gleichem Grunde begab er sich Sommer 1892
wieder nach dem westl. Europa und kehrte erst im
April 1893 nach Nußlaud zurück. Er starb 26. Jan.
1895 in Petersburg.
Giersberg, Burgruine, s. Nappoltstein.
Giersch, Pflanze, s. ^oFs"poäium.
Gierymski, Max, poln. Maler, geb. 15. Okt.
1816 in Warschau, kämpfte 1863 als Offizier der
Insurgenten gegen Rußland, studierte nach Beendi-
gung des Ausstandes in Warschau Musik und ging
1865 nach München an die Akademie, wo er sich erst
bei A. Wagner, dann in den Ateliers von F. Adam
und von E. Schleich ausbildete. Obwohl ihm nickt
einmal ein Jahrzehnt von künstlerischer Thätigkeit
vergönnt war, entfaltete er doch in feinen meist poln.
Motiven entnommenen Bildern eine erstaunliche
Veranlaguug in zeichnerischer wie malerischer.Hin-
sicht. Von seinen Gemälden sind zu nennen: Polnische
Spinnstube, Poluische Landstraße im Winter, Pi-
stolenduell zu Pferd, Iagdzufammcnkunft im Walde,
Betende Juden, Besuch beim Mondschein, Insur-
genten im Walde, Kosaken auf dem Marsche und
endlich sein letztes in Nom vollendetes Bild: Par-
forcejagd im vorigen Jahrhundert (1874/, National-
galerie'in Berlin). 1872 zum Mitglied der Ber-
liner Akademie ernannt, starb er bereits 16. Sept.
1874 in Neichcnhall.
Giefc, Ernst Friedrich, Architekt, geb. 16. April
1832 zu Vautzcn, stndierte seit 1851 an der Aka-
demie zu Dresden unter Nicolai und begann 1857,
nach dreijährigem Ausenthalt in Italien, eine selb-
ständv^ BcwNMuMt in Dresden. 1860 als Pro-
fessor an die Akademie zu Düsseldorf berufen, kehrte
er 1872 von dort nach Dresden zurück und wurde
187s Professor am dortigen Polytechnikum, ^cit
1874 ist er mit dem Architekten Paul Weidner
zu gemeinsamer Thätigkeit verbunden. Schon früher
hatte G. sich durch erfolgreiche Teilnahme an Wett-
bewerben einen Namen gemacht, die in Gemeinschaft
mit Weidner zu einer Neihe höchst ehrenvoller Aus-
zeichnungen führte. Vei den größten Wettbewerben
iNathaus zu Hamburg 1876, Neichstagsgebäude zu
Berlin 1882, Neichsgerichtsgebäude zu Leipzig 1885,
Ausstellungsgebäude in Dresden 1888 und vielen
andern) erhielten sie Preise. Das Ergebnis solcher
waren die Bauausführungen des Stadttheaters
(1873) und der Kunsthalle (1878) zu Düsseldorf, der
Lutherkirche zu Dresden (1882); der Centralbahnhof
in Dresden wird zur Zeit nach ihren Plänen aus-
geführt. Außerdem baute G. die Öberlausitzer Bank
zu Zittau, das Gewandhaus zu Vautzen, zahlreiche
Wohnhäuser und Pillen in Dresden und den Nach-
barstädten sowie an: Rhein.
Giesebrecht, Frieor. Wilh. Benjamin von, Ge-
schichtschreiber, geb. 5. März 1814 zu Berlin, studierte
auf der Universität daselbst, wo ihn Nanke beson-
ders sür das Studium der Geschichte gewann, und
war dann 20 Jahre lang Lehrer am Ioachimsthal-
schen Gymnasium in Berlin. 1857 wurde G. als
Professor der Geschichte nach Königsberg, 1862
nach München berufen, wo er zugleich Direktor des
Historischen Seminars und Sekretär der Histori-
schen Kommission wurde. Durch Verleihung des
Ordens der dayr. Krone wurde er 1865 in den
Adelstaich erhoben, 1872 zum Geheimrat und zum
stellvertretenden Vorsitzenden des neu errichteten
obersten ^chulrats für Bayern ernannt. Seit 1873
war G. auch Sekretär der histor. Klasse der Akade-
mie der Wissenschaften. Er starb 18. Dez. 1889
in München. Für Nankes "Jahrbücher des Deut-
schen Neichs unter dem sächs. Hause" schrieb G. die
"Geschichte Ottos II." (Berl. 1840). 1841 veröffent-
lichte er die "^nn<^L3 ^V1ta1len3L8", eine verloren ge-
gangene wichtige Quellenschrift des 11. Jahrh., die G.
aus den daraus crbaltenen Citaten, welche sich zahl-
reich in spätern Werken fanden, wiederherstellte. Eine
glänzende Bestätigung seiner Wiederherstellung er-
hielt G. durch die 1870 von E. vonÖfelc in Aventins
Nachlaß wieder aufgefundenen echten Annalen. Als
Frucht einer wissenschaftlichen Neise nach Italien
(1843-45) veröffentlichte G. u. a.: "1)6 IiU6i'ai-um
8tn6Ü8 ^)uä Ita1c>8 primis modii K0vi 8k6culi8"
(Berl. 1845). Sein Hauptwerk ist die "Geschichte der
deutschen Kaiscrzeit" (Bd. 1-5, Braunschw. 1855
-88; Bd. 1-3 in 5. Aufl., Lpz. 1881-90), das
wegen der Gründlichkeit der Quellenforschung, der
geistvollen Charakteristiken und der meisterhaften
Darstellung, besonders im ersten Bande, verdienten
Beifall gesunden hat. Auch wurde ihm der große,
von Friedrich Wilhelm IV. ausgesetzte Preis für
ausgezeichnete Leistungen auf dem Gebiete der
deutschen Geschichte von der Berliner Akademie zu-
erkannt. 1874 übernahm G. die Nedaktion der von
Heeren und Ilkert begonnenen "Geschichte der europ.
Staaten". Von seinen Schriften sind noch zu er-
wähnen: die Übersetzung des Gregor von Tours
s2 Bde., in den "Geschichtschreibern der deutschen
Vorzeit", Lfg. 12 u. 16, Verl. 1851; 2. Aufl. 1878),
"ve Oi'OFoi'ii VII i-eFiätro emonälmäo" (Braunschw.
1858), "Teutsche Neden" (Lpz. 1871) und "Arnold
von Vrescia" (Münch. 1873). - Vgl. Niezler, Ge-
däcktni^rede auf Wilhelm von G. (Münch. 1891).
Giesebrecht, Ludwig, Dickter und Geschicht-
schreiber, Oheim des vorigen, geb. 5. Juli 1792 in