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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ginster; Ginsterkatze; Gintl (Julius Wilh.); Gintl (Wilh. Friedr.); Gioberti; Giocondo

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Ginster – Giocondo

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Ginsengwurzel'

etwas kriechendem Wurzelstock. Sie ist in China einheimisch und wird dort so hoch geschätzt, daß sie einen wichtigen Artikel des Binnenhandels bildet und hohe Summen in Umlauf setzt. Für ein Tael (640 Grains) dieser Drogue werden durchschnittlich nicht weniger als 300 Taels Silber bezahlt, was nahezu 2000 M. ausmacht. Obschon man bisher keine besondern arzneilich wirkenden Stoffe in ihr hat entdecken können, so hält sie doch der Chinese für ein unschätzbares Mittel, dem er die außerordentlichsten Wirkungen auf den menschlichen Körper zuschreibt, indem sie den geschwächten in wunderbarer Weise stärken und dem gealterten kräftige Jugend zurückgeben soll. Der chines. Name Ginseng bedeutet Weltwunder, und das Wort Panax ist dem Griechischen entlehnt und bezeichnet ein Heilmittel für alle Krankheiten, eine Panacee. Eine der genannten Pflanze verwandte Art, Panax quinquefolius, welche in Amerika (Canada bis Florida) verbreitet ist und auch kultiviert wird, bildet einen erheblichen Einfuhrartikel Chinas, wo sie für die ärmern Klassen als Ersatz der echten G. gilt.

Ginster, s. Genista; Spanischer G., s. Esparto.

Ginsterkatze, s. Zibethkatzen.

Gintl, Julius Wilh., Physiker, geb. 12. Nov. 1804 in Prag, studierte in Prag und Wien, wurde 1836 zum ord. Professor der Physik und angewandten Mathematik an der Universität Graz ernannt, wo er 1846 auch noch die Lehrkanzel der Naturgeschichte übertragen erhielt. 1847 wurde G. als k. k. Telegraphenbauinspektor nach Wien berufen, in welcher Eigenschaft er die Anlage und Einrichtung der ersten österr. Telegraphenlinien leitete. 1849 wurde ihm die Direktion der Staatstelegraphen provisorisch übertragen und 1850 wurde er als wirklicher k. k. Telegraphendirektor bei der damals bestehenden Generaldirektion für Kommunikationen ernannt. 1863 trat er in den Ruhestand und lebte sodann in Prag, wo er 22. Dez. 1883 starb. G. ist der Begründer der Doppeltelegraphie, für deren Einführung er bei der Industrieausstellung zu Paris 1855 mit der großen goldenen Ehrenmedaille ausgezeichnet wurde. Er war Mitglied der kaiserl. Akademie der Wissenschaften zu Wien.

Gintl, Wilh. Friedr., Chemiker, Sohn des vorigen, geb. 5. Aug. 1843, wurde, nachdem er in Wien Chemie studiert hatte und mehrere Jahre als Fabrikchemiker thätig gewesen war, Assistent Rochleders und Privatdocent an der Universität Prag und 1870 zum ord. Professor für allgemeine und analytische Chemie an der deutschen Technischen Hochschule daselbst ernannt. G. leitete den chem.-physik.-naturwissenschaftlichen Teil des Karmarsch-Heerenschen «Technologischen Wörterbuchs». Aufsehen erregten seine Studien über Crookes strahlende Materie (Prag 1880), worin er zuerst diese Erscheinungen richtig erklärte und zugleich die Grundzüge einer mechan. Theorie der Elektricitätserscheinungen entwickelte. 1878 gründete er die Österreichische Gesellschaft zur Förderung der chem. Industrie, deren erster Präsident er war. Seit 1870 gehörte er dem Landessanitätsrate für Böhmen an und war von 1878 bis 1889 Mitglied des böhm. Landtags.

Gioberti (spr. dscho-), Vincenzo,ital. Philosoph und Politiker, geb. 5. April 1801 zu Turin, studierte daselbst Theologie und Philosophie und wurde 1825 Priester und Professor der Philosophie, 1831 Hofkaplan bei dem Kronprinzen Karl Albert, 1833, der Teilnahme an den Bestrebungen des «Jungen ↔ Italien» verdächtigt, verhaftet und nach viermonatiger Haft verbannt. Er lebte 1834–48 meist in Brüssel als Lehrer an einem Privatinstitut und veröffentlichte eine Reihe von philos. Schriften, in denen er den Ontologismus im Gegensatz zu dem Psychologismus von Descartes als das richtige und allein kath. System verteidigte und u. a. Lamennais und A. Rosmini Serbati bekämpfte. Einige seiner Schriften wurden von den Brüsseler Nuntien Fornari und Pecci (dem spätern Leo XIII.) belobt. 1843 wurde ihm eine Professur zu Pisa, 1845 von dem spätern Kardinal Wiseman eine in dem kath. Kollegium zu Oscott angeboten. Mehr Aufsehen als seine philos. Schriften erregte sein polit. Hauptwerk: «Del primato degli Italiani» (2 Bde., Brüss. 1841), worin er die Idee der Wiederherstellung der Größe und Macht Italiens durch ein reformiertes Papsttum und eine Einigung der ital. Staaten zu einem Staatenbunde unter dem Vorsitz des Papstes und unter Waffenschutz des Königreichs Sardinien entwickelte. In den «Prolegomeni al Primato» (Lausanne 1845) führte er die Idee einer kirchlichen Reform weiter aus und bezeichnete die Jesuiten als Hindernis derselben. Auf die Angriffe der Jesuiten Curci und Francesco Pellico (eines Bruders des Dichters) antwortete er mit dem Werke: «Il Gesuita moderno» (5 Bde., Lausanne 1846 u. ö.; deutsch von Cornet, 3 Bde., Lpz. 1849) und mit der «Apologia del Gesuita moderno con alcune considerazioni intorno al risorgimento italiano» (1848). Als G. 1848 nach Italien zurückkam, wurde er in mehrern Städten begeistert empfangen, hatte in Rom mehrere Audienzen bei Pius IX., war in Turin im Aug. 1848 kurze Zeit Unterrichtsminister, vom 16. Dez. 1848 bis 21. Febr. 1849 Ministerpräsident, vom 30. März bis 7. Mai Minister ohne Portefeuille, dann bis 1851 Gesandter in Paris. Hier blieb er in freiwilliger Verbannung bis zu seinem Tode 26. Okt. 1852. Der «Gesuita moderno» wurde 1849 gleichzeitig mit zwei Schriften von A. Rosmini auf den Index gesetzt; nach dem Erscheinen des Buches «Del rinnovamento civile d’Italia» (2 Bde., Tur. 1851), worin er die weltliche Herrschaft des Papstes scharf angreift, wurden 14. Jan. 1852 von der Inquisition seine sämtlichen Werke verboten. Nach seinem Tode sind noch 11 Bände «Opere inedite» (Tur. 1856–63) erschienen, u. a. «Filosofia della rivelazione» (ebd. 1856) und «Della riforma cattolica della chiesa» (ebd. 1857). In den nachgelassenen philos. Schriften, namentlich der «Protologia», hat er den Ontologismus aufgegeben und ein dem Pantheismus sich annäherndes System entwickelt. Eine Gesamtausgabe seiner Werke wurde 1877 in 36 Bänden vollendet. – Vgl. Massari, Vita di V. G. (Flor. 1848); ders., Ricordi biografici e carteggio di V. G. (3 Bde., Tur. 1860–63); Berti, Di V. G. riformatore politico e ministro, con sue lettere inedite (1881); K. Werner, Die ital. Philosophie des 19. Jahrh., Bd. 2 (Wien 1885).

Giocondo (spr. dschok-), Giovanni Fra, ital. Baumeister und Altertumsforscher, geb. um 1433 in Verona, war ein gründlicher Kenner der alten Sprachen und des klassischen Altertums und unterrichtete Jul. Cäsar Scaliger in diesen Wissenschaften. Er sammelte 1484–89 in Rom und andern ital. Städten mehr als 2000 alte Inschriften, die er dem Lorenzo de‘ Medici widmete. Als Baumeister war er in Verona, Venedig, Rom und seit 1499 in Frankreich beschäftigt. In Paris

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 8.