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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Glauchau; Glauke; Glaukodōt; Glaukom

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Glauchau - Glaukom

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gläubigerversammlung'

Anmerkung: Fortsetzung von [Österr. Konkursordnung.]

zu verwenden». Der «Masseverwalter», der nach §. 76 Vertreter der Gläubigerschaft ist, steht zu dieser, die ihm auch (nach §. 144), sobald die allgemeine Liquidierungstagfahrt stattgefunden hat, «besondere Verhaltungsnormen zur Richtschnur vorzeichnen» kann, in einem etwas andern Verhältnis als der deutsche Konkursverwalter zur G. und zum Gläubigerausschuß (s.d.). Die Gläubigerschaft kann hier auch von dem erwähnten Zeitpunkte an ohne weiteres an Stelle des vom Gericht ernannten Masseverwalters einen andern bestellen, der in ihrem Namen die Geschäfte führt.

Glauchau . 1) Amtshauptmannschaft in der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, hat 316,05 qkm, (1890) 137 709 (67 284 männl., 70425 weibl.) E. in 7 Städten und 77 Landgemeinden. -


Textfigur:

2) Hauptstadt der Amtshauptmannschaft G., 11 km nördlich von Zwickau, 27 km westlich von Chemnitz, in etwa 264 m Höhe, teils im Thale, teils an den ansteigenden Höhen an der Zwickauer Mulde und den Linien Görlitz - Dresden - Reichenbach, G.-Großbothen (56,8 km) und Gera-Gößnitz-G. (51,4km) der Sächs. Staatsbahnen, ist Sitz der königl. Amtshauptmannschaft, eines Amtsgerichts (LandgerichtZwickau) mit Kammer für Handelssachen, Untersteueramtes, einer Bezirksschulinspektion und Bezirkssteuereinnahme, der gräfl. Schönburgischen Gesamtkanzlei (s. Schönburg ) , einer Reichsbanknebenstelle sowie einer Superintendentur, hatte 1834: 6292, 1858: 14 357, 1890: 23 405 (11 532 männl., 11 873 weibl.) E., darunter 463 Katholiken und 24 Israeliten, Post erster Klasse mit Zweigstelle, Telegraph, Fernsprechamt, Georgskirche in Kreuzform (1104), Gottesackerkirche (1581), Schloß Forderglauchau, 1527-34 von Ernst von Schönburg errichtet, 1603 verändert, Schloß Hinterglauchau, 1460-70 erbaut, 1764 erneuert, mit Kapelle (1490), ein Rathaus, 1819 an Stelle des abgebrannten erbaut, und Stadthaus; eine Realschule mit Progymnasium, höhere Webschule (mit berühmter Sammlung alter Webstoffe), je eine kaufmännische, gewerbliche und allgemeine Fortbildungsschule, einen Gewerbe- und Pädagogischen Verein, zwei Freimauererlogen; Männerhospital, Kranken-, Waisenhaus, 2 Frauenhospitäler und zahlreiche Vereine für wohlthätige Zwecke. G. ist für die Fabrikation von wollenen und halbwollenen Stoffen einer der wichtigsten Plätze von ganz Deutschland. Es bestehen 9 mechan. Webereien (Damenkleiderstoffe) mit bedeutendem Export, 25 Färbereien, Appreturanstalten, Garnwäschereien und -Druckereien, 2 Spinnereien, mehrere Musterzeichnereien und Jacquardkartenschlägereien, eine Jacquardmaschinen- und Webutensilienfabrik, ferner Eisengießereien und Maschinenfabriken, Mahl- und Sägemühlen, Bierbrauereien, Ziegeleien. In G. wurde 1490 der berühmte Mineralog Georg Agricola (s. d.) geboren. G. war Sitz der Grafen von Schönburg, wurde 1430 von den Hussiten erobert und mehrmals durch Feuersbrünste verwüstet. 1542 wurde in G. die Reformation eingeführt. - Vgl. Eckardt, Chronik von G. (Glauchau 1882).

Glauke , d. h. Glänzende, oder Krëusa, Tochter des KönigsKreon von Korinth, s. Medeia . - G. heißt auch der 238. Planetoid. ↔

Glaukodōt , ein rhombisches, dem Arsenkies sehr ähnlich krystallisierendes Mineral von dunkel zinnweißer Farbe, chemisch mit dem regulären eisenreichern Glanzkobalt (s. d.) identisch, weshalb diese Kobaltverbindung dimorph ist; er findet sich bei Håkansbo in Schweden sowie in Chile.

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Glaukom (grch.) oder Grüner Star (Glaucoma), eine der gefährlichsten Augenkrankheiten, die, sich selbst überlassen, unter plötzlich oder langsam sich entwickelnder Sehschwäche und periodisch auftretenden Anfällen voll Nebelsehen schließlich zu völliger Erblindung führt. Die Ursache der Krankheit, deren Erkennung erst durch den Augenspiegel ermöglicht wurde, besteht in einer abnormen Drucksteigerung im Innern des Augapfels infolge einer Vermehrung der Augenflüssigkeiten (Glaskörperflüssigkeit, Kammerwasser); diese intraokulare Drucksteigerung wird aber dadurch verhängnisvoll, daß durch sie die zarten Fasern des Sehnerven sowie der lichtempfindenden Netzhaut eine widernatürliche Zerrung und Quetschung erfahren und schließlich durch Atrophie zu Grunde gehen. Bei der äußern Untersuchung fühlt sich ein solches glaukomatöses Auge weit fester und härter an, als ein normales, bisweilen selbst steinhart, die Pupille erscheint starr und erweitert, der Augenhintergrund von meer- oder bouteillengrüner Farbe (daher auch der Name Grüner Star); bei der ophthalmoskopischen Untersuchung sieht man die Papille oder Eintrittsstelle des Sehnerven infolge der Patholog. Drucksteigerung tief ausgehöhlt (sog. Exkavation des Sehnerven). Häufig verläuft der glaukomatöse Prozeß ohne jedwede entzündliche Erscheinungen (einfaches G., Glaucoma simplex); in andern Fällen ist eine gleichzeitige Entzündung vorhanden ( entzündliches G.,Glaucoma inflammatorium).

Der gewöhnliche Verlauf des Grünen Stars ist der, daß der Kranke zunächst eine auffallend rasch zunehmende Fernsichtigkeit an sich beobachtet, die ihn beim Lesen zur Benutzung immer stärkerer Brillen veranlaßt, und daß sich hierzu eigentümliche periodische Anfälle von Nebelsehen gesellen, wobei alle Gegenstände wie in einen dichten Nebel gehüllt erscheinen; häufig ist auch Regenbogensehen (s.d.) vorhanden. Nicht selten stellen sich heftige Schmerzen im Augapfel, in der Stirn über dem Auge und in der ganzen Kopfhälfte auf der Seite des befallenen Auges, mitunter auch heftiges Erbrechen ein. Diese Anfälle von Nebelsehen gehen gewöhnlich anfangs rasch vorüber, kehren aber über lang oder kurz wieder und hinterlassen eine sichtliche Abnahme des Sehvermögens und eine ganz eigentümliche Beschränkung des Gesichtsfeldes, die fast immer an der Nasenseite beginnt und sich von da immer weiter verbreitet, so daß das Sehfeld endlich nur noch die Gestalt eines schmalen Spaltes besitzt, bis auch das centrale Sehen erlischt und vollkommene Erblindung eintritt. Bei heftiger glaukomatöser Entzündung kann es schon in wenigen Wochen(Glaucoma acutum), ja sogar binnen wenigen Tagen, selbst Stunden zur Erblindung kommen (Glaucoma fulminans). Auch nach Vernichtung des Sehvermögens kann der glaukomatöse Prozeß noch fortdauern und tiefgreifende Veränderungen und Schrumpfungen des Augapfels herbeiführen. Oft werden beide Augen kurz nacheinander vom G. ergriffen.

Das G. tritt am häufigsten nach dem 50. Lebensjahre auf, kommt bei Frauen etwas häufiger als bei Männern vor und befällt mit einer gewissen Vor-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 64.