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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Glimmerdiorit – Glinskij

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Glimmer'

Campione bei Faido. Ein besonderes, von den übrigen sich etwas entfernendes Glied der Gruppe bildet der Kalkglimmer (s. d. ) oder Margarit.

Der durchsichtige und in oft mehrere Quadratfuß großen Tafeln vorkommende G. dient in Peru und Sibirien zu Fensterscheiben; auch gebraucht man wohl durchsichtige G. als Objektträger oder statt Deckgläschen bei mikroskopischen Präparaten, zur Herstellung der Kompaßhäuschen, statt der gläsernen Lampencylinder, als Lichtrosetten, als Vorsetzplatten vor Ofenfeuer; den gepulverten G. als Streusand; der fein gepulverte, mit Salzsäure ausgekochte und ausgewaschene G. wird fabrikmäßig zu Brokatfarben oder Glimmerbronze benutzt. In neuerer Zeit kommen auch in Europa Glimmerfenster, und zwar in Maschinenwerkstätten (besonders in England) und auf Kriegsschiffen in Gebrauch, weil sie durch abfliegende Stücke und durch Erschütterung nicht so leicht zertrümmert werden wie Glasscheiben. Neuerdings fertigt man aus G. auch Schutzbrillen für allerlei Arbeiter in Eisen, Glas, Stein, vor starkem Feuer u. s. w. gegen das Einfliegen von Splittern ins Auge und gegen die strahlende Hitze. Am meisten wird zu den genannten Zwecken der indische G. verwendet, der sehr rein ist.

Glimmerdiorīt, Gestein, s. Diorit.

Glimmergranulīt, Gestein, s. Granulit.

Glimmerporphyr, Allgemeinbezeichnung für Felsarten, die in einer dem bloßen Auge homogen erscheinenden Grundmasse von grauer, bräunlicher oder grünlicher Farbe Täfelchen oder Lamellen von dunkelbraunem oder schwarzem Magnesiaglimmer (Biotit) enthalten. Besitzt die Grundmasse mikroskopischen Orthoklas, so gehört der G. zu der Minette (s. d.) und bildet das porphyrische Äquivalent des Glimmersyenits (s. Syenit); ist der mikroskopische Feldspat Plagioklas, so gehört der G. zum Glimmerdioritporphyr.

Glimmerschiefer, eine ausgezeichnet schieferige Felsart, die aus einem Gemenge von Glimmer (teils hellem Kaliglimmer, teils dunklem Magnesiaglimmer, teils beiden zusammen) und Quarz in sehr wechselndem Verhältnis besteht; die Endglieder in der Reihe dieser wechselnden Zusammensetzungen sind ein fast nur aus Glimmer bestehender Schiefer und ein glimmeriger Quarzitschiefer. Der Glimmer bildet isolierte Schuppen und Blättchen oder zusammenhängende Membranen; der Quarz, in linsenförmigen Körnern und dünnen Lagen, tritt gewöhnlich erst auf dem Querbruch hervor; bisweilen bildet er größere Knauern oder Wülste. Die quarzarmen und nicht schuppigen G. besitzen die vollkommenste und dünnste Schieferung. Accessorisch finden sich vor allem häufig Granat, auch Andalusit und Faserkiesel, Talk und Chlorit, Hornblende, Cordierit, Epidot, Turmalin, Staurolith, Disthen, Smaragd, Apatit, Calcit, Magnetit, Eisenglanz, Rutil, Graphit u. s.w., also eine große Menge von Mineralien. Der Kalkglimmerschiefer ist durch einen reichlichen Kalkspatgehalt bei zurücktretendem Quarz charakterisiert. Mit dem Gneis, in den durch Aufnahme von Feldspat ein Übergang stattfindet, und dem Phyllit ist der G. das hervorragendste Glied, aus dem die archäische Formation, diejenige der krystallinischen Schiefer, zumal in ihrem obern Teile aufgebaut wird; weitverbreitet ist er im Erzgebirge, Fichtelgebirge, Riesengebirge, in den Sudeten, den Salzburger, Tiroler, Kärntner und Schweizer Alpen, in Schottland, Norwegen und im Ural. Als Einlagerungen ↔ enthält der G. oft Kalksteine, Quarzite, Chloritschiefer, auch Erzlager, wie Brauneisenerz, an Silikaten und Schwefelmetallen reiche Magneteisenlager, Kupfer- und Quecksilberlagerstätten.

Glimmersyenit, Gestein, s. Syenit.

Gliniany, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Przemyślany in Galizien, in sumpfiger Gegend, hat (1890) 4614 E. (2640 Polen, 1960 Ruthenen), darunter 892 Israeliten, Post, Telegraph, Bezirksgericht (368,22 qkm, 29 Gemeinden, 56 Ortschaften, 25 Gutsgebiete, 29553 meist griech.-unierte, ruthen. E.), Steueramt, bedeutende Weberei und Viehhandel. Im Westen das Dorf Laszkie Kròlewskie (896 ruthen. E.).

Glinka, Fedor Nikolajewitsch, russ. Schriftsteller, geb. 1788 im Gouvernement Smolensk, nahm 1805 an der Schlacht bei Austerlitz teil, trat 1812 wieder in die Armee ein und war als Adjutant des Grafen Miloradowitsch in den Feldzügen gegen Frankreich thätig. Später war er in die Sache der Dekabristen (s. d.) verwickelt, wurde 1826 nach Petrosawodsk verwiesen, durfte jedoch bald wieder zurückkehren. Er starb 23. Febr. 1880 in Twer. Besondere Beachtung verdienen seine «Briefe eines russ. Offiziers über die Feldzüge von 1805–6 und 1812–15» (8 Bde., Mosk. 1815–16) und die «Skizze der Schlacht bei Borodino» (ebd. 1839). Als Dichter ist G. bekannt durch das beschreibende Gedicht «Karelien, oder die Gefangenschaft der Martha Johannowna» (Petersb. 1830), das viele anziehende nordische Naturschilderungen enthält, die poet. Paraphrase des Buches Hiob (ebd. 1859) und andere mystisch-religiöse Gedichte.

Glinka, Michail Iwanowitsch, russ. Komponist, Neffe von Sergej Nikolajewitsch G., geb. 1. Juni 1804 zu Nowospask bei Selna (Smolensk), wurde seit 1817 in Petersburg im Adelsinstitut erzogen, zugleich aber durch den Violinisten Böhm u. a. in der Musik unterrichtet, der er sich bald ganz widmete. Er war 1830–34 in Italien seiner Gesundheit wegen und mit musikalischen Studien beschäftigt und fand dann in Dehn in Berlin einen Lehrer, der sein Streben, specifisch russ. Musik zu komponieren, ermutigte. G. schrieb darauf die Oper «Das Leben für den Zaren» (1836), die als die wahre russ. Nationaloper angesehen wird. Ein zweites Werk: «Ruslan und Ludmilla» (1842), hatte ähnlichen Erfolg. Von G.s übrigen Kompositionen ist ein originelles Variationenwerk für Orchester: «Kamarinskaïa», am bekanntesten geworden. Für Rußland bleibt G. hochbedeutend als der erste, welcher die neuere nationalruss. Richtung in der Musik eingeschlagen und allgemein anerkannte Vorbilder aufgestellt hat. 1856 kam er wieder nach Berlin, um bei Dehn weiter zu studieren, starb aber dort schon 2. Febr. 1857. Seine Leiche wurde nach Petersburg gebracht.

Glinka, Sergej Nikolajewitsch, Bruder von Fedor Nikolajewitsch G., geb. 1774, lebte seit 1799 als verabschiedeter Major in Moskau und starb 1847. Er gab 1808–21 den «Russischen Boten» heraus, der bis 1813 einen großen Einfluß im patriotischen Sinne gegen Napoleon ausübte. Von seinen sonstigen zahlreichen Schriften sind bemerkenswert die «Memoiren aus dem J. 1812» und die «Memoiren über Moskau und das Ausland von 1812 bis 1815».

Glinskij, Michael, Fürst, aus einer ursprünglich tatar. Familie, die 1494 nach Litauen übergesiedelt war, unter der Regierung des Königs Alexander

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 78.