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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gliom – Globus

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Glinskij'

Jagello von Polen Hofmarschall von Litauen und Starost von Bielsk. Er hatte 12 Jahre in Westeuropa zugebracht und an den Kriegen des Kaisers Maximilian I. teilgenommen. 1506 rettete er Litauen durch einen kühnen Handstreich vor einem Tatareneinfalle. Aber sein stolzes und gewaltthätiges Auftreten gegen die Großen des Reichs und Verdächtigungen bei König Sigismund, dem Nachfolger Alexanders, daß er sich der Gewalt bemächtigen und das Land der Herrschaft Moskaus unterwerfen wolle, brachten ihn in Ungnade. Aus Rache trat er in die Dienste des Zaren Wassilij Iwanowitsch von Moskau, drang 1507 mit einem russ. Heere in Litauen ein, wurde aber von Sigismund geschlagen. Der Zar schloß 1508 mit Polen Frieden. G. lebte nun, aller seiner Güter beraubt, in Moskau und wurde später sogar ins Innere Rußlands verbannt. Erst durch die Fürsprache des Kaisers Karl V. und der Nichte G.s, Helene, welche 1526 die Gemahlin des Zaren geworden war, befreit, wurde G. 1533 zum Vormund des minderjährigen Zarewitsch Iwan ernannt. Als er jedoch das ausschweifende Leben Helenens tadelte, ließ ihn diese blenden und ins Gefängnis werfen, wo er 1534 starb. – Vgl. Warnka, De ducis M. Glinscii contra Sigismundum regem Pol. rebellione (Bresl. 1868).

Gliom (Glioma, vom grch. glia, d. i. Leim oder Kitt), weiche, markähnliche, erbsen- bis faustgroße Geschwulst, die sich am häufigsten im Gehirn, bisweilen auch im Rückenmark und im Innern des Augapfels findet, durch Wucherung der normalen Nervenkittsubstanz oder Neuroglia (s. Gehirn, Bd. 6, S. 678b) (Anmerkung des Editors: Band 7 ) entsteht und, wie diese, aus rundlichen Kernen und Zellen und einer außerordentlich zierlichen feinmaschigen Zwischenzellsubstanz zusammengesetzt erscheint. Das G. des Gehirns entwickelt sich gewöhnlich im mittlern Lebensalter und verursacht meist die Symptome der Gehirnerweichung (s. d.); das des Augapfels kommt vorzugsweise bei Kindern vor, führt unrettbar zur Erblindung und erfordert rechtzeitige Entfernung des erkrankten Auges.

Glion, s. Montreux.

Glires nannte Linné die Ordnung der Nagetiere (s. d.).

Glis, s. Siebenschläfer.

Glissade (frz.), das Gleiten, auch als Tanzschritt; in der Fechtkunst eine Art Streichfinte, ähnlich der Battuta (s. d.).

Glissando (auch glissāto, glissicāto, glissicando), von dem franz. glisser, gleiten, abgeleitet) bezeichnet bei Streichinstrumenten einen glatten Vortrag ohne Accentuation (bei Passagen), auf dem Klavier das sehr schnelle Spielen einer auf den Untertasten auf- oder abwärts laufenden Passage in der Weise, daß mit einem Finger (Nagelseite) schnell über die Tasten gestrichen wird.

Glisson (spr. gliss'n), Francis, engl. Anatom, geb. 1597 zu Rampisham in Dorsetshire, war Professor der Medizin und Anatomie in Cambridge und ließ sich später in London nieder, wo er 1677 als Professor der Anatomie und Präsident des Kollegiums der Ärzte starb. Nach ihm ist die Glissonsche Kapsel der Leber benannt; durch seine Lehre von der Irritabilität der belebten Faser erscheint er als der Vorgänger Hallers. Er schrieb: «De rhachitide» (Lond. 1660), «Anatomia hepatis» (ebd. 1659), «De natura substantiae energetica» (ebd. 1672), «De ventriculo et intestinis» (ebd. 1677). Seine sämtlichen «Opera medicophysica» erschienen zu Leiden 1691 und 1711 in 3 Bänden. ↔

Glittretind, eine der höchsten Spitzen der Jötunfjeldene in Norwegen, 2554 m hoch.

Gljeb, s. Boris und Gljeb.

Globetrotter (engl., spr. globbtr-; «Erdtraber»), Bezeichnung für Leute, die alle Erdteile bereisen.

Globigerina, Globigerinenschlamm, s. Kammerlinge.

Globocephălus, Gattung der Delphine (s. d.).

Globoin, soviel wie Nitroglycerin (s. d.).

Globöl (engl. globe oil, Bezeichnung für amerik. Erdöl, das als Schmiermittel für Maschinenteile in den Handel kommt.

Globos (lat.), kugelig, kugelförmig, aus Kugeln bestehend; Globosität, Kugeligkeit, Kugelform.

Globuline, Bezeichnung für einige Eiweißarten, die dadurch charakterisiert sind, daß sie, im Gegensatz zu den eigentlichen Albuminen, in Wasser unlöslich, dagegen in verdünnter Kochsalzlösung löslich sind. Bringt man z. B. Blutserum in den Dialysator, so diffundieren die Salze fort, die G. scheiden sich als feinflockige Massen ab, während Serumalbumin im reinen Wasser gelöst bleibt. Beim Erhitzen koagulieren die G. Zu ihnen gehören das Globulin in der Linse des Auges, das Fibrinogen oder Metaglobulin und Paraglobulin im Blut, die Phytoglobuline in den Pflanzen.

Globŭli tartări ferrati, Globŭli martiāles (Stahlkugeln), ein jetzt nicht mehr offizinelles Eisenpräparat (zu Kugeln geformter Eisenweinstein), wurde früher vielfach zur Anfertigung von künstlichen Stahlbädern verwandt.

Globuliten, mikroskopisch kleine, optisch isotrope sphäroidale Gebilde, die, zu den sog. Krystalliten gehörend, die primitive Form darstellen, in der ein krystallisationsfähiger Körper sich aus einem Medium ausscheidet, das ihm einen gewissen Widerstand entgegensetzt. Die rundlichen G. reihen sich mitunter durch gegenseitige Anziehung in einer linearen oder etwas gekrümmten Richtung kettenförmig aneinander und erzeugen so die Margariten; verschwimmen sie durch direkte Berührung dabei zu länglichen Nadeln, so entstehen die sog. Longuliten. G. des Schwefels können z. B. beobachtet werden, wenn man eine Mischung aus zwei Lösungen bereitet, deren eine aus Schwefel in Schwefelkohlenstoff, deren andere aus Canadabalsam, ebenfalls in Schwefelkohlenstoff gelöst, besteht, und dann einen Tropfen einer solchen Mischung auf einem Glastäfelchen unter dem Mikroskop verdunsten läßt. Andere aus Silikaten bestehende G. scheiden sich in reicher Menge in den künstlichen Hochofenschlacken aus. Auch die rundlichen, meist gelblich oder bräunlich gefärbten Körnchen, die sich oft in unendlicher Anzahl als unvollkommen gebildete Ausscheidungsprodukte in der Glasbasis z. B. der Basalte und mancher Melaphyre finden, werden wohl mit Recht zu den G. gerechnet, ebenso wie die rundlichen winzigen Partikel, aus denen so viele kieselige Kügelchen zusammengesetzt erscheinen. – Vgl. Vogelsang, Die Krystalliten (hg. von Zirkel, Bonn 1874).

Globŭlus (lat.), Kügelchen; Globŭli martiāles, Stahlkugeln, s. Globŭli tartări ferrati; Globŭli sanguīnis, Blutkügelchen; globulös, soviel wie globos.

Globus (lat., «Kugel»), in der Geographie und Astronomie eine Kugel, auf deren Oberfläche ein natürlich sehr stark verkleinertes, aber getreues Abbild der Erdoberfläche oder der scheinbaren Himmelskugel gegeben wird. Man unterscheidet hiernach

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 79.