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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gloucester (Seestadt); Gloucesterkäse; Glouvet; Glover; Gloversville; Gloverturm; Glowacki; Gloxinia; Gluchow

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Gloucester (Seestadt) – Gluchow

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gloucester (Grafschaft und Stadt)'

und das Krankenhaus. Ein Museum enthält die röm.Altertümer der Umgegend. G. besitzt drei Lateinschulen, ein Irrenhaus und ein Arbeitshaus. Nadelfabrikation, Glockengießerei, Seifensiederei und Fabrikation von Messerschmiedewaren sind die wichtigsten Industriezweige; bedeutender ist der Handel: Ausfuhr der Erzeugnisse der Grafschaft und Einfuhr von Getreide und Holz für die Fabrikdistrikte der West-Midland-Division. Den Verkehr vermitteln Pferdebahnen im Innern, die Great-Western- und die Midlandeisenbahn sowie der Berkeleykanal, der Seeschiffe von der Severnmündung bis zu den Docks der Stadt gelangen läßt. – G., das altbrit. Caer Glowe, die röm. Station Glevum, später Castra Claudia, war ehemals stark befestigt. Unter Eduard I. faßte 1272 hier das Parlament die Gloucesterstatuten ab. Heinrich III. ward hier gekrönt. Richard III. führte den Titel Herzog von G. 1643 hielt sich die Stadt tapfer gegen die Royalisten.

Gloucester (spr. gloßtĕr), Seestadt im County Essex des nordamerik. Staates Massachusetts, nordöstlich von Boston, an der Boston-Mainebahn, hat (1890) 24651 E., eine kath. St. Annekirche, Stadthaus, Zollhaus, öffentliche Bibliothek und Wasserwerke. G. ist der wichtigste Fischerhafen der Union. 1889 waren 406 Schiffe mit 27565 t mit dem Fang von Stockfisch und Makrelen beschäftigt; bedeutend sind auch die Granitbrüche und Fabriken für Schiffsausrüstung. G. ist beliebte Sommerfrische.

Gloucesterkäse, s. Gloucester (Grafschaft).

Glouvet (spr. gluweh), Jules de, Pseudonym des Schriftstellers Quesnay de Beaurepaire (s. d.).

Glover (spr. glöww'r), Rich., engl. Dichter, geb. 1712 zu London, verband mit seinen Handelsgeschäften litterarische, besonders griech. Studien. Schon im 16. Jahre schrieb er ein Lobgedicht auf Newton und 1737 «Leonidas», ein mit großem Beifall aufgenommenes Heldengedicht in neun Gesängen, von dem 1770 eine völlig umgearbeitete und vermehrte Ausgabe erschien (deutsch von Ebert, Hamb. 1778). Als Fortsetzung hinterließ G. bei seinem Tode (25. Nov. 1785) ein viel schwächeres Epos: «The Atheniad», in 30 Gesängen (3 Bde., Lond. 1787). Außerdem schrieb er die Gedichte: «London, or the progress of commerce» (Lond. 1739) und «Admiral Hosier's ghost» (ebd. 1739); zwei Trauerspiele: «Boadicea» (ebd. 1758) und «Medea» (ebd. 1761), und einen Auszug eigener «Memoirs of a distinguished literary and political character» (ebd. 1813). Auf Grund der darin ausgesprochenen Ansichten wollen einige in ihm den Verfasser der Briefe des Junius (s. d.) erblicken.

Gloversville (spr. glöww'rswill), Stadt im County Fulton des nordamerik. Staates Neuyork, nordwestlich von Albany, hat 1880: 7133, 1890: 13864 E. und führt seinen Namen von seinem Hauptindustriezweig, der Handschuhfabrikation.

Gloverturm, Vorrichtung der Schwefelsäurefabrikation, die gleichzeitig zum Verdampfen der Kammersäure und zum Denitrifizieren der Gay-Lussac-Säure (s. d.) dient, besteht aus einem hohen quadratischen Behälter von starkem Walzblei, dessen Wandungen vor der Wirkung der Hitze und Säure durch Verkleidung mit Steinplatten geschützt sind, und dessen Innenraum mit säurefesten Ziegeln gitterförmig ausgesetzt ist. An seinem obern Ende steht der G. mit der Hauptkammer in Verbindung, während unten die heißen, aus Kiesen gewonnenen Gase eintreten. Die Säure wird durch eine oben ↔ auf dem Turm angebrachte Verteilungsvorrichtung über die Steingitter verteilt und strömt den heißen Gasen entgegen, wobei das darin enthaltene Wasser verdampft und zugleich die Nitrosulfosäure zersetzt. Der Zustrom der Säure ist so zu regulieren, daß die Säure, die am Fuß des Apparats abfließt, eine Konzentration von 62° B. hat.

Glowacki, Jakav Fedorowitsch, s. Golowazkij.

Gloxinĭa L'Hérit., eine zur Familie der Gesneraceen (s. d.) gehörige Pflanzengattung mit nur 6 Arten im tropischen Südamerika. Es sind krautartige Gewächse mit knolligem Wurzelstocke und lebhaft gefärbten großen Blüten. Sie gehören zu den beliebtesten Topfzierpflanzen und sind in zahlreichen Varietäten in Kultur.

Die wichtigste Art dieser Gattung ist G. (Ligeria) speciosa Ker. (Brasilien), fast stammlos, mit großen violettblauen, stark nach unten gerichteten Blumen, anfangs von ziemlich bescheidener Schönheit, gegenwärtig die Stammmutter einer zahlreichen Nachkommenschaft, welche wegen schöner Form, prächtigen Kolorits und interessanter Zeichnung der Blumen häufig in Warmhäusern kultiviert wird. Von den ersten Formen hat die in England aus Samen erzogene G. Tyfiaua auf die blumistische Entwicklung der G. großen Einfluß geübt.

In neuerer Zeit werden vorzugsweise zwei Sorten kultiviert, deren Spielarten regelmäßigere aufrechte (var. erecta) oder horizontale Blumen (var. horizontalis) tragen. Das Kolorit der letztern ist sehr mannigfaltig und besteht in einer bald zarten, bald kräftigen, oft sehr feurigen, nicht selten sammetartigen Nuance des Rot oder Blau. Nicht minder mannigfaltig ist die Zeichnung. Außerdem sind die Blumen um vieles größer geworden und auch das Laubwerk hat an Größe und Substanz gewonnen (vgl. G. Hybrida var. grandiflora crassifolia auf Tafel: Warmhauspflanzen, Fig. 3). In neuerer Zeit faßt man alle diese zahlreichen Spielarten unter dem Namen G. hybrida zusammen.

Die Gloxinien müssen im Warmhause kultiviert werden und erfordern, wie viele andere Knollengewächse, eine vollkommene Ruhezeit, welche bei ihnen von Ende Oktober bis Ende Februar dauert, in welcher Zeit mit Beginn des neuen Triebes die Knollen in sandige Lauberde in Töpfe gepflanzt und in geschlossener Luft oder wenn möglich auf einem Warmbeet zu kräftiger Vegetation angeregt werden. Abgesehen von der Aussaat, werden die Gloxinien vorzugsweise durch Blätter vermehrt. Zu diesem Behufe nimmt man kräftig entwickelte Blätter ab, kerbt auf der untern Seite die Mittelrippe ein und legt sie flach in eine mit recht sandiger Lauberde gefüllte Schale, wo man sie mit Häkchen befestigt. Nach 6–8 Wochen haben sich an den Kerben Knöllchen mit Wurzeln und Augen gebildet.

Gluchow. 1) Kreis im südöstl. Teil des russ. Gouvernements Tschernigow, eben, mit Schwarzerde und Lehmboden, hat 3091,6 qkm, 130573 E., Ackerbau, Vieh-, Bienenzucht, vortreffliche Porzellanerde (beim Dorfe Poloschek; 1887 wurden 278000 Pud gewonnen), die kaiserl. Schoschtensche Pulvermühle, mehrere Zuckerfabriken, eine Porzellanfabrik u. a. –

2) Kreisstadt im Kreis G., 288 km östlich von Tschernigow, am erhöhten Ufer des Esmanj und an der Poststraße von Moskau nach Kiew, hat (1890) 17625 E., in Garnison das 19. Infanterieregiment, 11 Kirchen, 2 israel. Betschulen, 1 Gymnasium, 1 Lehrerseminar und 1 Progymnasium für

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 88.