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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Glyptothek – Gmünd (in Württemberg)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Glyptodon'

gebildet ist. Die kurzen, stämmigen Füße waren mit großen, zum Scharren geeigneten Sichelkrallen bewaffnet. Die Reste dieser Tiere, besonders G. clavipes (s. Armadill und Tafel: Zahnarme Säugetiere II, Fig. 5), finden sich häufig in den Pampasschichten Südamerikas. Nach Ameghino dienten die Panzer den vorweltlichen Menschen mehrfach als Wohnstätte. Ganze Skelette sind jetzt nicht nur in dem Museum von Buenos-Aires, das eine ausgezeichnete Sammlung enthält, sondern auch in verschiedenen Museen von Europa.

Glyptothek (grch.), eigentlich Sammlung von geschnittenen Steinen, soviel wie Daktyliothek (s. d.); im weitern Sinne eine Sammlung von Skulpturen, so vorzugsweise die G. in München (s. d.).

Gm., bei naturwissenschaftlichen Namen Abkürzung für Joh. Georg Gmelin (s. d.).

Gmelin, Christian Gottlob, Chemiker, Neffe von Samuel Gottlieb G., geb. 12. Okt. 1792 zu Tübingen, bereiste 1814–18 Frankreich, Norddeutschland, Schweden, Norwegen und England und wurde hierauf Professor der Chemie und Pharmacie zu Tübingen, wo er 13. Mai 1860 starb. Er zählte zu den hervorragenden Chemikern seiner Zeit und hat viele Schüler hinterlassen. Außer zahlreichen Einzelforschungen veröffentlichte er die «Einleitung in die Chemie» (2 Bde., Tüb. 1833–37).

Gmelin, Joh. Georg, Botaniker, geb. 12. Juni 1709 zu Tübingen, Sohn des Chemikers Johann Georg G. (geb. 17. Aug. 1674, gest. 22. Aug. 1728), studierte in Tübingen, ging dann 1727 nach Petersburg, wo er bei der Akademie der Wissenschaften thätig war und 1731 ord. Professor der Chemie und der Naturgeschichte wurde. Auf kaiserl. Befehl ging er 1733 in Begleitung Delisles, Müllers und Behrings nach Sibirien, um dieses Land genauer zu untersuchen, von wo er erst 1743 zurückkehrte. Hierauf machte er 1747 eine Reise nach seinem Vaterlande und wurde 1749 ord. Professor der Botanik und Chemie zu Tübingen, wo er 20. Mai 1755 starb. Seine «Flora Sibirica» (hg. von Pallas, 4 Bde., Petersb. 1747–69) und die Beschreibung seiner «Reise durch Sibirien» (4 Bde., Gött. 1751–52) sind seine Hauptwerke.

Gmelin, Leopold, Chemiker, geb. 2. Aug. 1788 zu Göttingen, widmete sich chem. und mediz. Studien zu Göttingen, Tübingen und Wien. 1813 habilitierte er sich zu Heidelberg, wo er 1814 zum außerord., 1817 zum ord. Professor der Chemie aufrückte. 1851 trat er in den Ruhestand und starb 13. April 1853 zu Heidelberg. Seinen Ruf begründete G. durch sein «Handbuch der theoretischen Chemie» (2 Bde., Frankf. 1817–19); 4. Aufl., vollendet von Schloßberger und List, Heidelb. 1841–55; neu bearbeitet von Kraut in 2 Abteilungen u. d. T.: «Handbuch der Chemie. Anorganische Chemie», 6. Aufl., 3 Bde., ebd. 1875–86, und «Handbuch der organischen Chemie», 4. Aufl., 5 Bde., ebd. 1860–75). Wichtige Beiträge zur organischen Chemie lieferte G. gemeinschaftlich mit Tiedemann in «Versuche über die Wege, auf welchen Substanzen aus dem Magen und Darmkanale in das Blut gelangen» (Heidelb. 1820) und «Die Verdauung» (2 Bde., ebd. 1826–27; 2. Aufl. 1831). Auch ist noch G.s «Versuch eines neuen chem. Mineralsystems» (ebd. 1825) zu nennen.

Gmelin, Samuel Gottlieb, Neffe von Johann Georg G., geb. 23. Juni 1743 zu Tübingen, studierte daselbst bis 1763, bereiste dann Holland und Frankreich, folgte 1767 einem Rufe an die Akademie zu Petersburg und trat hierauf 1768 mit Pallas, ↔ Güldenstädt und Lapuchin eine naturhistor. Reise durch Rußland an. Auf der Rückreise wurde er 1774 von dem Chan der Chaitaken festgenommen und starb 27. Juli zu Achmetkent. Seine wichtigsten Schriften sind die «Historia fucorum» (Petersb. 1768) und seine «Reisen durch Rußland» (4 Bde., ebd.1770–84).

Gmelin, Wilhelm Friedrich, Kupferstecher, geb. 26. Nov. 1760 zu Badenweiler i. Br., starb 22. Sept. 1820 in Rom. Er schuf viele große und sorgfältig gearbeitete Kupferstiche; bloß in einigen spätern Produktionen bemerkt man eine harte und zu starke Betonung einzelner Stellen. Auch lieferte er viele schöne Sepiazeichnungen.

Gmelinsches Salz, s. Blutlaugensalz, rotes.

G-moll (ital. sol minore; frz. sol mineur; engl. g minor), die Moll-Tonart, bei der h und e um einen halben Ton erniedrigt werden, also 2 b vorgezeichnet sind; parallele Dur-Tonart ist B-dur. (S. Ton und Tonarten.)

Gmünd. 1) Oberamt im württemb. Jagstkreis, hat (1890) 36836 (17749 männl., 19087 weibl.) E., darunter 9992 Evangelische und 97 Israeliten, 2 Städte und 24 Landgemeinden. –


Textfigur:

2) G. oder Schwäbisch-Gmünd, Oberamtsstadt im Oberamt G., 51 km im SO. von Stuttgart, an der Linie Stuttgart-Nördlingen der Württemb. Staatsbahnen, in dem reizenden Thale der von einer schönen Brücke überspannten Rems, ist Sitz des Oberamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Ellwangen) und trägt mit ihren Kirchen, Türmen und einigen Bruchstücken der Ringmauer immer noch das Gepräge einer alten Reichsstadt. Die Stadt hat (1890) 16818 (8238 männl., 8580 weibl.) E., darunter 5330 Evangelische und 97 Israeliten, in Garnison das 3. Bataillon des 122. Infanterieregiments Kaiser Franz Joseph von Österreich, König von Ungarn, und die 4. Abteilung des 29. Feldartillerieregiments Prinz-Regent Luitpold von Bayern; Post, Telegraph, ein Reallyceum (Realprogymnasium), eine Zeichen-, Ciselier- und eine gewerbliche Fortbildungsschule mit Gewerbemuseum, kath. Lehrer- und Lehrerinnenseminar, eine königl. und eine Privattaubstummenanstalt, ein Blindenasyl, eine bedeutende Irrenanstalt unter der Leitung der Barmherzigen Schwestern, deren Mutterhaus in G. ist, zwei Hospitäler, ein musterhaftes Zuchthaus (in dem ehemaligen, 1240 erbauten Dominikanerinnenkloster Gotteszell). Unter den sechs Kirchen sind besonders merkwürdig die roman. St. Johanniskirche, in letzter Zeit renoviert, und die got. Heiligkreuzkirche, 1510 vollendet, mit Türmen (1492), Portalskulpturen (1380) und Altarschnitzereien (15. Jahrh.). Die außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe gelegene Salvatorkirche mit zwei in den Felsen gehauenen Kapellen ist eine sehr besuchte Wallfahrtsstätte. Von den vielen Kapellen bestehen nur noch die zu St. Joseph und Herrgottsruhe; die Gebäude der 1803 eingezogenen Klöster werden zu andern Zwecken benutzt. Handel und Gewerbfleiß, im Mittelalter in hoher Blüte, sanken seit Anfang des 17. Jahrh., haben sich aber in neuerer Zeit wieder sehr gehoben. Es besteht besonders Fabrikation von ciselierten und gravierten Gold- und Silberwaren (s. Goldwaren), von Kupfer-, Bronze- und Messingwaren, Wachs-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 100.