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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gmünd (Heinrich und Peter von); Gmünd (in Österreich); Gmunden; Gmundenersee; Gna; Gnadau; Gnade

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Gmünd (in Österreich) – Gnade

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Gmünd (in Württemberg)'

arbeiten, Mobilien, Tabletterie-, Holzschnitz- und Drechslerwaren; ferner Eisengießereien, Mühlwerke sowie Obstbaumzucht. Bedeutend ist die Ausfuhr von Gold- und Silberschmuckwaren und silbernen Geräten. 7 km im SW. zwischen dem Hohenstaufen und dem Stauffen die zwei Kuppen des Rechberges, die eine mit einer Wallfahrtskirche, die andere mit der Ruine des ehemaligen Schlosses Rechberg oder Hohenrechberg, der Stammburg der Grafen von Rechberg. – G. hieß früher Kaisersreuth und machte sich nach dem Aussterben des hohenstaufischen Hauses reichsfrei. Ungeachtet der innern Fehden zwischen Patriciat und Zünften, die selbst noch zu Anfang des 18. Jahrh, sich erneuten, blieb es selbständig, bis es 1803 an Württemberg kam. - Vgl. Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt G. (Gmünd 1867); Kaißer, Führer durch G. und seine Umgebung (ebd. 1882).

Gmünd. 1) Stadt im Gerichtsbezirk Schrems der österr. Bezirkshauptmannschaft Waidhofen a. d. Thaya in Niederösterreich, rechts an der Leinsitz, in welche daselbst die Braunau mündet, an den Linien Wien-G.-Pilsen-Eger und G.-Prag (186 km) der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 1015, als Gemeinde 2331 E., Post, Telegraph, Reste einer alten Befestigung, Schloß des Erzherzogs Rainer mit bedeutendem Grundbesitz, bedeutende Werkstätten der Franz-Josephsbahn, eine Teppichfabrik, Schmieden, Sägemühlen und in der Umgegend große Glasfabriken. –

2) Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Spittal in Kärnten, hat (1890) 895, als Gemeinde 905 deutsche E., Post, Telegraph, Bezirksgericht (690,50 qkm, 6 Gemeinden, 97 Ortschaften, 8079 deutsche meist kath. E.), guterhaltene Mauern und Thore, schöne got. Kirche, neues Schloß des Grafen von Lodron, Eisenhammer, Blech- und Formeneisenwalzwerk, Walzwerke, Handel mit Holz und Vieh. Der Name der Stadt kommt von ihrer Lage am Zusammenflusse der Malta und Lieser (732 m), und diese Lage am Ausgange zweier durch landschaftliche Reize ausgezeichneter Hochgebirgsthäler macht sie zum Zielpunkte vieler Reisenden. Eine Höhe nördlich der Stadt trägt die Reste des alten Schlosses. Nordöstlich von G., nahe der Salzburger Grenze, die Eisengruben Grünleiten, Altenberg und Innere Krems, mit mächtigen Lagern von Braun-, Magnet- und Spateisenstein, stammen aus dem 15. Jahrh. Die geschmolzenen Erze werden in Eisentratten verschmolzen, wo außer dem Hochofen noch eine Frisch- und Puddelhütte sich befindet.

Gmünd, Heinrich und Peter von, Baumeister, s. Parler.

Gmunden. 1) Bezirkshauptmannschaft in Oberösterreich, hat 1411,14 qkm und (1890) 54704 (26400 männl., 28304 weibl.) meist kath. deutsche E., darunter 5568 Evangelische und 79 Israeliten, 9287 Häuser und 13250 Wohnparteien in 17 Gemeinden mit 216 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke G. und Ischl. –

2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft G., in 422 m Höhe, an dem Ausflusse der Traun und dem Nordende des Traun- oder Gmundenersees (s. Traunsee), gegenüber dem fast senkrecht emporsteigenden Traunstein (1691 m), an den Linien Schärding-Ischl-Selzthal und G.-Lambach (27 km) der Österr. Staatsbahnen, Sitz eines Bezirksgerichts (626 qkm, 11 Gemeinden, 138 Ortschaften, 31845 E.), einer Forst- und Domänendirektion, hat (1890) 1491, als Gemeinde 6476 E., Post, Telegraph, kath. Kirche mit schön ↔ geschnitztem Altar (1656) von Schwanthaler, evang. Kirche (1876), Rathaus, Sparkasse, Wasserleitung (seit 1892), zahlreiche Villen und ist bekannt als Kurort und angenehmer Sommeraufenthalt. Die Kurmittel bestehen in See- und Solbädern, Alpenkräuter- und Fichtennadelbädern, einem Inhalationssalon, einer pneumat. Kammer, Molken- und Kaltwasseranstalt (1889: 12453 Kurgäste). G. zählt zu den schönstgelegenen Städten Österreichs und ist reich an schönen Spaziergängen und herrlichen Gebirgstouren; erwähnenswert die Dampferfahrt zum Traunfall. Vom Kalvarienberge und von den sehr sehenswerten Satorischen Anlagen aus hat man eine herrliche Aussicht über den See und das ihn umgebende Gebirge. In der Nähe die Schlösser Ebenzweier und Orth (s. d.) sowie die Villen der Großherzogin von Toscana, der Herzogin Maria Theresia von Württemberg und des Herzogs von Cumberland. Dampfer verkehren nach Ebensee (s. d.) am Südufer. G. war schon 1186 eine mit Mauern und Wällen umgebene Stadt. Bei G. schlug Pappenheim 14. Nov. 1626 das Heer der aufständischen Bauern in einer entscheidenden Schlacht. – Vgl. Ischl und seine Umgebungen. Unter gleichzeitiger Berücksichtigung G.s (9.Aufl., Gmunden 1891); Wolfsgruber, Führer im Kurort G. am Traunsee und dessen Umgebung (2. Aufl., ebd. 1887); ders., Karte des Traunsees samt Umgebung (2. Aufl., ebd. 1888); ders., Die Kurmittel und Kuranstalten von G. (2. Aufl., Wien 1890).

Gmundenersee, s. Traunsee.

Gná, in der nordischen Mythologie die Botin der Frigg. Auf Befehl ihrer Herrin reitet sie durch Luft und Meer auf ihrem Rosse Hofvarpnir («Hufwerfer»). Bekannt ist die Göttin aus Klopstocks Ode «Wie G. im Fluge u. s. w.».

Gnadau, Flecken im Kreis Calbe des preuß. Reg.-Bez. Magdeburg, 21 km im SO. von Magdeburg, an der Linie Magdeburg-Halle-Leipzig der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 569 E., Post, Telegraph, eine sehr besuchte Erziehungsanstalt für Mädchen, eine Lehrerinnenbildungsanstalt, Fabrikation von Backwaren (Gnadauer Bretzeln). G. wurde 1767 als Herrnhuterkolonie gegründet; die Unitätsbuchhandlung versieht alle Brüdergemeinen und Missionsstationen der Erde mit den meist am Orte gedruckten Schriften.

Gnade (lat. gratia; grch. charis), im allgemeinen jedes unverdiente Wohlwollen des Höhern gegen den Niedern; insbesondere das Recht des Souveräns, Vergünstigungen zu erteilen, auf die ein Rechtsanspruch nicht besteht. (S. Begnadigung.) In der religiösen Sprache ist G. die göttliche Güte, sofern sie an dem Menschen ohne dessen Verdienst sich wirksam erweist, sodaß für die fromme Anschauung alles Gute auf göttlicher Mitteilung beruht und jede Förderung des leiblichen wie des geistigen Lebens unter den Gesichtspunkt der freien göttlichen G. tritt. Im engern Sinne heißt G. diejenige göttliche Ursächlichkeit, die den Menschen in das rechte religiöse Verhältnis zu Gott einsetzt, d. h. ihn durch Befreiung von Sünde und Schuld mit Gott versöhnt, und zur religiös-sittlichen Lebensvollendung führt. Sofern nämlich der zur Erkenntnis der sittlichen Ordnungen Gottes oder des göttlichen Gesetzes herangereifte Mensch seine Sündhaftigkeit einräumen muß, sich selbst aber durchaus unfähig findet, derselben zu entgehen, so führt er alle Versöhnung des Herzens mit Gott und alle dieser Versöhnung entquellenden sittlichen Kräfte

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 101.