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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gnauth - Gneisenau
Gnauth, Adolf, Architekt, geb. 1. Juli 1840
zu Stuttgart, besuchte das Polytechnikum daselbst,
hielt sich dann auf einer Studienreise 1801-03 in
Italien auf, ging hierauf nach Wien und zum
zweitenmal nach Italien, wo er 1804-05 mit E.
von Förster Aufnahmen und Vermessungen der Ne-
naissance-Bauwerke Toscanas machte, die in dem
Werk "Palastarchitektur von Oberitalien und Tos-
cana" von Raschdorff (Berl. 1883) publiziert sind.
Nach einem halbjährigen Aufenthalt in Paris wurde
er 1866 als Professor an die Vaugewerkschule nach
Stuttgart berufen. In den Sommermonaten der
I. 1807 - 69 hielt er sich abermals in Italien auf,
mit Anfertigung von Aquarellen (Grabdenkmäler
der Renaissance) für die Grunde! 8oci6t^ in London
befchäftigt, worauf er 1870 zum Professor der Archi-
tektur am Stuttgarter Polytechnikum ernannt wurde,
welche Stellung er jedoch 1872 wieder aufgab. 1875
unternahm er eine Studienreise nach dem Orient, der
sich 1882 eine weitere nach Spanien und Südfrank-
reich anschloß. G. wurde 1870 zum Direktor der
Kunstgewerbeschule in Nürnberg, 1882 zum Ober-
baurat ernannt. Er starb 19. Nov. 1884 in Nürn-
berg. Zu seinen bedeutendem Schöpfungen gehören:
die Villen Siegle und Conradi, Württembergische
Vereinsbank und Kriegerdenkmal für 1870/71 in
Stuttgart, Villa Engelhorn in Mannheim, Palais
von Cramer-Klctt in München, Palast der bayr.
Landesausstellung zu Nüruberg 1882 (s. Tafel:
Ausstellungsgebäude II, Fig. 5), der 1880
vollendete Mendebrunncn zu Leipzig (s. Tafel:
Brunnen II, Fig. 3. Die Erzfiguren sind von
Ungerer in München). G. war in feiner Architektur !
ein Anhänger einer kräftigen Hochrenaissance, wo- ^
bei er neben Kühuheit im Entwurf eine reiche Phan- ^
tasie im einzelnen entwickelte. Mit Bruno Bücher
gab er die Zeitschrift "Das Kunsthandwcrk" (Stuttg. !
1874-70) heraus. !
Gneditsch, Nikolai Iwanowitsch, russ. Dichter,
qcb. 2. Febr. (22. Jan.) 1784 zu Poltawa, erhielt
seine Bildung im dortigen Seminar und im Char-
kowschen Kollegium. Von 1800 bis 1803 studierte
er zu Moskau, 1803-17 diente er im Unterrichts-
ministerium, mußte aber wegen körperlicher Leiden
diese Stellung aufgeben. Er starb 3. Febr. (22. Jan.)
1833 in Petersburg. Berühmt wurde G. durch seine
Übersetzung derIliade in russ. .Herametern (Petersb.
1829; 3. Aufl. 1802). Von seinen übrigen Arbeiten
sind zu nennen: die Übersetzung von Shakespeares
"I^ear" und von Voltaires "^nci'cä" sowie das
originelle Gedicht "IvoZäeni^ Ilomoi-a" ("Die Ge-
burt Homers"), die "I>1'08t0N5r0än)^ p^8Iii N^N^-
nicii 6i'6kov" (Petersb. 1820: "Volkslieder der
modernen Griechen", Original und Übersetzung) und
die Idylle "15)Im1ii" ("Die Fischer").
Gneis (Gneiß, Gneus), ein krystallinisch-
schieferiges Gemenge aus (monoklinem und trikli-
nem) Feldspat, Quarz und (dunklem und hellem)
Glimmer. Dieses Gestein unterscheidet sich mit Be-
zug auf die Mineralog.Zusammensetzung vom Granit
nur durch sein schiefcriges oder flascriges Gcfüge.
Man kennt jedoch sehr viele Varietäten des G. je nach
dem Vorherrschen des einen oder des andern Gemeng-
teils, der besondern Art der Textur, der allgemeinen
Färbung u.s.w. Treten große, meist als Zwillinge
Mikroperthit) aus demGneisgemengc hervor, so ent-
steht ein porphyrartiger G.; schmiegen sich die Glim-
merschuppcn um linsenförmige Feldspate herum, so
geht derAugcngnei s (s. d.) hervor. Neben den aus-
gezeichnet schieferigen Ausbildungswcism giebt es
andere, geologisch von diesen untrennbare, die bei
gleicher Mineralog. Konstitution völlig richtungslose
Struktur besitzen und deshalb körniger G. (minder
gut Granitgneis) genannt werden. Im allgemei-
nen pflegt man ganz ebenso wie beim Granit, den
Biotitgneis (g ranen G. im Erzgebirge), Musko -
vitgneis (rotcnG. ebenda), zweiglim m erigen
G. und Hornblendegneis zu unterscheiden, je
nachdem die Feldspate und der Quarz bloß von
dunklem Magnesiaglimmcr, oder bloß von hcllem
Kaliglimmcr^ oder von beiden Glimmern oder von
Hornblende begleitet werden. Auch die Kombination
von Feldspat, Quarz und Pyroxen kehrt hier als
Pyrorengneis (Augitgneis) an einigen Orten
wieder. Vertritt ein talkä'hnliches Mineral den Glim-
mer, so nennt man das Gestein Protogingneis;
aus diesem bestehen z. V. der Montblanc, die
Grimscl und der St. Gotthard zum großen Teil.
Andererseits wird auch der gewöhnliche Glimmer
durch Sericit (Sericitgneis) oder Chlorit ersetzt.
Übergänge bildet der G. in Glimmerschiefer, schie-
fcrigen Syenit und schieferigen Granulit. Der G.
enthält außer seinen wesentlichen Gemengteilen sehr
oft auch noch andere Mineralien accesforifch, so
namentlich Turmalin, Granat, Andalusit, Cordierit,
Pyrorcn, Graphit, Eisenglanz, Rutil, Zirkon, Apa-
tit u. dgl. Am häufigsten tritt er in Gebirgsgegen-
den auf, die zuweilen, wie z. B. das Erzgebirge, vor-
herrschend aus ihm und aus Glimmerschiefer be-
stehen. Oft wird er von Erzgängcn durchfetzt. Neich
sind die G. aller Länder an oft umfangreichen Ein-
lagerungen fremder krystallinischer Gesteine, wie
Quarzit, Hornblendeschiefor, körniger Kalkstein,
Chloritfchiefer, Serpentin, Graphit, Echnlirgel; auch
die Magneteiscnvorkommnisfe der Skandinavischen
Halbinsel lagern vorwiegend im G. Der G. ist eins
der ältesten Gesteine der Erde, ein Glied der azoischen
Formation, weshalb man auch früher, wiewohl mit
Unrecht, in ihm die anfängliche Erstarrungskruste
der Erde zu erblicken geneigt war. Viel wahrschein-
licher ist es, daß der G. den krystallinisch umgewan-
delten Thonschiefer- und Grauwackeschlamm dar-
stellt, der sich als Absatz auf dem Boden der aller-
ältesten Meere bildete. Aucy können wohl Granite
durch den Gedirgsdruck eiue schieferige Umformung
erfahren und dem G. ähnlich werden. Der Name
stammt von Freibcrg, wo die Bergleute ursprünglich
nur das mürbe zersetzte und anscheinend verfaulte
Nebengestein ihrer Gänge G. nannten (vielleicht von
Lnisck im Wendischen, Fnio im Polnischen, d. i.
faulen), eine Bezeichnung, die später auf das frische
Gestein übertragen wurde.
Gneisenau, Aug., Graf Neithardt von, preuß.
! Gencralfcldmarfchall, geb. 27. Okt. 1700 zu Schilda
! in der preuß. Provinz Sachsen, war der Sohn eines
sächs. Artillericlieutenants von Neithardt aus einer
! alten österr. Familie. Seine Mutter starb bald,
während der Vater bei der Reichsarmee gegen
Preußen im Felde stand. Der Knabe wuchs in
! Schilda in den ärmlichsten Verhältnissen auf, bis
^ ihn in seinem neunten Jahr sein mütterlicher Groß-
^ vater nach Würzburg zu sich nahm und ihn in der
^ dortigen Iesuitenschule unterrichten ließ. Nach dem
' Tode'des Großvaters kehrte G. 1772 ins väterliche
Haus nach Erfurt zurück, besuchte 1777 die dortige
Universität, trat 1779 in ein zu Erfurt stehendes
östcrr. Regiment ein, 1780 aber in den Dienst des