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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gnetum - Gnosis
schieden. Von ganz abnormer Gestalt ist die in Afrika
einheimische ^V^vitLeliia. (s. d.); andere ähneln in
ihren Formen den Schachtelhalmen, wieder andere
sind kletternde Sträucher mit lederartigen Blättern.
<5nstuni !>., Pflanzengattung aus der Familie
der Gnetaceen (s. d.) mit etwa 15 Arten, meist im
tropischen Asien und Amerika. Es sind kletternde
Sträucher, seltenerBäume mit lcderartigenBlättern
und einhäusigen, verschieden gruppierten Blüten.
Von der in Ostindien einheimischen Art, O. ^ne-
in0Q ^,., einem Baume mit gegliederten Ästen, wer-
den sowohl die jungen Blätter wie die Blüten und
Früchte gegessen, weshalb er auch vielfach auf den
Inseln des ostind. Archipels kultiviert wird. Die Fa-
sern dieser Art sowie von (^. luuicniln-e I)?. (Java,
Molukken, Cochinchina) dienen als Gespinstmaterial.
Gneus, s. Gneis. l(s- d.).
Gnözda (fpr. gnehs-), ungar. Name von Kniefen
Gnidos (Gnidus), tleinasiat. Stadt, s. Knidos.
Gniewkowo oder Gnifkow, Stadt, s. Ar-
Gnoien, Stadt, s. Gnoyen. sgenau.
Gnomen (grch.), kurze Sinnsprüche, die eine all-
gemeine Bemerkung, Erfahrung, eine Regel oder
einen Grundsatz cuthalten. Solche finden sich in
gebundener und ungebundener Nede in vielen Litte-
raturen (bei den Hebräern, Indern, Persern, Ara-
bern, Skandinaviern u. a.). In Griechenland blühte
besonders im 6. Jahrh. v. Chr. eine reiche gno-
misch e P o e s i e. G. wurden in elegischen Distichen
vorgetragen und so dem Gedächtnis überliefert.
Die berühmtesten Gnomcndichter waren Solon,
Theognis und Pholylides. Aber auch außerdem ist
die griech. Litteratur von Homer und Hesiod ab reich
an G. Eine größere Anzahl ist durch eigene Samm-
lungen überliefert, hg. von Orelli: "OpnLcnIa, 6i'^6-
coi'uin votoi'um 86M6ntio3a, et M0i'a.1ia", mit lat.
Übersetzung (2 Tle., Lpz. 1819-21). (S. Gnomo-
logium.) Aus der ro'm. Litteratur ist namentlich die
im 3. oder 4. Jahrh, angefertigte Sammlung der
"Diäticda" des sog. Dionysius Cato (s. d.) hervor-
zuheben. Zu den" G. gehören auch die deutschen
Priameln (s. d.). - Gnomiker, Gnomcndichter;
Gnomolog, Gnoniensammlcr.
Gnomen, eine im 18. Jahrh, aufgekommene,
dem Französischen (^uome) entlehnte Bezeichnung
für die oft Schätze bewachenden Erd- und Berggeister.
Die antike Mythologie kennt ebensowenig als die
deutsche diesen Namen, dessen Etymologie noch dllnkcl
ist. Wenn er von neuern Schriftstellern für die unter-
geordneten elementaren göttlichen Wesen der Grie-
chen, Italiener und Germanen gebraucht wird, so
geschieht dies ohne geschichtliche Berechtigung.
Gnomologlum (grch.), Sammlung von Gnomen
(s. d.) aus mündlicher Überlieferung oder aus be-
rühmten Schriftstellern. Ein G. verfaßten z. V.
Favorinus im 2. Jahrh. u. Chr., Orion im 5.,
Joannes Damascenus im 10. Vgl. Wachsmuth,
Studien zu den gricch. Florilegicn (Berl. 1882);
Sternbach, Do Fnoinolo^io Vatic^uo iiikäito (in
den "Wiener Studien", 9. u. 10. Jahrg., Wien
1887-88). (S. Anthologie.) Es giebt auch eine
Sammlung von Witzworten u. d. T. "i'IliloFelöL",
vermutlich aus dem 5. Jahrh. - Vgl. I1i"roc1i3 6t
I>1ii1lN'F^lii lac6tia6 (hg. von Eberhard, Berl. 1869).
Gnomon (grch.), wohl das älteste und einfachste
astron. Meßinstrument, besteht aus einer senkrechten
Säule, deren Schatten auf eine horizontale Ebene
fällt. Aus der Länge des Schattens ist auf einfache
Weife die Höhe der Sonne über dem Horizont zu
ermitteln. Der kürzeste Schatten gehört der Mit-
tagshöhe an. Hat man durch Beobachtung gleicher
Schattenlängen vor und nach dem Mittag zur Zeit
der Solstitien, wenn die Sonne ihre Deklination
nicht ändert, die Richtung der Mittagslinie er-
mittelt, so bestimmt man mittels des G. die Zeit des
wahren Mittags durch Beobachtung des Moments,
wenn der Schatten der Säule genau in die Mittags-
linie fällt. Das G. ist sonach auch als Sonnenuhr
einfachster Art anzusehen. Die alten Astronomen
bestimmten mit Hilfe dcs G. die Länge des Jahres
und die Schiefe der Ekliptik. (S. Sonnenuhr.)
Gnomonik (grch.), die Lehre von der Konstruk-
tion der Sonnenuhr (s.d.). Theorie (s. d.).
Gnoseologie (grch.), soviel wie Erkenntnis-
Gnosis (grch.), Erkenntnis; Gnostiker, einer,
der diese Erkenntnis besitzt. Gnosticis mu s, eine
unter den Christen des 2. Jahrh, weitverbreitete
Richtung, die über den einfachen Gemeiudcglauben
erhaben und der G. oder eines tiefern Verständ-
nisses des Christentums teilhast zu sein behauptete.
Schon in der Jüdisch-Alexandrinischen Religions-
philosophie hieß G. ein tieferes Verständnis der
Bibel, das hinter dem einfachen Wortsinn die höch-
sten philos. Wahrheiten erkenne. Auch manche
altchristl. Schriften, besonders die paulinischcn,
brauchen das Wort G. zur Bezeichnung der Kunst,
das Alte Testament christlich auszudeuten. Bald
erweiterte sich in christl. Kreisen die Bedeutung des
Wortes in der erstgenannten Art. Für alle religiöse
Überlieferung, besonders sür Perion und Predigt
Christi, sollte es ein höheres, nur den Eingeweihten
zugängliches Verständnis geben. Als die christl.
Verkündigung in der schlichten Form der evang.
Erzählung auftrat, waren viele zum Christentum
Bekehrte hiervon nicht befriedigt. Ihr religiöser Ge-
schmack war verwöhnt durch die damals weit ver-
breitete Art, in allen religiösen, besonders den
mytholog. Überlieferungen Offenbarungen zu sehen,
durch die, sobald man sie nur richtig verstehe, die
philos. Lehren eine höhere göttliche Vestätiguug
empfingen. Schon Plato hatte andererseits den
philos. Mythus durch die Methode eingeführt,
schwierige Punkte seines Systems durch Erdichtung
überirdischer und vorzeitlicher Vorgänge verständ-
lich zu machen. Beides, philos. Ausdeutung über-
kommener Mythologie und die freie yhilos.Dichtuug
gingen seitdem in der spätern, religiös gestimmten
griech. Philosophie Hand in Hand, und vor allem
bestand das vielvcrbreitete Mysterienwesen in solcher
Vermischung von Mythologie und Philosophie.
Das Christentum erschien in hohem Grade ge-
eignet für eine solche Behandlung. Sein groß-
artiger Ideengehalt machte auf viele den tiefsten
Eindruck, aber die schlichte Form der biblischen Ge-
schichte stieß ab. Um ihre Bevorzugung jenes Ideen-
gehaltes vor demjenigen jeder andern Religion, be-
sonders aucb der jüdischen, zu rechtfertigen, bemühten
sich eine Reihe geistvoller, aber phantastischer Män-
ner, eine den Bedürfnissen ihrer Kreise entsprechende
Form dafür zu finden. Die christl. Grundideen
wurden als neu und original aufs lebhafteste er-
griffen, vor allem die dem heidn. Altertum fremde
Idee einer zweckvollen, auf die Erlösung der ganzen
Endlichkeit hinauslaufenden Welt- und Menschheits-
entwicklung. Aber diese christl. Grundidee schien
nur in Vorgängen von den größten Dimensionen
verwirklicht sein zu können. Hier mußte nun die Kunst
philos. Mythendeutuug und Mytheudichtung mächtig !