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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Godet; Godetĭa; Godhavn; Godibert; Godin; Göding

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Godet - Göding

von Herzog Ferdinand von Bayern eingenommen und teilweise gesprengt. Später zerstörten es die Franzosen fast gänzlich; nur der 30 m hohe, um 1340 vom Kölner Erzbischof Walram von Jülich erbaute Schloßturm ist unversehrt. – Vgl. Langewiesche, G. und seine Umgebungen (Godesberg 1874); Brockhaus, Die Godesberger Stahlquelle (in der «Deutschen mediz. Wochenschrift» 1982, VIII); Schwann, G., Luft- und Badeort bei Bonn am Rhein, gegenüber dem Siebengebirge. Mit Abbildungen und Karte (Bonn 1888).

Godet (spr. -deh), Frédéric Louis, reformierter schweiz. Theolog, geb. 25. Okt. 1812 zu Neuchâtel, studierte daselbst, in Bonn und Berlin, namentlich unter Neander, war 1836‒38 Vikar in Valengin bei Neuchâtel und wurde 1838 als Lehrer des Prinzen Friedrich Wilhelm (des spätern Kaisers Friedrich Ⅲ.) nach Berlin berufen. Nach Neuchâtel zurückgekehrt, wurde er 1845 Hilfsprediger in Val-de-Ruz, 1850 Professor der Theologie an der Fakultät der Nationalkirche in Neuchâtel, wo er von 1851 bis 1866 zugleich ein Pfarramt verwaltete. 1873 trat er aus der Staatskirche aus und wurde als einer der Begründer der freien, vom Staate unabhängigen «evang. Kirche Neuchâtels» nunmehr Professor an der freien theol. Fakultät in feiner Vaterstadt; 1887 trat er in den Ruhestand. G. ist der bedeutendste Vertreter der strenggläubigen Richtung in der franz. Schweiz und hat sich als Verteidiger des Ansehens des Neuen Testaments und als Förderer der Sonntagsheiligung große Verdienste erworben. Seine Hauptschriften sind: «Histoire de la réformation et du refuge dans le pays de Neuchâtel» (Neuchâtel 1859),«Commentaire sur l’évangile de St.-Jean» (2 Bde., Par. 1863‒65; 3. Aufl. 1881‒88), «Commentaire sur l’evangile de St.-Luc» (2 Bde., Neuchâtel 1871; 3.Aufl.1889),«Commentaire sur l’épître aux Romains») (2 Bde., Par. u. Neuchâtel 1879‒80; 2. Aufl. 1883‒90), «Commentaire sur la 1<sup>re</sup> épître aux Corinthiens» (2 Bde., Neuchâtel 1886‒87), «Conférences apologétiques» (Neuchâtel u. Par. 1869), «Études bibliques» (2 Bde., ebd. 1873‒74; 4. Aufl. 1889). Die Mehrzahl dieser Werke ist in deutschen, vom Verfasser autorisierten Ausgaben erschienen, sowie in andere Sprachen übersetzt. Unter G.s Leitung erscheint in Neuchâtel die «Bible annotée», ein populärer Kommentar.

Godet (spr. -deh), Philippe Ernest, Sohn des vorigen, schweiz. Dichter und Literarhistoriker, geb. 23. April 1850 zu Neuchâtel, studierte 1868‒73 Rechtswissenschaft in Basel, Berlin und Neuchâtel und arbeitete zunächst 6 Jahre als Rechtsanwalt in seiner Vaterstadt. 1881‒84 war er als Redacteur der «Suisse libérale» thätig und wandte sich sodann ganz litterar. Studien zu. Gegenwärtig wirkt er als Professor der Litteratur an der Faculté des lettres und an der höhern Töchterschule Neuchâtels. Daneben ist er thätig als Mitarbeiter bedeutender Tagesblätter und Zeitschriften. Seine bedeutendsten Werke sind: «Premières poésies» (1873), «Le cœur et les yeux, poésies» (1882; 2. Aufl. 1885), «Les réalités, poésies» (1. u. 2. Aufl. 1887), «Scripta manent, causeries à propos de la collection d’autographes de Bovet» (1887), «Études et causeries» (1889), «Histoire littéraire de la Suisse française» (1890; von der franz. Akademie preisgekrönt), «Pierre Viret, étude sur le réformateur vaudois» (1892), «Art et patrie, Auguste Bachelin d’après son œuvre et sa correspondance» (1893). Außerdem hat er unter der Bezeichnung «Au delà» die Gedichte der Alice de Chambrier veröffentlicht (1884; 5. Aufl. 1892); ebenso die «Poésies» des freiburgschen Dichters Etienne Eggis (1886) und die «Poésies» des waadtländischen Dichters Ernest Bussy (1888), wobei er diese drei Werke mit biogr. und litterar. Einleitung versah. ^[Spaltenwechsel]

Godetĭa, s. Oenothera.

Godhavn (spr. -haun), Hauptort des Nördlichen Inspektorats der dän. Kolonie Grönland, an der Bai von G., an der Südseite der Insel Disko unter 69° 14’ nördl. Br. gelegen, hat 213 E., darunter 8 Europäer, verhältnismäßig ertragreiche Gärten und ist seit Ende des 18. Jahrh. Sammelplatz der Walfischfänger und Nordpolfahrer.

Godibert (Godipert), König der Langobarden 661, Sohn des Aripert, der das Reich unter seine beiden Söhne teilte. Von diesen nahm G. den Sitz zu Pavia, Pertari zu Mailand. G. wurde 662 ermordet und Pertari verjagt. G.s Sohn Raginpert wurde 701 König, starb aber in demselben Jahre.

Godin (spr. -däng), Amélie, s. Linz, Amélie.

Godin (spr. -däng), Jean Baptiste André, franz. Socialreformer, geb. 1817 zu Esquehéries (Depart. Aisne), schwang sich vom einfachen Arbeiter zu einem bedeutenden Großindustriellen auf und gründete 1862 zu Guise (Depart. Aisne) den sog. Familistère (s. Phalanstère), einen produktivgenossenschaftlichen Verband von mehrern tausend Arbeitern mit einem Jahresumsatz von 12‒15 Mill. Frs. 1871 wurde er Generalrat, 1875 Mitglied der Nationalversammlung und starb 15. Jan. 1888 zu Guise. Seitdem führte seine Witwe Marie, geborene Moret, die Verwaltung des Familistère in seinem Geiste weiter. Wie Henry George (s. d.) will auch G. das sociale Elend mittels Expropriation der großen Besitztümer durch den Staat beseitigen; aber er geht viel schonender und langsamer vor, indem er durch eine Erbschaftssteuer, von der die kleinen Besitztümer fast ganz befreit bleiben, die großen Vermögen aufzusaugen sucht. Von seinen zahlreichen Werken seien hervorgehoben: «Du crédit public et des valeurs mobilières» (Par. 1858), «Solutions sociales» (ebd. 1871), «Les socialistes et les droits du travail» (ebd. 1874), «La politique du travail et la politique des privilèges» (ebd. 1875), «La richesse du peuple, le familistère» (ebd. 1876), «Mutualité sociale et association du capital et du travail» (ebd. 1880; 2. Aufl., Guise 1891), «La république du travail et la réforme parlementaire» (Par. 1889, aus seinem Nachlasse herausgegeben). – Vgl. Bernardot, Le familistère de Guise et son fondateur J. B. A. G. (Par. 1889); Häntschke, Gewinnbeteiligung der Arbeiter. G. und seine Schöpfung, das Familisterium von Guise (Berl. 1890); Lippert im «Handwörterbuch der Staatswissenschaften», Bd. 4 (Jena 1892).

Göding. 1) Bezirkshauptmannschaft in Mähren, hat 754,65 qkm und (1890) 76119 (36978 männl., 39141 weibl.) E., darunter 1861 Evangelische und 3283 Israeliten, 13047 Häuser und 16915 Wohnparteien in 51 Gemeinden mit 52 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke G., Lundenburg und Straßnitz. – 2) G., Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft G., rechts an der hier schiffbaren March, welche die Grenze gegen Ungarn bildet, an der Linie Krakau-Oderberg-Wien der Kaiser-Ferdinands-Nordbahn und der Zweigbahn G.-Holics (6 km), Hauptort der mähr. Fa-^[folgende Seite]