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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Golf - Golfstrom
und zahlreiche Villen. G. wird seiner gemäßigten ^
Temperatur und seiner Seebäder wegen viel besuchr. !
Golf (engl. (iulf), ein Einschnitt des Meers ins
Land, synonym mit den Bezeichnungen Meerbusen,
Bai ls. d.). Ein G. von größtem Maßstabe wird
als besonderer Mecrcsleil^ als Binnenmeer ange-
sehen. So beißt das Adriatischc Meer auch zuweilen
G. von Venedig, und in Amerika versteht man unter
G. vorzugsweise den Meerbusen von Meriko. Da-
bcr auch die Benennung Golfstrom (s. d.) für die
aus dem letztern bervortretende Meeresströmung.
"Kolskraut, s. Golfstrom (S. I44d).
Golfo Dulcc, Bucht des Großen Oceans, an
der Südwestküste der mittelamcrik. Republik Costa- ^
Rica mit dem guten Ankerplatz Puerto Arenitas.
Golfstrom) älter Florida st r o m, eine nach dem ^
Golf von Meriko benannte Strömung im uördl.
Atlantischen Ocean, die merkwürdigste Wasserströ-
mung der Erde, die für die Nautik und die Entwick- ^
lung unserer Physik. Kenntnis des Oceans von größ-
ler Bedeutung ist. Der G. ist ein fortwährender,
majestätischer Strom warmen Wassers, der reißender
sich bewegt als der Mississippi und Amazonenstrom,
und dessen Ränder und Grund aus kaltem Wasser
bestehen. Nach der seit 1878 durch Vartlett ausge-
sübrten neuen genauen Untersuchung des G. drängt
sicd ein Teil der uördl. Aqaatorialströmung des
Atlantischen Oceans zwischen der Nordküste Süd'
amerikas und der Insel Grenada hindurch- ein viel
größerer Teil aber wird durch die Inseln gezwungen,
eine nördlichere Richtung zwischen Barbados und
den Grenadinen einzuschlagen. Ein Teil des ans
solche Weise in das (nach Valcher) mit einer Ober-
fläckcntempcratur von 30" ('. versehene Karibische
Meer gelangten Wassers tritt zwischen Guadeloupe
und Haiti wieder heraus und zwar mit erhöhter
Temperatur. Ferner geht eine bedeutende Menge
zwischen den Vahamabänken und Haiti nach Westen
und gelangt durch die Windwardspassage in den
Westteil des Karibischen Meers, während wieder ein
anderer Teil den Weg längs der Nordküste von
Cuba bis znr Floridastraße "fortsetzt. Nachdem die
Strömuug aus dem Karibischen Meer in den Golf
von Meriko eingetreten ist, läuft sie nordwärts und
ostwärts in derselben allgemeinen Richtung wie das
^)ucatanplateau und tritt durch die Floridastrahe
mit Verstärkungen hinaus, wie ihr solche aus dem
Kanal zwischen Cuba und den Vahamabänken zu-
strömen. Im nördl. Teile der Straße ist das Wasser
säst unbewegt, nur im südlichen läuft der G.', somit
ist er lu'er, bei seiner größten Kraft, nur 64 km breit,
und die obere sich bewegende Schicht, im Juni und
Juli an der Oberfläche im Maximuni 28,3° 0. warm,
scheint nur ein Drittel der ganzen Tiefe zu sein.
Der Strom wendet sich dann, von den Bahama-
Inscln zurückgeworfen, zwischen diesen und der Halb-
insel Florida nordwärts und ist hier in den Engen
(nai'1-o^vs) zwischen Kap Florida und den Vimini-
Inseln, wo der Ramn auf 75 km beschränkt wird, so
zusammengepreßt, daß sich die Geschwindigkeit der
Strömung in gewissen Monaten auf 7,5 km in der
Stunde (fast 2,i m in der Sekunde) steigert, während
sie im Durchschnitt 4,5 km in der Stunde beträgt.
Am Austritt aus der Straße, in 27° nördl. Br.,
zwischen Jupiter-Inlet an der Floridaküste und
Memory-Rock auf der kleinen Vahamabank, beträgt
die Breite 77 km, die größte Tiefe 800in. Der Strom
folgt nunmehr im allgemeinen der Küste von Nord-
amerika, von derselben immer durcb einen Streifen
kalten Wassers lder kalten Mauer) geschieden. Auf
der Höhe von Charleston, wo er teils infolge der ver-
änderten Küstenrichtung, teils infolge der Erdrotation
in eine nordöstl. Richtung übergegangen ist, nimmt
die bis dahin verminderte Geschwindigkeit plötzlich
wieder zu, was auf der Höhe vom Kap Hatteras
abermals gcfchieht, nachdem er hier über die von N.
kommende Labradorströmung fortgeflosfen ist. Die
Vreite wechselt von 50 zu 80 bis 1(i0 km; Schnellig-
keit und Temperatur sind beträchtlicher in der Mitte
als in den seitlichen Teilen. Im Durchschnitt ma^
die Strömung 4 km in der Stunde betragen, an
einigen Stellen erreicht sie 8 km.
Bis hierher ist der G. überhaupt durch seine Tem-
peratur und seine tiefblaue Indigofarbe, die den
vom Mississippi zngeführtcn seinen Schlammteilen
zugeschrieben wird, so scharf vom Wasser des Oceans
geschieden, daß man die Grenze mit dem Auge er-
^ tennen kann. Da, wo er mit dem arktischen Strome
zusammentrifft, find die Gegensätze so scharf, das;
ein Schiff, welches die Grenze quer durchschneidet,
zu gleicher Zeit am Bug 21, am Heck 4,4° 0. Ober-
flächen-Wassertcmperatur messen kann. Jenseit Kav
Hatteras, wo die Küstenlinie wieder mebr nordwärts
sireicht, wendet sich ein linker Arm des G. ebendahin,
bis endlich dergesammteG.in dcrVreitcvonNeuvork
infolge der vorliegenden Nantucket-, Georges- und
Neufundlandsbank eine fast östl. Richtnng annimmt,
wobei er allmählich an Geschwindigkeit, Tiefe und
Wärme verliert. Nur vor dem Ostcnde der Neufund-
landsbank wird seine Geschwindigkeit, namentlich in
den ersten Monaten des Jahres, durch das Andringen
der arktischen Strömung fast auf die alte Höhe ge-
steigert. Die Abnahme der Temperatur ist nach Car-
penter folgende: in der Floridastraße hat im Winter
das Wasser 25/ 0.,in 33° nördl.Ar. 23,9°, in 35°nördl.
Br. 22,25°, in 40" nördl. Br. 19,45°, in 42° nördl.
Br. 10,65° d Die ganze ausgeströmte Wassermasse
hat nach Findlay in 40° nördl. Br. 180, bei Neu-
^ fundland nur (iO m Mächtigkeit, und wo der Strom
am weitesten nach O., im 47. westl. Meridian von
Grccnwich, noch erkennbar ist, hat er einen Tiefen-
durchmesser von 60 m, strömt gerade nach O., und
seine Geschwindigkeit ist der Art, daß er 100 Tage
nötig hat, uni naä) Kap Landsend zu gelangen.
Von hier an ist von seiner Eigentümlichkeit nichts
mehr vorhanden, sondern er ist gänzlich in die
, allgemeine Nordosltrist des Oceans aufgegangen.
Als letzte Ausläufer desfelben betrachtete man den
Nennelstrom und die nordafrit. Strömung. Ersterer
läuft in den Viscayischen Busen; seiner Südküste
folgend, biegt er nordwärts um und ist zuletzt, gegen
die Scilly-Inseln gerichtet, nur noch sehr schwach.
Die nordafrik. Strömung ist ursprünglich der gegen
die Azoren nach Südosten umbiegende Teil, welcher,
gegen die Canarischen Inseln und die Küste von
Marokko gericktet, wegen seiner Herkunft aus höhern
Breiten abkühlend wirkt und weiter südlich in den
'Äquatorial- und den Guineastrom übergeht.
Vergleicht man die bedeutende Abnahme seiner
Temperatur im Winter auf der verhältnismäßig
kurzen Strecke von Florida bis Neuschottland mit
dem langen Wege, den der G. bis zum Ostufer des
Oceans zurückzulegen hat; bedenkt man ferner, daß
mit dem zunehmenden Ausbreiten und Seichter-
werden desselben der abkühlende Einfluß der Lust
immer mehr wächst: so erscheiut es undenkbar, daß
derselbe an den Küsten von Schottland noch einen
mittlern Überschuß der Meerestemperatur über die