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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Goliarden - Golizyn
dem Neubau 1010 steht die Kreuzigungskapelle unter dem Dache der Auferstehungskirche. Sie erhebt sich auf einem 4,5 m hohen Felsblock, dessen Wände senkrecht abgehauen sind, dessen Riß durch das Erdbeben bei dem Tode Christi (Matth. 27,52) entstanden sein soll und an dessen Westseite unten das Grab Adams gezeigt wird.
Goliárden nannten sich die fahrenden Kleriker des 11. und 12. Jahrh., mit einem roman. Worte, das wohl "Landstreicher" bedeutet; die G. sahen sich als eine Art profanen Ordens an, an dessen Spitze ein röm. Bischof oder Schutzpatron Golias stehe, bei dem man etwa an den Riesen Goliath dachte.
Golĭath, ein philistäischer Riese aus Gath, von dessen Zweikampfe mit David im ersten Buche Samuelis (Kap. 17) berichtet wird. Als das Heer der Philister in Judäa eingefallen war und zwischen Socho und Aseka sich gelagert hatte, trat G., dem die Erzählung eine Länge von 6½ Ellen und ein 5000 Sekel schweres Panzerhemd zuschreibt, vor die Front und forderte einen der Israeliten zum Zweikampf heraus. Nur David wagte den Kampf, bewaffnet mit Hirtenstab und Schleuder nebst fünf glatten Steinen, und traf mit einem der letztern die Stirn des prahlenden Riesen, der zu Boden sank und von David enthauptet wurde. Hierauf flohen die Philister und wurden bis Ekron verfolgt. Diese Erzählung, die vielfach Dichter und Künstler angezogen hat, ist eine unhistor. Legende. G. aus Gath ist nicht unter König Saul durch David, sondern erst unter König David durch Elchanan aus Bethlehem erschlagen worden (vgl. 2 Sam. 21,19).
Golĭathkäfer (Goliāthus), Gattung der Blatthornkäfer aus der Familie der Rosenkäfer (s. d.) mit vier Arten im tropischen Afrika, die zu den größten überhaupt bekannten Käfern gehören. Goliathus regius Gor. et Perch. (s. Tafel: Käfer I, Fig. 15) bewohnt die Sierra Leone.
Golĭathreiher, s. Reiher.
Golĭathschienen, s. Eisenbahnbau (Bd. 5, S. 837 b).
Goltzyn oder Galizyn, auch Galizin, Galitzin, Gallitzin, fürstl. Familie in Rußland, leitet ihren Ursprung von dem litauischen Fürsten Gedimin, dem Stammvater der Jagellonen, ab. Die Fürsten Michail und Dmitrij G. waren russ. Heerführer unter dem Großfürsten von Moskau, Wassilij IV., und wurden von den Polen in der Schlacht bei Orscha 1514 gefangen genommen; Dmitrij starb in der Gefangenschaft, während Michail erst 1552 freigegeben wurde. - Der Urenkel Michails, Wassilij G., gehörte nach dem Tode des falschen Demetrius 1613 zu den vier russ. Kronprätendenten. Um dem poln. Prinzen Wladislaw seine Erhebung zum Zaren zu verkünden nach Smolensk entsendet, wurde er von den Polen des Verrats angeklagt und bis an seinen Tod (1619) eingekerkert. - Des letztern Großneffe, Wassilis Wassiljewitsch G., mit dem Beinamen der große G., geb. 1633, war Günstling der Zarewna Sophia, Schwester Peters d. Gr., unterdrückte 1632 den Aufstand der Strelitzen und ward Großsiegelbewahrer. Auch war er ein Förderer der Künste und Wissenschaften sowie der Jesuiten. Als seine Absicht, sich mit Sophia zu verheiraten und den russ. Thron zu teilen, mißglückte, wurde G. 1689 nach Sibirien verbannt, wo er 13. März 1713 starb.
Von des letztern Vettern war der eine, Boris G., geb. 1641, gest. 10. Okt. 1710, Peters Erzieher und einer der Reichsverweser während Peters erster Reise ins Ausland; der andere, Dmitrij G., ein ausgezeichneter Staatsmann, Gesandter in Konstantinopel und in Wien, 1713-19 Generalgouverneur des eben eroberten Livland, dann Direktor der Finanzen des Reichs und zuletzt Haupt der oligarchisch-aristokratischen Partei der G. und Dolgorukij, die beim Tode Peters II. der kaiserl. Macht Schranken setzen und eine der schwedischen nachgebildete Verfassung einführen wollte. Als der Plan aber fehlschlug, wurden beide Familien verbannt, und Dmitrij selbst endete im Kerker zu Schlüsselburg 1738. - Sein Bruder, Michail G., geb. 11. Nov. 1674, einer der berühmtesten Feldherren Rußlands, that sich bei der Erstürmung Narwas, in der Schlacht bei Ljesnaja, wo er den General Lewenhaupt schlug, und bei Poltawa (1709) hervor. Am berühmtesten jedoch wurde er 1714 durch die Eroberung von Finland, dessen Gouverneur er bis 1721 war. 1724 wurde er zum Feldmarschall, 1730 von der Kaiserin Anna zum Präsidenten des Kriegskollegiums ernannt und starb 21. Dez. 1730 in Moskau. Ihm zu Ehren erhielt 1891 das 9. russ. Altingermansche Infanterieregiment seinen Namen. - Von dessen Söhnen machte sich der eine, Feldmarschall Alexander G., geb. 17. Nov. 1718, gest. 23. Okt. 1783, durch die Eroberung von Chotin in der Moldau 1769 bekannt; nach ihm wurde das 69. russ. Rjasansche Infanterieregiment benannt. Der andere, Dmitrij, geb. 15. Mai 1721, ein ausgezeichneter Diplomat, war über 20 Jahre hindurch russ. Gesandter zu Wien, wo er 30. Sept. 1793 starb und auf dem nach ihm benannten Galizynsberge beerdigt wurde. - Dmitrij Alexejewitsch G., geb. 21. Dez. 1738, gest. 21. März 1803 zu Braunschweig, war unter Katharina II. Gesandter in Paris und im Haag, ein Freund Voltaires und der Encyklopädisten, und schrieb u. a. "Description physique de la Tauride" (Haag 1788).
Des letztern Gemahlin Amalie, Fürstin Gallitzin, geb. 28. Aug. 1748 zu Berlin, Tochter des preuß. Generals Grafen von Schmettau, verlebte einen Teil ihrer Jugend am Hofe des Prinzen Ferdinand von Preußen, Bruders Friedrichs II. In Münster versammelte sie einen Kreis von Dichtern und Gelehrten um sich, darunter Fürstenberg, Goethe, Jacobi, besonders Hemsterhuis und Hamann. Sie ist die Diotima, an welche Hemsterhuis unter dem Namen Diokles seine "Lettre sur l’athéisme" (1785) richtete; Hamann starb in ihrem Hause und fand seine Ruhestätte in ihrem Garten zu Münster. Sie veranlaßte hauptsächlich den übertritt des Grafen Friedrich von Stolberg zum Katholicismus und rief jenes Schwärmen in religiösen Gefühlen hervor, die Voß ("Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier?" in "Sophronizon" 1819) so scharf beurteilte. Sie starb 24. Aug. 1806 zu Angelmode bei Münster. - Vgl. Katerkamp, Denkwürdigkeiten aus dem Leben der Fürstin Amalie von G. (Münst. 1828); Mitteilungen aus dem Tagebuche der Fürstin Amalie von G. (Stuttg. 1868); Briefwechsel und Tagebücher der Fürstin Amalie von G. (3 Bde., Münst. 1874-76); Galland, Die Fürstin Amalie von G. und ihre Freunde (Köln 1880). - Ihr Sohn, Dmitrij G., geb. 22. Dez. 1770 im Haag, ging als kath. Missionar nach den Vereinigten Staaten von Amerika, wo er in der von ihm gegründeten Stadt Loretto in Pennsylvanien 6. Mai 1840 starb.
Alexander Nikolajowitsch G., geb. 1774, Jugendfreund Kaiser Alexanders I., wurde 1803