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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gorschi - Gortschakow
Gorschi, ruma'n. Kreis, s. Gorjiu.
Vorssüa, s. Barden.
Gorton lspr. gohrt'n), Stadt in der engl. Graf-
schaft Lancaster, 6 Km im OSO. von Manchester,
am Ltockport-Kanal und an der Eisenbahn Man-
chester-Sheffield-Oldham, hat (1891) 15413 E.,
Baumwoll-, Chemikalien- und Stärkefabriken.
Gortfchakow, russ. Fürstenfamilie, welche durch
den heil. Michael von Tschernigow (ermordet 1246)
von Rurik und Wladimir d. Gr. abstammt.
Peter G., Woiwode von Smolensk, verteidigte
mit dem Bojaren Sche'in diese Stadt 1609 -11
gegen Sigismund III. von Polen, bis sie von die-
sem mit Sturm erobert wurde. - Alexander G.,
russ. General, geb. 1764, diente unter seinem Oheim
Suworow in der Türkei und Polen, zeichnete sich
beim Sturm von Praga aus und ward 1798
Generallieutenant. Im Feldzuge 1799 nahm er
unter Korsakow an der Schlacht von Zürich teil,
wurde dann Militärgouverneur von Wiborg, führte
1807 unter Bennigsen ein Korps, mit dem er den
Marschall Lannes bei Heilsberg zurückwarf. Bei
Friedland befehligte G. den rechten Flügel. Er
ward 1812 an Stelle Barclay de Tollys Dirigent
des Kriegsministeriums, 1814 Mitglied des Reichs-
rats und starb 1825 in Petersburg. - Fürst An-
drej Iwanowitsch G., geb. 1768, kämpfte 1799
als Generalmajor unter Suworow in Italien, be-
fehligte 1812 eine Grenadierdivision und wurde bei
Borodino verwundet. In den Fcldzügen 1813 und
1814 that er sich namentlich in den Schlachten von
Leipzig und Paris hervor. Er starb 27. Febr. 1855
in Moskau.
Peter Dmitrijewitsch G., russ. General, geb.
1790, machte die Feldzügs gegen Napoleon in
Deutschland und Frankreich mit, focht dann im
Kaukasus, schlug im Russisch-Türkischen Krieg 1828
- 29 als Commandeur einer Infanteriedivision
ein türk. Korps bei Aidos und schloß die Prälimi-
narien des Vertrags von Adrianopel ab. 1843-51
war er Generalgouverneur von Westsibiricn. Im
Orientkrieg focht er an der Spitze des 6. Armee-
korps in den Schlachten an der Alma und bei In-
kerman. 1855 zum Mitglied des Roichsrats er-
nannt, starb er 18. März 1868 in Moskau.
Michail Dmitrijewitsch G., russ. General der
Artillerie, Bruder des vorigen, geb. 1795, zeichnete
sich in den Kriegen von 1812 bis 1814 aus, nahm
im Russisch-Türkischen Krieg von 1828 und 1829
an der Einnahme von Silistria und an der Blockade
von Schumla teil, im poln. Feldzug 1831 als
Stabschef Pahlens an den Schlachten bei Grochow
und Ostrolenka und an der Erstürmung Warschaus.
1846 ward er Militärgouverneur von Polen. 1849
nahm er am ungar. Feldzug teil. Zu Beginn des
Krimkricges war G. Kommandant der Occupations-
armee in der Walachei, 1855 Oberbefehlshaber in
der Krim, die er dadurch für Rußland rettete, daß
er sich nach tapferer Verteidigung Sewastopols
nördlich der Stadt bis zum Friedensschluß hielt.
1856 wurde er Statthalter von Polen und starb
als solcher 30. Mai 1861 in Warschau.
Gortschakow, Alexander Michailowitsch, russ.
Staatsmann, Vetter von Peter und Michail G.,
geb. 16. Juli 1798, war Zögling des Lyceums in
Zarskoje-^elo und dort Studiengenosse des Dichters
Puschkin. Er betrat 1817 die diplomat. Laufbahn,
wohnte als Attache' des Grafen Nessclrode den
Kongressen von Laibach und Verona bei, wurde
1824 Legationssekretär in London, 1829 Geschäfts-
träger in Florenz, 1832 Botschaftsrat in Wien und
1841 Gesandter in Stuttgart, wo er die Vermählung
der Großfürstin Olga mit dem Kronprinzen Karl
von Württemberg einleitete. 1850 wurde er mit
Beibehaltung seines bisherigen Postens zum russ.
Bevollmächtigten am Deutschen Bundestag in
Frankfurt ernannt, wo er in nähere Berührung
mit Vismarck kam. In Wien zeichnete er sich als
Gesandter 1854-56 während des Orientalischen
Krieges durch seine diplomat. Geschicklichkeit so aus,
daß Kaiser Alexander II., nach dem Abgang Nessel-
rodes, 15. April 1856 ihn zum Minister der aus-
wärtigen Angelegenheiten erhob. Sein.haß gegen
Österreich ("Österreich ist kein Staat, es ist nur ein
Gouvernement!") und sein berühmtes Wort: "Nuß-
land grollt nicht, es sammelt sich" ("1^ Ku33i6 n<3
douäö pk8, eile 86 i-6cu6i1i6") bildete die Grund-
lage seines polit. Programms für die nächsten
Jahre. Die Durchführung desselben 1856-76 hat
Ruhland wieder- zu einem mächtigen Staate er-
starken lassen. Um eine Annäherung an Frankreich
herbeizuführen, veranstaltete er die Zusammenkunft
Alexanders II. mit Napoleon III. in Stuttgart im
Sept. 1857 und zeigte sich in den ital. Angelegen-
heiton, besonders im Kriege von 1859, möglichst
feindselig gegen die österr. Politik. Beim Ausbruch
des poln. Ausstandes von 1863 wurde Rußland
der Verbündete Preußens, das 8. Febr. 1863 mit
Rußland einen geheimen Vertrag zur Unterdrückung
des poln. Ausstandes schloß.
Daß der 1862 zum Reichs-Vicekanzler erhobene
G. die preuß. Politik auch 1866 und in den folgenden
Jahren unterstützte, war zwar nicht nach dem Ge-
schmack der russ. Nationalpartei, die ihre Hoffnungen
auf die Allianz mit Frankreich gesetzt hatte; aber
seine Popularität erhielt dadurch keine Schwächung,
zumal da er im Herbst 1870 die Niederwerfung
Frankreichs und die Isolierung Englands geschickt
dazu benutzte,, um in einem Rundschreiben vom
31. Okt. die Erklärung abzugeben, daß Rußland
sich an die auf die Neutralität des Schwarzen
Meers bezüglichen Bestimmungen des Pariser
Vertrags von 1856 nicht mehr binden werde. Da
Bismarck seine volle Autorität für die Forderungen
seines Verbündeten einsetzte, so wurde im Vertrag
vom 13. März 1871 von der Pontuskonserenz in
London den Wünschen Rußlands entsprochen. Zur
Belohnung für diesen Erfolg wurde das bisher
"erlauchte" Haus des Fürsten G. zu einem "durch-
lauchtigsten", der höchsten Stufe des russ. Adels,
erhoben. Die Versöhnung mit Österreich wurde auf
der Dreikaiserzusammenkunft in Berlin (Sept. 1872),
der G. beiwohnte, herbeigeführt; jedoch hatte die-
selbe infolge der Orientalischen Frage nicht lange
Bestand. G.s Eitelkeit veranlaßte ihn, bei der 1875
zwischen Deutschland und Frankreich eingetretenen
Spannung, zum Mißvergnügen Visrnarcks, als
unerbetener Friedensstifter aufzutreten. Während
der orient. Krisis 1875-78 entwickelte er besonders
England gegenüber eine große diplomat. Thätig-
keit. Während des Russisch-Türkischen Krieges
verweilte er im Hauptquartier des Kaisers. Nur
ungern willigte er, da Rußland keinen neuen
Krieg unternehmen konnte, in die Berufung des
Berliner Kongresses (s. d.), an dem er selbst als
erster Bevollmächtigter Ruhlands teilnahm, aber
die Verantwortung für die von Rußland zu be-
willigenden Zugeständnisse möglichst von sich ab-