Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

177
Göschel - Göschen (Georg Joachim)
Untergang der Araber in Spanien" (Berl. 1854),
"Al-Ghazalis Leben und Werke" lcbd. 1858), "Die
Kitäb el-awail der Araber" (Halle 1867), und
a.ab seit 1856 die später abgebrochenen "Wissen-
schaftlichen Jahresberichte üver die Morgenland.
Studien" heraus, welche er der Deutschen Mor-
genländischen Gesellschaft zu erstatten hatte und
die in deren Zeitschrift erschienen sind. Sein "Jahr-
buch für Litteraturgeschichte" (Berl. 1865) wurde
später durch das "Archiv für Litteraturgeschichte" er-
setzt, von dem er jedoch nur die beiden ersten Bände
(Lpz. 1870-72) selbst herausgab. Mit Tschischwitz
revidierte und kommentierte er die Grotesche illustrierte
Ausgabe des Shakespeare von Schlegel-Tieck (Berl.
1875), mit Boxberger "Lessings Werke" (ebd. 1875;
2. Aufl. und eine Ausgabe ohne Illustrationen
1882). - Vgl. Richard G. Erinnerungsblätter sür
seine Freunde. Biographie und ausgewählte Auf-
sätze (Halle 1890).
Göschel, Karl Friedr., philos. Schriftsteller, geb.
7. Okt. 1784 zu Langensalza in Thüringen, studierte
die Rechte in Leipzig und liest sich 1807 als Advokat
in seiner Vaterstadt nieder. Er trat 1815 in preuß.
Dienste über, wurde 1818 Oberlandesgerichtsrat in
Naumburg, 1834 Hilfsarbeiter im Justizministerium,
1839 Mitglied des Obercensurkollegiums und 1843
des Oberccnsurgerichts in Berlin. 1845 zum Mit-
glied des Etaatsrats berufen, wurde er noch im
selben Jahre Präsident des Konsistoriums für die
Provinz Sachfen mit dem Range eines Oberpräsi-
denten. Wegen seiner starren Anhänglichkeit an
das Altluthertum wurde er im Juni 1848 entlassen,
lebte einige Zeit zu Halle, dann zu Berlin, sie-
delte aber 1861 nach Naumburg über, wo 22. Sept.
1862 sein Tod erfolgte.
G.s erste Schriften sind: "Chronik der Stadt
Langensalza" (Bd. 1 u. 2, Langens. 1818-20; Bd. 3,
hg. von Hentschel, 1842), "über Goethes Faust" (Lpz.
1824) und "Cäcilius und Octavius, oder Gespräche
über die vornehmsten Einwendungen gegen die
ckristl. Wahrheit" (anonym, Verl. 1828). In den
"Aphorismen über Nichtwissen und absolutes Wissen
im Verhältnis zum christl. Glaubensbekenntnis"
lBerl. 1829) trat er als Verteidiger der Philosophie
Hegels auf und suchte deren Übereinstimmung mit
dem christl. Glauben darzuthun. Es folgten "Der
Monismus des Gedankens" (Naumb. 1832) und
"Hegel und feine Zeit, mit Rücksicht auf Goethe"
lBerl. 1832), worin er auch bei Goethe christl. Ge-
sinnung nachzuweisen suchte. Als Hauptvcrtreter
der sog. rechten Seite der Hegelschen Schule zeigte
er sich in den Schriften: "Von den Beweisen für die
Unsterblichkeit der menschlichen Seele im Limte der
spekulativen Philosophie" (Berl. 1835), "Die sieben-
fältige Osterfrage" (ebd. 1836), "Zerstreute Blätter
aus den Hand- und Hilfsakten eines Juristen"
(3 Bde., Erf. u. Schleusingen 1832-42), "Der Eid
nach seinem Princip, Begriff und Gebrauch"
(Berl. 1837), "Das Partikularrecht im Verhältnis
zum gemeinen Rechte und der iurist. Pantheismus"
(ebd. 1837), "Beiträge zur spekulativen Philosophie
von Gott, dem Menschen und dem Gottmenschen"
(ebd. 1838). Noch veröffentlichte er "Unterhaltungen
zur Schilderung Goethescher Dicht- und Denkweise"
l3 Bde., Schlcusingen 1834-38), "Aus Dante
Alighieris Göttlicher Komödie" (Naumb. 1834),
"Dante Alighieris Unterweisung überWeltschöpfung
und Wcltordnung" (Berl. 1842) und "Die Kon-
tordieusormcl nach ihrer Geschichte, Lehre und kirch-
Vrockhauö' Konvcrsatious-Lexilon. 14. Aufl. VIII.
lichen Bedeutung" (Lpz. 1858). - Vgl. Schmieder,
Karl Friedrich G. (Berl. 1863).
Göschen, Landschaft in Unterägypten, s. Gosen.
Goschen, George Joachim, engl. Staatsmann,
Enkel von Georg Joachim Göschen (s. d.), geb.
10. Aug. 1831 in London, herangebildet in Rugby
und Oxford, trat 1853 als Teilhaber in das Bank-
gefchäft Frühling u. Göfchen ein. Allgemeine Auf-
merkfamkeit erregte er durch sein Buch "Iko tlisoi-^
ok loi-ei^u 6xc1ilMF63" (Lond. 1803; 14. Aufl. 1890;
deutsch, Wien 1876). 1864 wurde er ins Unterbaus
gewühlt, und schon 1865 ernannte ihn Russell zum
Vicepräsidenten des Handelsamtes, Jan. 1866 zum
Kanzler des Herzogtums Lancaster und Kabinetts-
mitglicd. In Gladstones erstem Ministerium von
1868 war G. Vorsitzender des Armenamtcs, in wel-
cher Stellung er mehrere Reformen durchfctzte. Seit
1871 erster Lord der Admiralität, bemühte er sich
um eine Verwaltungsreorganisation. Nach Glad-
stoncs Sturz, Jan. 1874, trat er zur Opposition,
ging jedoch Okt.1876 mit dem Franzosen Ioubert nach
Ltgypten, um dort die Interessen der engl. Gläubi-
ger wahrzunehmen, und entwarf den Plan zu einer
Finanzreform, die die Einsetzung einer engl.-franz.
Kontrolle über die ägypt. Finanzen zur Folge hatte.
1878 vertrat er England auf dem Pariser Münz-
kongreß und widersetzte sich entschieden einer Ände-
rung des engl. Münzfußes. Wegen Meinungs-
verschiedenheit in der Frage der Parlamentsreform
trat er in Gladstones zweites Ministerium 1880
nicht ein, ging aber Mai 1880 bis April 1881 als
außerordentlicher Gesandter uach Konstantinopel
zur Regelung der griech. Grenzfrage. (S. Griechen-
land.) Nach seiner Rückkehr begann er eine mehr
ablehnende Haltung gegenüber dem liberalen Mini-
sterium einzunehmen und bekämpfte namentlich auf
das heftigste Gladstones irifche Homerule-Politik.
Schließlich trat er 1887 in das konfervative Mini-
sterium Salisbury als Schatzkauzler ein, mit dem
er Aug. 1892 sein Amt niederlegte. Seine bedeu-
tendste Leistung ist die Konversion der engl. Staats-
schuld. Seit 1886 ist er Präsident der R073.18wti8-
tical 8oci6t^ in London. Er gab seine "Hepoi-tZ
luiä 8p66c1i68 0N 10(^1 tÄxaticm" (Lond. 1873)
heraus und schrieb außer zahlreichen Aufsätzen in
Fachzeitfchriften über Bank- und Münzwesen, wofür
er als Autorität gilt, noch "?rodlddi6 i'63u1t8 ot' an
incr6H86 in purcd^in^ pmver ol ssoiä" (ebd. 1883),
"^cläl68868 0N ßäucationai and ecoiiomical 8ud-
^6ct8" (ebd. 1885), "Kondition anä Pi'03i)6ct8 ok
tlN(w> (ebd. 1885).
Göfchen, Georg Joachim, Buchhändler, geb.
22. Dez. 1752 in Bremen als Sohn eines Kauf-
manns, leitete 1783 bis Anfang 1785 die sog.
Gelehrtenbuchhandlung (s. d.) in Dessau und grün-
dete im März 1785 ein eigenes Geschäft in Leipzig,
das durch seine Verbindungen mit den damals be-
rühmtesten deutschen Schriftstellern bald zu einer
der angesehensten Verlagsbuchhandlungen Deutsch-
lands wurde und uoch gegenwärtig als "G. I.
Göschensche Verlagshandlung" (s. d.) in Stuttgart
besteht. Mit Goethe trat G. schon 1786 in Ver-
bindung und brachte die erste Ausgabe von dessen
gesammelten Schriften (8 Bde., 1787-91). 1787
begannen die Beziehungen zu Nieland. Zum Druck
einer Prachtausgabe von dessen Werken mit lat.
(Didotschen) Lettern gründete G. eine eigene Vuch-
druckerei, die 1797 nach Grimma verlegt wurde,
wobei er zugleich das Landgut Hohenstädt kaufte.
12