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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Goyaz - Gozlan
keit; er fesselt weniger als Kolorist wie als scharfer
Beobachter. Die meisten seiner Erfindungen hat er
in Kupferstich ausgeführt, indem er Aquatinta und
Nadel verband. Sein bedeutendstes Werk sind die
Phantasiestücke ((^prieiios), eine Folge von 80 alle-
gorisch-satir. Radierungen aus den I. 1793-96.
Ferner: die Stiergefechte (^ui-om^uia), 33 Blät-
ter; die Kriegsleiden (OeZHZtroä äe 1a ^iki-i-a), 80
Blätter, Bilder der Greuel des Unabhängigkeits-
krieges; die Sprichworter (I^rovOi-dios), 18 Blätter.
- Vgl. Iriarte, 6. I^a dioo-ra^liiß, 168 tros^nes,163
eanxt0rt68 6t la c^t^io^ue ä6 I'wuvrk (Par. 1867);
Conde de la Vinaza, (^073. ^I.ucientos (Madr. 1887).
Goyaz (spr. gojahs). 1) Staat Brasiliens im tro-
pischen Vinnenlande, hat auf 747 311 likin (1888) nur
211 721 E. G. wird im O. und NO. durch Gebirgs-
kämme von Minas Geraes, Bahia und Maranhäo,
im W. durch den Araguaya von Mato Grosso, im
S. durch den Paranahyba von Säo Paulo und
Minas Geraes getrennt. Kleinere Gebirgsketten
durchziehen das Land; im ganzen ist es Hochland,
meist mit Gras und Buschwerk, den sog. Catingas
und Carasquenos, bedeckt. Die Bergflächen oder
Campos bieten vortreffliche Weideplätze dar, daher
auch Viehzucht, besonders Schafzucht, einen Haupt-
nahrungszweig abgiebt. Hauptwasserader ist der
Tocantins; nur ein schmaler Weststreifen entwässert
zum Araguay, der Süden zum Paranahyba. Der
Fischreichtum der Ströme ist sehr groß. Schöne
Wälder sind vorhanden, aber nicht über das ganze
Land verteilt, am ausgedehntesten im W. Die
Bodenkultur liegt sehr danieder. Vornehmlich in
den zahlreichen Thälern ist.der Boden fruchtbar und
dann die Plantagen- und Feldarbeit reichlich loh-
nend. Tabak, Kaffee, Kakao, Zuckerrohr sind anbau-
fähig, auch kommt viel Kautfchuk vor. Ungeheure
Strecken sind aber völlig menschenleere Wüsten.
Die meisten Ansiedler finden sich an den Ufern des
Tocantins, und unter ihnen spielen die Vaqueiros
oder Viehbesitzer die erste Rolle. Hauptbestandteil
der Bevölkerung sind Mischlinge. Straßen fehlen,
vom Küstenland ist G. abgeschlossen, nur auf dem
Tocantins und Araguaya besteht Dampffchiffahrt.
Die Goldminen und Diamantgruben, die einst den
Anlaß zur Besiedclung gaben, sind erschöpft. In-
dustrie mangelt völlig. Den Namen hat das Land
von einem jetzt erloschenen Indianerstamm, den
Guayazes. MeZahl der noch vorhandenen India-
ner beträgt kaum 20000. Größere Orte außer der
Hauptstadt G. sind Meia Ponte, Palma und Porto
Imperial. - 2) Hauptstadt des Staates G., früher
Villa Boa genannt und erst 1739 an Stelle des
Dorfes Sta. Anna erbaut, nördlich von der Serra
Dourada, am goldführenden Araguayzufluß Ver-
melho, ist Sitz der Negierung, eines Appellations-
tribunals, eines Bifchofs und einer Fakultät der
Theologie. Der Ortist freundlich gebaut,mit hübschen
Kirchen, großen Plätzen, einstöckigen Häusern und
7000 E. 15 km im WSW., am Rio Claro, liegt
Claro, ein Hauptfundort von Gold und Diamanten.
Goyen (fpr. chöi-), Jan van, Hauptmeister der
Holland. Landfchaftsmalerei, geb. 13. Jan. 1596 zu
Leiden, lernte die Malerei bei verschiedenen Mei-
stern, zuletzt bei Esajas van de Velde zu Haarlem
und starb 30. April 1656 im Haag. Er malte Land-
fchaften und Ansichten von Holland, hauptsächlich
Ilußufer und Kanäle mit vielen Figuren und
Kähnen, in der Ferne ein Städtchen oder Dorf,
mit großer Wahrheit und Leichtigkeit. Seine Werke
sind ungleich ausgeführt, aber geistreich behandelt
und meist in einem einheitlichen grauen oder bräun-
lichen Ton gehalten, mit dem er poetische kolori-
stische Wirkungen erzielte. Von ihm besitzt die Mün-
ckener Pinakothek: Landschaft mit Vauernhäusern
(1629), Fischerboote auf leicht bewegter See (1640),
Flachlandschaft mit einer am Flusse liegenden be-
festigten Stadt (1643); die Dresdener Galerie:
Ziehbrunnen neben Vauernhütten (1633), Sommer
am Flusse, Winter am Flusse (beide 1643); das
Louvre eine prächtige Flußlandschaft (1647).
Goz, Geldmünze, s. Gaß.
Gözan, Teil Babyloniens, s. Gosan.
Goeze, Job. Aug. Ephraim, Theolog ^nd
Naturforscher, Bruder des folgenden, geb. 28. Mai
1731 in Afchersleben, gest. 27. Juni 1793 als Hof-
diakonus der Stiftskirche in Quedlinburg. Schon ,
über 40 I. alt, wurde er durch zufällige Versuche
mit dem Mikroskop veranlaßt, sich den Naturwissen-
schaften zu widmen, und gehörte bald zu den vor-
züglichsten Naturhistorikern Deutschlands. Unter
seinen gelehrten Werken ist der "Versuch einer
Naturgeschichte der Eingeweidewürmer tierischer
Körper" (Dcss. 1782; "Nachtrag" dazu, Lpz. 1800)
zu erwähnen. Nächstdem veröffentlichte er Volks-
schriften, wie "Nützliches Allerlei" (6 Bde., Halle
1785-88), "Natur, Menschenleben und Vorsehung"
(6 Bde., ebd. 1789-92) u. s. w.
Goeze, Joh. Melchior, ein unter dem Namen
"Zionswächter" zu feiner Zeit bekannter luth.
Theolog, zugleich Bibliograph, ged. 16. Okt. 1717
zu Halberstadt, studierte in Jena und Halle, wurde
1741 Prediger zu Aschersleben, 1750 zu Magde-
burg und 1755 Hauptpastor an der Katharinen-
kirche zu Hamburg, wo er 19. Mai 1786 starb. Er
geriet in zahlreiche litterar. Streitigkeiten mit Ver-
tretern der Aufklärung. Besonders hatten sein Kol-
lege Alberti in Hamburg, Bahrdt, Basedow, A. F.
Vüsching, Goethe (wegen "Werthers Leiden") und
Semler seine Kampflust zu empfinden. Seine zahl-
reichen Predigten und Streitschriften sind größten-
teils vergessen, sein "Versuch einer Historie der ge-
druckten niedersächs. Bibeln von 1470 bis 1621"
(Halle 1775) und andere bibliogr. Arbeiten haben
indes auch heute noch ihren Wert. Eine traurige
Berühmtheit erwarb er sich durch seinen Streit mit
Lessing, den er wegen der Herausgabe der "Frag-
mente eines Ungenannten" (Hermann Samuel Rei-
marus) in den "Wolfenbütteler Beiträgen" 1777 an-
griff. Lessing verteidigte sich dagegen in seinen be-
rühmten "Anti-Goeze" (1778) und andern glänzen-
den Streitschriften; auch dem Patriarchen in "Nathan
dem Weifen" lieh er Züge G.s. - Vgl. Röpe, Johann
Melchior G. Eine Rettung (Hamb. 1860); Boden,
Lessing und G. (Lpz. 1862); A. Mühlhausen, Haupt-
pastor G. im Fragmentenstreit (in der "Allgemeinen
Konservativen Monatsschrift", 1889, S. 818-836).
Gozlan (spr. goslang), Le'on, franz. Roman-
schriftsteller und Theaterdichter, geb. 1. Sept. 1803
zu Marseille, wandte sich, 18 I. alt, nach Algier
und von da nach dem Senegal, wo er Handel trieb.
Nach der Rückkehr in seine Vaterstadt erhielt er eine
Lehrerstelle am Gymnasium und ergänzte nun beim
Unterrichten anderer seine eigenen mangelhaft ge-
bliebenen Kenntnisse. )828 ging er nach Paris, wo
er seine ersten schriftstellerischen Arbeiten im Jour-
nal "I.'liicoi'i'uptjdie" veröffentlichte, von dem er
zum "^iZaro" und "OorLkirL" überging. Er ver-
öffentlichte an Romanen und Novellen: "1^6 notkire