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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Gradierfaß; Gradierhäuser; Gradierwage; Gradierwerk; Gradisca; Gradishsk; Gradiska; Graditz

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Gradierfaß - Graditz

selbe wird ausgeführt, indem die Sole durch Rinnenleitungen über lang ausgestreckte Reiserwandungen, die durch Aufspeichern von Dornenbündeln zwischen Balkengerüsten von verschiedener Höhe (den Gradierwerken oder Gradierhäusern) gebildet werden, verteilt wird. Die Sole, die dabei von der Höhe der Wand herabrieselt, überzieht die Äste und Zweige der Reiser in sehr dünner Schicht, kommt dadurch in innigste Berührung mit der die Wandung durchstreichenden Luft und sammelt sich in einem unter der Dornenwand befindlichen Reservoir. In Berührung mit der Luft schlägt sich aus der Sole der Dornstein (s. d.) nieder.

Die Gradierung wird gewöhnlich mehreremal wiederholt, sodaß die ganz schwache Sole auf die erste Dornenwand geleitet wird; nachdem sie diese passiert hat, wird sie auf ein zweites Gradierwerk gepumpt und von hier auf ein drittes, um dann versotten zu werden. Der Effekt des G. ist hauptsächlich bedingt durch allseitige Berührung der Sole mit der Luft und möglichst starken Luftwechsel. Die Wände müssen daher so angelegt werden, daß ihre Langseite möglichst rechtwinklig gegen die in der betreffenden Gegend vorherrschende Windrichtung gekehrt ist. Jede Ableitung der Luftströmung durch Böschungen, Gebäude u. dgl. ist zu verhindern. Die Gradierung erfolgt am wirksamsten in trockner, warmer Luft, also am besten im Sommer, weniger im Herbst und Frühling; im Winter ist sie bei Frostkälte zu unterbrechen, weil die Verdunstung hier auf ein nicht lohnendes Minimum herabsinkt und weil außerdem, sobald die Sole eine bestimmte Konzentration erreicht hat, sogar nachteilge Folgen eintreten können, indem in der Sole vorhandene schwefelsaure Magnesia bei Frostkälte mit dem Kochsalz, Chlornatrium, in Wechselwirkung tritt unter Bildung von schwefelsaurem Natrium und Chlormagnesium, wobei also zwei für die Salzgewinnung wertlose Stoffe entstehen. Um ein Beispiel für die Wirkung der Gradierung zu geben, seien die aus vielen Jahresdurchschnitten sich ergebenden Resultate der Saline Dürrenberg angeführt. Die dort geförderte Sole hat einen Salzgehalt von 7,7 Proz., derselbe wird auf dem ersten Gradierwerk auf 11,5, auf dem zweiten auf 16,1, auf dem dritten auf 22 Proz. angereichert. Dieser Zunahme des Salzgehalts stehen aber andererseits beträchtliche Verluste entgegen, die teils durch mechan. Fortführung durch den Wind, teils durch unvermeidliche Undichtheiten der umfangreichen Reservoirs und Röhrenleitungen herbeigeführt werden. Diese Verluste schwanken in den einzelnen Betriebsjahren und bei den verschiedenen Salinen zwischen 16 und 33 Proz. der gesamten Salzmenge. Dieses und die Auffindung der mächtigen Steinsalzlager ist Veranlassung gewesen, daß das G. in neuerer Zeit mehr und mehr außer Gebrauch kommt und daß man die nicht sudwürdigen Solen entweder gar nicht mehr verarbeitet oder sie durch Lösen von Steinsalz anreichert.

Sind die Salinen mit Kuranstalten verbunden, so errichtet man Gradierwerke, um die Patienten die mit Sole beladene Luft atmen zu lassen, wodurch außerordentlich günstige Erfolge bei Krankheiten der Schleimhäute der Atmungsorgane erzielt werden.

Gradierfaß, s. Essigfabrikation (Bd. 6, S. 369 a).

Gradierhäuser, s. Gradieren.

Gradierwage (Salz- oder Solspindel), ein Aräometer zur Bestimmung des Salzgehalts einer Sole.

Gradierwerk, s. Gradieren.

Gradisca. 1) Bezirkshauptmannschaft im österr. Kronland Görz und G., hat 621,37 qkm und (1890) 69306 (34769 männl., 34537 weibl.) meist ital. kath. E. (378 Deutsche, 5847 Slowenen), 11610 Häuser und 13110 Wohnparteien in 42 Gemeinden mit 142 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Cervignano, Cormons, G. und Monfalcone. – 2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft G., rechts am Isonzo und an der Linie Nabresina-Cormons (Station G.-Sdraussina) der Österr. Südbahn, unweit der ital. Grenze, hat (1890) 1468, als Gemeinde mit Bruma 3352 ital. E., Bezirksgericht (70,47 qkm, 7 Gemeinden, 25 Ortschaften, 11878 E.) und eine alte Citadelle (jetzt Strafhaus). An Stelle der ehemaligen Befestigungen sind schöne Anlagen und Plätze entstanden. Gegenüber auf dem linken Isonzoufer bei Sdraussina liegt eine große Seidenspinnerei mit 800 meist weibl. Arbeitern. G. war der Hauptort der ehemaligen Reichsgrafschaft G., welche Kaiser Ferdinand Ⅲ. 1641 dem Fürsten Eggenberg verlieh. Nach Aussterben dieses Hauses 1717 fiel derselbe an Österreich zurück.

Gradishsk, auch Gradischtsche, Stadt im Kreis Krementschug des russ. Gouvernements Poltawa, südwestlich der Stadt Poltawa an einem Arm des Dnjepr, 168 m hoch, hat (1888) 10805 E., Post und Telegraph, 4 Kirchen, 1 israel. Bethaus, Flußhafen, großen Markt im Mai mit Getreide, Pferden, Hornvieh, Hanf und Flachs.

Gradiska, Alt-Gradiska, Ó-Gradiska oder Gradiškastara, Festung im Komitat Požega in Kroatien-Slawonien, im ehemaligen Distrikt G. des kroat.-slawon. Grenzgebietes, links an der Save, hat (1890) 2633 E., Post und Telegraph. Gegenüber liegt Türkisch- oder Bosnisch-Gradiska, Hauptort des Bezirks G. (899,79 qkm, 62 Gemeinden, 29962 E.) im bosn. Kreis Banjaluka, ehemals türk. Festung, von Laudon angelegt, mit (1885) 4569 E., darunter 2606 Mohammedaner, 1433 Griechisch-Orientalische und 507 Römisch-Katholische; nordöstlich Neu-Gradiska, Uj-Gradiska oder Gradiškanova, polit. Gemeinde und Hauptort eines Stuhlbezirks G. (40784 E.), an der Linie Agram-Bosnisch-Brod der Ungar. Staatsbahnen, mit (1890) 2471 E. (meist Kroaten und Serben), darunter 1764 Katholiken, 603 Griechisch-Orientalische und 82 Israeliten, Post und Telegraph.

Graditz, königlich preuß. Hauptgestüt, besonders bekannt durch seine Vollblutzucht, in der unmittelbaren Nähe der Stadt Torgau (Provinz Sachsen) gelegen; zu demselben gehören die Gestütsvorwerke G., Döhlen und Neu-Bleesern auf dem rechten und Repitz auf dem linken Elbufer, wo sich bis 1877 das Landgestüt der Provinz Sachsen befunden hatte. Die Gesamtzahl der Einwohner belief sich 1890 auf 503. Das Areal umfaßt 1354,21 ha. Der Verwaltung des Hauptgestüts steht ein Landstallmeister und Gestütsdirigent mit zwei Gestütsinspektoren und einem Gestütsroßarzt vor. Nach dem Etat an Pferden zählt das Hauptgestüt G. 10 Hauptbeschäler (darunter 7 Vollblut-, 3 Halbbluthengste), 4 Probierhengste, 206 Zuchtstuten, davon 56 Vollblut- und 150 Halbblutstuten. G. unterhält den fiskalischen Rennstall, der sich aus der Zucht des Gestüts remontiert und auf der Rennbahn hervorragende Leistungen aufweist. Von 1880 bis 1890 erwarb G. an Rennpreisen 1567462 M.

Im Graditzer Hauptgestüt werden sowohl Reit- als Wagenpferde gezogen. G. selbst hat nur Voll- ^[folgende Seite]