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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grado (in Spanien) - Graf (Amt und Titel)
3441 ital. E., Post, Telegraph, Seefischerei, ein gut
eingerichtetes Seebad, ein Seehospiz für skrofulöse
Kinder und drei Sardinen- und Konservenfabriken.
Die Kathedrale Sta. Eufemia, 456 vom Patriarchen
Niceta erbaut, ist eine dreischiffige Basilika, deren
Kanzel als eins der interessantesten Kunstdentmale
jener Zeit gilt. - Die Gründung von G. fällt um
452 n. Chr. Sie war der Mittelpunkt der röm.
Flottenstation Classis und gehörte zu Aquileja (s.d.).
Nach dem Sturz des Römischen Reichs gehörte G.
zur Republik Venedig. Von 575 bis 1451 residierten
daselbst eigene Patriarchen. 1451 wurde das Patri-
archat von G. aufgehoben und das von Venedig ge-
gründet. - Vgl. Jackson, DlUinktia and l8triH,
Bd. 3 (Orf. 1887); Candioli, Führer durch G. und
Umgebung (Würzb. 1892).
Grado, Stadt der span. Provinz Oviedo (Astu-
rien), 27 kin westlich von Oviedo, am Rio Cubia,
hat (1887) 16489 E., mehrere Klöster, Mühlen,
Fabrikation von Schokolade, Flinten und Pistolen.
Gradsterne, Distinktionssterne, stern-
förmige Abzeichen aus gelbem oder weißem Metall,
Seide oder Wolle, gehören zu den Chargenabzeichen
is. d.) in der deutschen und österr.-ungar. Armee
sowie in der deutschen Marine. In der deutschen
Armee trägt der Generaloberst drei Sterne auf den
Epauletten und Achselstücken, der General der In-
fanterie und der Kavallerie, der Oberst und der
.Hauptmann oder Rittmeister zwei Sterne; der
Generallieutenant, der Oberstlieutenant und der
Premierlieutenant einen Stern; der Generalmajor,
Major und Secondelieutenant keinen Stern. In
der österr.-ungar. Armee trägt außer den Distinkt-
borten an Kragen und Aufschlägen der Feldzeug-
meister, General der Kavallerie, Oberst, Hauptmann
und Feldwebel drei, der Feldmarschalllieutenant,
Oberstlieutenant, Oberlieutenant und Korporal zwei,
der Generalmajor, Major und Gefreite einen Stern
am Kragen des Rocks.
In der deutschen Marine tragen die komman-
dierenden Admirale, die Kapitäne zur See und die
Kapitänlieutcnants zwei Sterne auf den Epauletten
und Achselstücken; die Viceadmirale und Lieutenants
zur See tragen einen Stern, die Konteradmirale,
Korvettenkapitäne und Unterlieutenants zur See
keinen Stern. In ganz entsprechender Weise tragen
die Maschinenoberingenieure zwei, die Maschinen-
ingenieure einen, die Stabsingenieure und Maschi-
nenunteringenieure keinen Stern. Auch die Tor-
pedo-, Zeug- und Feuerwerksoffiziere fowie die Arzte
und Zahlmeister der Marine tragen eine ihrem
Range entsprechende Zahl von G.
Gradual (neulat.), auf einen Grad (lat. Fi-aäuL)
bezüglich; Gradual erb so lg e,Gradualsystem,
Erosolge nach der Nähe des Verwandtschaftsgrades
(s. Gesetzliche Erbfolge, Bd. 7, S. 937 a); Gradual-
psalmen, soviel wie Stufenpsalmen (s. d.).
Graduale (neulat.), in der kath. Kirche bei der
Messe der kurze Zwischengesang zwischen den Lek-
tionen der Epistel und des Evangeliums, während
der Priester sich auf den Stufen (31^6^3) des Altars
oder vor dem Lefepult befindet. Diese Ruhepause
in der kirchlichen Handlung ist von den alten Kirchen-
komponisten vielfach zu kunstvollen Gesängen benutzt,
die als Einlagen in der Messe verwendet wurden. -
G. heißt auch ein die Sammlung derartiger Gesänge
enthaltendes Buch.
Qra.Hua.ts (spr. gräddjuet; deutsch Graduiert)
heißt auf englisch jeder, der einen akademischen Grad
erworben hat. Solche Grade sind z. V. Vacailuireus
^rtiuni (gewöhnlich V. ^.. geschrieben); Natter
^i-tiuiu, (N. ^..); LHoallnii-euZ Mi-iZ civilig (L. 0.1^.)
oder I^^um (1^. 1^. V.); ZHc^ianreuZ Nsäicina^
(N. V.); voctoi-^uri8 civile (v. 0.1^.) oderl^uin
Doctor (1^. 1^. O.); Doctoi' Nkäicinae (N. D.) u. s. w.
Im Gegensatz zu den (^. werden die Studenten, die
noch keinen akademischen Grad erworben haben, als
Unä6i'Fi ÄäuÄt63 bezeichnet, doch gelten unter den (^.
die LacÄlauiöi als noch in 8tatu pupiliai-i befind-
lich. Die HillFiätri und DoctoreZ haben in der Re-
gel weitgehende Stimmrechte in Bezug auf die Ver-
waltung der Universität und wählen in Orford,
Cambridge und London auch die parlamentarischen
Vertreter derselben.
Graduell (frz.), grad-, stufenweise.
Graduieren (frz.), mit Graden verfehen, nach
Graden abteilen, z. B. Thermometer, Barometer,
Quadranten u. s. w.; einen akademischen Grad er-
teilen; von metallenen Patronenhülsen gebraucht,
soviel wie Kalibrieren (s. d.).
Graduiert, s. (^äuaw.
Vra.Äus (lat.), Stufe, Grad, in eigentlicher und
übertragener Bedeutung; per ^raäum, stufenweife;
pro Flaän disputieren, zur Erlangung eines aka-
demifchen Grades disputieren; (^. comparativi^,
Vergleichungsgrade (grammatikalifch); 6. aäinoui-
tiömL, die Grade der Admonition (s.d.); <^. co^ua.-
tioniZ, Verwandtschaftsgrade;(3.p06iiit6iiti3.6, Buß-
grade ; (-. prodiditi, verbotene Grade (der Verwandt-
schaft, welche ein Ehehindernis bilden).
<5ra.äus a.ä?a.rna.38nin (lat., "Stufe zum
Parnaß"), ein griech. oder lat. Wörterbuch mit An-
gabe der Quantität jedes Vokals, unter Hinzufügung
der gleichbedeutenden Worte, passenden Beiwörter
und poet. Ausdrücke, zum Gebrauch bei prosodischen
und poet. Übungen. Den ersten lateinischen "A. a.
?." (Köln 1702 u. ö.) bearbeitete der Jesuit Paul
Aler (s. d.); in neuererZeit Sintenis (2 Bde.,Züllichau
1816; 4. Aufl. von Friedemann, Lpz. 1842; 8. Aufl.
vonKoch,2Bde.,ebd. 1879); einen griechischen gaben
Braß (Lond.1832) und Siedhof (Gott. 1839) heraus,
ein (^. H. ?. benanntes musikalisches Studienwerk
Gräen, s. Graien. j^Clementi.
Graes, de, s. Gratius.
Graf, ursprünglich Diener, im Mittelalter für
sehr verschiedene Beamte gebraucht. So gab es
.holz-, Salz-, Hall- (in Reichenhall), Wasser- Deich-,
Mühl-, Stall- (com68 8tadn1i, comietadiE), Hans-,
Spielgrafen. Die Hansgrafen (von Hansa abgeleitet)
waren Nichter am Handelsgericht, die Spielgrasen
Richter der vor dem ordentlichen Gericht nicht als
ehrlich oder zeugnisberechtigt geltenden Spielleute.
Am wichtigsten wurde der G. der frank. Verfassung,
entsprechend dem angelsächs. 361-6^3. (heute sderiO').
Der Fi-aöo, lat. coin68 oder .juäex (in der frank.
Amtssprache nicht Richter, sondern allgemein Be-
amter) war im Fränkischen Reiche der königl. Bearnte
für den i^Fu8, d. i. den Gau, und das Reich zerfiel in
Gaugraffchaften. Seine Befugnis ging auf Verwal-
tung und Gericht. Der König ernannte zu G. wen
er wollte, selbst Unfreie (M6i-i 1-6^13), bis die Großen
614 bestimmten, daß er den G. nur aus den Grund-
besitzern des Gaues ernennen dürfe, über den G.
standen die Herzöge, die den Oberbefehl über den
Heerbann mehrerer Grafschaften hatten. Als Ein-
kommen empfing der G. einen Anteil an den ge-
richtlichen Strafgeldern und die Nutznießung eines
für die Amtsdauer verliehenen Landbesitzes. Diese