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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grafenau - Grafenkrone
mit dem Range eines Obersten und Mitdirektor
des Friedrich-Wilhelms-Instituts und der mediz.-
chirurg. Akademie. G. wurde 1826 vom Kaiser
Nikolaus von Rußland in den Adelstand erhoben.
<5r starb 4. Juli 1840 plötzlich zu Hannover, wohin
er sich Zu einer Augenoperation des Kronprinzen
begeben hatte. G. zählt zu den berühmtesten Chirur-
gen. Mehrere Instrumente und Operationsmetho-
den hat er erfunden, andere, wie z. B. die Rhino-
plastik, verbessert. Er vervollkommnete die Methode
der Unterkieferrefektion und führte in Deutschland
die Lithotripfie ein. Der chirurg. Unterricht in
Deutschland verdankt ihm zum großen Teil seine
bessere Gestaltung. Er schrieb: "Angiectasie, ein
Veitrag zur rationellen Kur und Erkenntnis der
Gefäßausdehnungenv (Lpz. 1808), "Normen für die
Ablösung größerer Gliedmaßen" (ebd. 1812), "Rhi-
noplastik" (Berl. 1818), "Die epidemisch-kontagiöse
Augenblennorrhöe Ägyptens in den europ. Be-
freiungsheeren" (ebd. 1823), "Jahresberichte über
das klinische chirurg.-augenärztliche Institut der
Universität zu Berlin" (ebd. 1817-34). Mit PH.
von Walther redigierte er seit 1820 das "Journal
für Chirurgie und Augenheilkunde".-Vgl. Michae-
lis, Karl Ferd. von G. in seinem 30jährigen Wirken
für Staat und Wissenschaft (Berl. 1840).
Grafenau. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Vez.
Niederbayern, hat (1890) 18 239 (8804 männl.,
9375 weidl.) E., 32 Gemeinden mit 299 Ortschaften,
darunter eine Stadt. - 2) Bezirksstadt im Bezirks-
amt G., 37 km nördlich von Passau, 14 km von der
böhm. Grenze, an der Kleinen Ohe auf dem West-
abhang des Böhmerwaldes, an der Nebenlinie Zwie-
fel-G. (31,6 km) der Vayr. Staatsbahnen, Sitz des
Bezirksamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht
Deggendorf), hat (1890) 1173 kath. E., Posterpedi-
tion, Telegraph, 2 Kirchen; Zündholz-, Draht-,
Papierstoff- und Papierfabriken und Holzhandel
und wird als Sommerfrische besucht.
Grafenberg, Irrenanstalt, s. Gerresheim.
Grafenberg,Wirntvon,s.WirntvonGrafenberg.
Gräfenberg. 1) Stadt im Bezirksamt Forch-
heim des bayr. Reg.-Bez. Oberfranken, 17 kin im
SO. von Forchhcim, am Peller- und Fifchbach, die
zur Regnitz gehen und an der Nebenlinie Erlangen-
G. (28,3 km) der Vayr. Staatsbahnen, Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Nürnberg) und eines
Forstamtes, hat (1890) 1154 E., darunter 121 Ka-
tholiken, Posterpedition, Telegraph und wird als
Luftkurort besucht. - 2) Berühmter Weinberg im
Rheingaukreis des preuh. Reg.-Vez. Wiesbaden, bei
dem alten Wallfahrtsorte Kiedrich mit der Burg-
ruine Scharfenstein, liefert vorzüglichen Rhein-
wein. Die Burg, Ende des 12. Jahrh, von Mainzer
Erzbischöfen erbaut, wurde 1632 von den Schweden
und 1682 von den Franzosen zerstört.
Gräfenberg, eineKolonie vonFreiwaldau(s.d.)
in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Ge-
richtsbezirk Freiwaldau in Osterreichifch-Schlesien,
2 kin im NW. von Freiwaldau, in 632 in Höhe im
Sudetengebirge, an der LinieHannsdorf-Ziegenhals
der Osterr. Staatsbahnen, zieht sich vom Staritz-
thale aufsteigend bis auf den G., einen Vorberg
des Hirschbadkammcs, und ist berühmt wegen der
feit 1826 von Prießnitz (s. d.) ausgeübten Wasser-
heilmethode. Auf dem Plateau befindet sich die erste
Kaltwasserheilanstalt (1826), die sich zu einem öffent-
lichen Kurorte mit zahlreichen Villen und Kurhäu-
sern entwickelt hat (1892: 2442 Kurgäste). Dahinter
steigt der.Hirschbadkamm (994 ui) empor, von dem
das zum Bade benutzte Wasser kommt. Von den
42 Quellen (5 -10" 5.) sind einige in Marmor ge-
faßt. In der Umgegend große Nadelwälder mit
schönen Promenaden.- Vgl. Prießnitz, Gräfen-
berg-Freiwaldau, Wasserkurort, Wasserheilanstalt
(Gräfenb. u. Prag 1880); Becker, Der Kurort G.
und Umgegend (4. Aufl., Beuthen 1880).
Grafenfehde, dänische, zweijähriger,blutiger
Bürgerkrieg in Dänemark (1534 - 36). Nach dem
Tode Kömg Friedrichs I. (1533) hoffte der Klerus
und der kath. Teil des Adels die Wahl eines jün-
gern Sohnes Friedrichs I. Johann durchsetzen zu
tonnen, während der lutherisch gesinnte Adel den
Herzog Christian von Schleswig und Holstein zum
Könige wünschte. Als bei diesem Widerstreit der
Meinungen der Reichsrat die Negierung über-
nahm, versuchten die Bürger und Bauern den
gefangenen König Christian II. wieder auf den
Thron zu setzen. Die Führer derselben, die Bürger-
meister in Kopenhagen und Malmö, Ambrosius
Buchbinder und Jürgen Kock oder Münzmeister,
vereinigten sich mit ihrem lübeckischen Kollegen,
Jürgen Wullenwever (s. d.), der Lübeck zu einem
Vertrage mit dem Grafen Christoph von Olden-
burg, einem Verwandten des dän. Königshauses,
vermochte. Am 22. Juni 1534 landete dieser in See-
land, und überall wurde ihm von den Bürgern und
Bauern in König Christians Namen gehuldigt. Der
socialen Bauernbewegung schloß sich bald eine reli-
giös-reformatorische Bewegung an. Die gemeinsame
Gefahr zwang nun die obern Stände zur Einigkeit,
und 4. Juli 1534 ward Herzog Christian von Adel
und Geistlichkeit in Iütland und Fünen zum König
erwählt. Die Sache nahm eine andere Wendung,
als mit Hilfe König Gustavs I. von Schweden in der
Schlacht bei Helsingborg der Lübecker Hauptmann
Marx Meyer vom Adel geschlagen ward. Gleich-
zeitig drang der Feldherr Christians III., Johann
Rantzau, in Iütland ein, eroberte Aalborg, setzte
nach Fünen über und besiegte in der Schlacht am
Örneberge (Ochsenberg), 11. Juni 1535, Graf Chri-
stoph. Der letzte entscheidende Kampf konzentrierte
sich um Kopenhagen und Malmö. Der Graf wurde
nach dem Sturze Wullenwevers von Lübeck im
Stich gelassen, und nachdem die Körnungen der
Belagerten auf Hilfe von feiten Kaiser Karls V.
und der deutschen Verwandten Christians II. ge-
scheitert waren, kapitulierte Malmö 7. April und
Kopenhagen 29. Juli 1536. Graf Christoph wurde
des Landes verwiesen, Ambrosius Buchbinder tötete
sich selbst im Gefängnis. - Vgl. Waitz, Lübeck unter
Jürgen Wullenwever und die europ. Politik (3 Bde.,
Verl. 1855-56); Paludan-Müller, Grevens Feide
(2 Bde.. Kopenh. 1853-54).
Grafengericht, soviel wie echtes Ding, s. Ding
(Gerichtsverfammlung).
Gräfenhainichen, Stadt im Kreis Bitterfeld
des preuß. Reg.-Vez. Merfeburg, 15 km von Bitter-
feld, an der Linie Berlin-Halle der Preuß. Etaats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Halle)
und hat (1890) 2981 C'., darunter 40 Katholiken,
Post, Telegraph; Stärkefabrik, Holzhandel, Acker-
und Tabaksbau, Vraunkohlengruben. G. ist Ge-
burtsort des Dichters Paul Gerhardt.
Grafenkrone, eine Rangkrone (s. d.), in der
üblichsten und neuesten Form ein runder Reif, aus
dessen oberm Rande neun perlenbesetzte hohe Zacken
hervorwachsen. (S. Tafel: Kronen II, Fig. 21.)