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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grafenort - Graffigny
über den Kronen der Häupter der deutschen reichs-
unmittelbaren Häuser ist innerhalb der Perlenzacken
eine hutähnliche rote Stofffüllung (f. Fig. 22). Sine
ältere Form der G. bei mediatisierten Häusern zeigt
Fig. 23 (mit Füllung, für die Familienhäupter) und
Fig. 24 (ohne Füllung, für die Nachgeborencn).
Ändere G. find die schwedische (Fig. 25), die italie-
nische (Fig. 26), die belgische (Fig. 2? u. 28) und die
englische G. (Fig. 29).
Grafenort, Dorf im Kreis Habelschwerdt des
preuh. Reg.-Bez. Vreslau, 7 km nördlich von
Habelfchwerdt, an der Glatzer Neisfe und der Linie
Breslau-Mittelwalde der Preuß. Staatsbahnen,
hat (1890) 1485 E., Postagentur, Fernsprechver-
bindung, kath. Pfarrkirche, herrfchaftliches Schloß,
1639-41 von Johann Friedrich, 3ieichsgrafen zu
Herberstein, erbaut, Mineralquelle; Mahl- und
Sägemühlen und Ziegeleien.
Gräfenthal, Stadt im Kreis Saalfeld des Her-
zogtums Sachsen-Meiningen, an der Zopte,in 408 m
Höhe in einem tief eingefchnittenen Thale,Sitz eines
Amtsgerichts (Landgericht Rudolstadt) und Steuer-
amtes, ist feit dem Brande von 1852 fchön und regel-
mäßig gebaut und hat (1890) 2263 evang. E., Post
zweiter Klasse, Telegraph, neues Rathaus, Kreis-
krankenhaus, Vorschußverein, städtische Sparkasse;
Porzellan-, Kartonnagen-und Schiefertafelfabriken.
In der Umgebung befinden sich bedeutende Schiefer-
drüche (jährliche Ausbeute etwa 50000 t Schiefer im
Werte von 2 Mill. M.), Farberde-, Eisenerzgruben
und Wetzsteinbrüche. Unter den Schieferbrüchen sind
die auf dem Unnütz die ältesten und großartigsten
Deutschlands. Auf d^r Nordwestwand des Thales
der alte Dynastensitz schloß Wefpenstein (Wen-
denstein), zum Teil Ruine. G. erhielt 1412 Stadt-
recht durch den Grafen Sigismund von Orlamünde.
Gräfentonna, Marktflecken im Herzogtum
Sachsen-Coburq-Gotha, an der Tonna und an der
Nebenlinie Vallstädt-Herbsleben der Preuß. Staats-
bahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Tonna, Land-
gericht Gotha), hat (1890) 1910 meist evang. E.,
Post, Telegraph, ein Schloß, Männerzuchthaus,
Brauerei und herzogl. Domäne.
Grafenwöhr, Stadt im Bezirksamt Eschenbach
des bayr. Reg.-Vez. Oberpfalz, 8 km im SO. von
Eschenbach, Sitz zweier Oberförstereien, hat (1890)
1034 kath. E., Posterpedition und ein Schloß.
Graff, Anton, Porträtmaler, geb. 18. Nov. 1736
zu Winterthur, genoß daselbst seine Ausbildung, die
cr 1756-59 unter dem Schabkünstler Jak. Haid in
Augsburg und unter dem Hofmaler Schneider in
Ansbach fortfetzte. Zugleich bildete er sich an den
Bildern von Rigaud, Kupetzky und van Dyck. 1766
ging er als Lebrer derVildnismalerci nach Dresden,
wo er 1789 Professor und Mitglied der Akademie
wurde und 22. Juni 1813 starb. Nach seinen Auf-
zeichnungen malte er 297 Bildnisse, 943 Original-
gemälde und 453 Kopien, wozu noch 322 Silberstift-
zeichnungen und 3 radierte Blätter kommen. Ganze
Galerien berühmter Männer, unter diefen eine
Sammlung deutscher Gelehrten für den Buchhändler
Reich (26 Stück, darunter Gellerr, Lessing, Mendels-
sohn, im Besitz der Leipziger Universitätsbibliothek),
gingen aus seiner Hand hervor. Von seinen Bild-
nissen, die sich durch natürliche Auffassung und vor-
treffliche Technik auszeichnen, besinden sich 17 in
der Dresdener Galerie (darunter: König Friedrich
August, SelbstbildnisinganzerGestalt,G'ellert,Joh.
Gottl. Böhme), 8 im Museum zu Leipzig (darunter:
Luife Auguste von Schleswig-Holstein-Augusten-
burg, Tochter König Christians VII. von Dänemark),
5 in der Berliner Nationalgalerie (darunter: Selbst-
bildnis, Sulzer), in der Münchener Pinakothek fein
Selbstbildnis (Brustbild), im herzogl. Schlöffe zu
Sagan das Familienbild des Meisters. Die vor-
züglichsten deutschen Kupferstecher, wie Müller, Lips
und besonders Bause, haben nach ihm gestochen.
- Vgl. Muther, Anton G. (Lpz. 1881).
Sein Sohn, Karl Anton G., geb. 10. März
1774 zu Dresden, gest. daselbst 9. März 1832, er-
lernte die Landschaftsmalerei bei Zingg in Dresden,
bildete sich auf Reifen in der Schweiz und Italien
aus und malte Landschaften im Stile feiner Zeit.
Graff, Eberh. Gottlieb, Sprachforfcher, geb.
10. März 1780 in Elbing, studierte seit 1797 zu
Königsberg, wurde 1802 Lehrer in Ienkau, 1805
Gymnasialprofesfor in Elbing, 1810 Negierungs-
und Schulrat in Marienwerder, 1814 nach Arns-
berg, dann nach Koblenz verfetzt. Seit 1824Professor
der deutschen Sprache an der Universität Königs-
berg, durchforschte er 1825-27 mit Unterstützung
der Regierung dieBibliothekenDeutschlands, Frank-
reichs, der Schweiz und Italiens auf altdeutfche
Handfchriften und lebte feit 1830 als Akademiker zu
Berlin ausschließlich feinen wissenfchaftlichen Ar-
beiten. Er starb 18. Okt. 1841. G.s gesamte Thätig-
keit galt dem Althochdeutschen. Ohne bahnbrechende
Gedanken, aber mit Sorgfalt und Umsicht rüstete
er sich zu dem Hauptwerk seines Lebens, dem un-
praktisch nach Wurzeln geordneten, aber noch heute
unersetzten "Althochdeutschen Sprachschatz" (6 Bde.,
Verl. 1835-43; Bd. 7, der alphabetische Index von
Maßmann, 1846). Seine frühern Schriften: "Die
hochdeutschen Präpositionen" (Königsb. 1824), das
Sammelwerk"Diutiska,DenkmälerdeutfcherEprache
und Litteratur aus alten Handschriften" (3 Bde.,
Etuttg. 1826-29) u. s. w., sind lediglich Vorarbeiten.
Graff, Joh. Jakob, Schauspieler, geb. 23. Sept.
1768 in Georgenthal bei Colmar (nach andern in
Köln), studierte in Straßburg Theologie und wandte
sich 1789 über Holland nach Köln, wo er 1789 als
Cassio (im "Othello") bei der Doblerschen Gesell-
schaft zuerst die Bühne betrat. Vom nächsten Jahre
an bereiste er mit der Bossaschen Gesellschaft eine
Reihe süddeutscher Städte und wurde dann für
das Weimar. Hoftheater engagiert, auf dem er 1793
als Hofrat Neinhold (in Ifflands "Hagestolzen")
debütierte. Er starb 20. März 1848 zu Weimar.
Würdevolle Rollen gelangen G. besser als leiden-
schaftliche, in denen er leicht unruhig wurde. Vor-
trefflich gab er neben Götz, Alba, König Philipp,
Odoardo u. s. w. den Wallenstein; Goethe wie
Schiller übten auf feine schauspielerische Entwick-
lung einen bestimmenden Einfluß aus.
Graffigny (Grafigny, spr.-sinnjih),Francoise
d'Issembourg-d'Happoncourt de, franz. Schrift-
stellerin, geb. 13. Febr. 1695 zu Nancy, verheiratete
sich noch sehr jung mit Francois Hugues de G., dem
Kammerherrn des Herzogs' von Lothringen, ließ
sich jedoch von diesem seiner Roheit wegen scheiden,
wohnte eine Zeit lang auf Cirey bei Frau du
Cbatelet und Voltaire und kam dann in Gesellschaft
der Mademoiselle de Guife, nachherigen Herzogin
von Richelieu, nach Paris, wo sie 12. Dez. 1758
starb. Ungeteilten Beifall fanden ihre "I^Ures
I)6i'uvi6nn68" (Par. 1747 u. ö.; am besten 2 Bde.,
ebd. 1798 u. 1826), die mit Montesquieus "I^ettreg
I)6i'3ane3" wetteifern, von Longchamp in franz.