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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Graham (Sir Gerald)

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Graham (Sir Gerald)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Graham (Familie)'

aus dem Anfang des 5. Jahrh. Wenn auch die Geschichte dieser Herstammung sagenhaft ist, so gehören die G. doch zu den ältesten Familien Schottlands. Sie besaßen im 12. Jahrh. große Ländereien um Dumbarton und Stirling. Sir John G. oder Graeme, der treue Freund von William Wallace, fiel 1298 in der Schlacht von Falkirk. Sir David G. von Montrose geriet mit dem König David Bruce 1340 bei Neville’s Croß in der Nähe von Durham in Gefangenschaft. Dessen Sohn Patrick G. hatte in zweiter Ehe Egidia Stuart, Nichte König Roberts II., zur Frau, die ihm vier Söhne gebar, von denen der älteste, Robert G., Graf von Strathern wurde und Großvater Sir Robert G.s, der 1437 König Jakob I. ermordete und Ahnherr der G.s von Esk und Netherby in Cumberland war. Ein Sohn Patricks aus erster Ehe, Sir William G., Schwiegersohn Roberts III., war Großvater von Patrick G., der, nachdem er während der Minderjährigkeit Jakobs II. Mitglied der Regentschaft gewesen, 1445 zum Baron G. erhoben wurde und 1465 starb. Sein Enkel William, Lord G., erhielt den Titel eines Grafen von Montrose. Der dritte Sohn Sir William G.s, Robert, war Ureltervater des berühmten Feldherrn der Stuarts, John G. von Claverhouse, der wahrscheinlich 1649 geboren wurde, sich unter Condé zum Krieger bildete und bald ebenso sehr durch militär. Talent als durch unerschrockene Tapferkeit bemerklich machte. Er befehligte 1679 ein Reiterkorps gegen die Covenanter und verfolgte sie nach dem endlichen Sieg mit schonungsloser Grausamkeit. Jakob II. erhob ihn zum Viscount Dundee, und als der König auch von Schottland für abgesetzt erklärt war, rief Dundee die Clans der Hochlande gegen Wilhelm III. auf und schlug dessen Truppen unter Mackay beim Paß von Killicrankie (17. Juli 1689) vollständig. Da er selbst in der Schlacht fiel, wurde der Erhebung ihr Haupt genommen und der Widerstand bald unterdrückt. – Vgl. Napier, Memorials and letters of John Graham of Claverhouse (3 Bde., Edinb. 1859–62).

Von dem fünften Sohne Sir William G.s, William, stammt das Geschlecht der G. von Balgowan. Thomas G., Lord Lynedoch, einer der ausgezeichnetsten engl. Generale neuerer Zeit, wurde 19. Okt. 1748 geboren, unternahm seit 1791 größere Reisen und warb, nach Schottland zurückgekehrt, auf eigene Kosten ein Bataillon, dessen Kommando er mit Oberstenrang erhielt, und das er zu einem der vorzüglichsten in der engl. Armee ausbildete. 1796 und 1797 machte er die Feldzüge in Italien bei der österr. Armee unter Wurmser mit und kommandierte alsdann die Blockade von Malta, welches sich Sept. 1800 nach einer zweijährigen Belagerung ergab. G. diente 1808 unter Sir John Moore in Spanien und ward 1810 Generallieutenant. 5. März 1811 bestand er gegen den Marschall Victor das Treffen von Barossa, wofür er den Dank des Parlaments erhielt. Bei Vittoria (21. Juni 1813) befehligte er den linken Flügel. Im Jan. 1814 landete er mit 10000 Mann in Holland, lieferte in Verbindung mit dem preuß. General Thümen das glückliche Gefecht bei Merxhem und unternahm 8. März 1814 einen Sturm aus Bergen-op-Zoom, der aber zurückgeschlagen wurde. Im Mai 1814 ward er als Lord Lynedoch von Balgowan zum Peer erhoben und 1821 zum General-en-Chef befördert. Er starb 18. Dez. 1843 ↔ zu London. – Vgl. Graham, General G.’s memoir (2. Aufl., Edinb. 1865); Delavoye, Life of Th. G. (Lond. 1880).

Die G. von Esk und Netherby haben gleichfalls mehrere ausgezeichnete Männer hervorgebracht. Sir Richard G. auf Esk, geb. 1648, war Gesandter Karls II. in Frankreich, erhielt 1680 den Titel eines Viscount Preston und bekleidete unter Jakob II. das Amt eines Staatssekretärs. Nach der Revolution von 1688 ward er im Tower gefangen gehalten und 1691 des Hochverrats schuldig befunden, von Wilhelm III. aber begnadigt. Während seiner Haft übersetzte er Boethius’ «De consolatione philosophiae» (Lond. 1695; 2. Aufl., ebd. 1712) meisterhaft ins Englische. Er starb 1695. Die Peerage erlosch mit dem dritten Viscount 1739, die Güter des Hauses gingen an die G. von Netherby über, die 1783 den Baronetstitel erhielten.

Der älteste Sohn des ersten Baronets, Sir James Robert George G., Staatsmann und Parlamentsredner, wurde 1. Juni 1792 geboren, trat zuerst 1818 ins Parlament, führte, seit 1830 erster Admiralitätslord unter Grey, Verbesserungen in der Verwaltung ein, trat aber aus Opposition gegen die vom Ministerium beabsichtigten kirchlichen Reformen in Irland 1834 zurück. Bisher Whig, näherte er sich den Konservativen, übernahm unter Peel 1841 das Innere und half bei der Beseitigung der Getreidezölle. Durch die Öffnung der Briefe Mazzinis, die der österr. Regierung Kunde über die ital. Umtriebe gab, erregte er 1844 großen Unwillen; 1846 trat er mit Peel zurück; 1852–55 war er mehrmals Lord der Admiralität unter Aberdeen und Russell und starb 25. Okt. 1861. – Vgl. T. M’Cullagh Torrens, The life and times of the Right Hon. Sir James G. (2 Bde., Lond. 1863); Lonsdale, Life of Sir James (ebd. 1868).

Graham (spr. grehämm), Sir Gerald, brit. Generalmajor, geb. 1831, trat 1847 in die Militärakademie zu Woolwich und wurde 1850 Sekondelieutenant im Ingenieurkorps. Er nahm 1854–56 teil am Feldzug in der Krim, wurde 1858 Kapitän und 1859 Major. Nachdem er sich 1860 beim Feldzug in China ausgezeichnet, wurde er 1861 Lieutenant-Colonel, 1869 Colonel und 1881 Generalmajor. Im ägypt. Feldzug von 1882 nahm er an der Schlacht von Tel el-Kebir (13. Sept.) teil. G. wurde im März 1884 nach Suakin gesendet, nachdem Osman Digma das Heer von Baker Pascha im Februar bei El-Teb geschlagen und die von ägypt. Truppen besetzten Forts von Tokar und Sinkat eingeschlossen hatte. Er schlug zwar Osman Digmas Heer 13. März bei Tamanib (Tamasi) und brachte ihm große Verluste bei, kam aber zu spät, um die genannten Forts zu entsetzen, vermochte auch nicht weiter auf Chartum hin vorzudringen und führte seine Truppen bald nach Suakin zurück. Nachdem 26. Jan. 1885 auch Chartum in die Gewalt des Mahdi gefallen war, und Lord Wolseleys Heer den Rückzug nach Oberägypten angetreten hatte, erhielt G. beträchtliche Verstärkungen zugeführt und den Auftrag, von Suakin her nach Berber an den obern Nil vorzudringen und eine Eisenbahn zur Verbindung dieser Plätze herzustellen. G. suchte vergeblich einen entscheidenden Schlag gegen Osman Digma zu führen, es kam nur zu einer Reihe unbedeutender Gefechte. Von der Eisenbahn waren bis Ende April 1886 17 engl. Meilen ausgebaut, als Kriegsaussichten mit Rußland die engl. Regierung veran-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 242.