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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gran-Chaco - Granden
Gran-Chaco, El (spr. tschako), d. h. großes
Jagdgebiet, auch schlechthin El-Chaco (richtiger
Chacu), Gesamtname für die weiten Ebenen im sub-
tropischen Südamerika, südlich der Wasserscheide zwi-
schen La-Plata und Amazonenstrom. Nach S. reicht
der G. bis zum Nio Salado, der ihn von den Pam-
pas scheidet; nach N. geht er allmählich in die höher
liegenden Llanos de Chiquitos über. Es ist
ein weites, ebenes, völlig steinloses Wald- und
Weidegebiet von etwa 300 m Höhe; große Strecken
im mittlern und südl. Teile sind trockne, wasserlose
Steppen. Namentlich an den Ufern des Vermejo
und Pilcomayo herrscht eine Üppigkeit, die sich den
brasil. Urwäldern an die Seite stellt. Zahlreiche La-
gunen unterbrechen die Fläche, versiegen aber gegen
Ende der trocknen Jahreszeit. Mit dem im Oktober
eintretenden Regen beginnen die Flüsse zu schwellen
und überfluten einen breiten Gürtel, der dann außer-
ordentliche Fruchtbarkeit entfaltet. Für die Vieh-
zucht eignet sich das Gebiet besser als die Pampas,
da beim Eintreten der Dürre das Vieh in die Wäl-
der getrieben wird und sich von den Früchten der
Chanar, Algarrobo u. s. w. ernähren kann. Das
Klima zeichnet sich durch schnelle Temperaturwechsel
aus (bis zu 22° (^. am Tage), die höchste Sommer-
temperatur ist -^ 45", die tiefste im Winter ^ 9° (^.
Die Indianer des Chaco, auf 30-40000 geschätzt,
zerfallen in mehrere Stämme, die sich hauptsächlich
an den Ufern der Flüsse aufhalten. Das Land zer-
fällt in den Chaco Voreal, der von wilden Stäm-
men (Toba, Chiriguano) bewohnt, noch sehr wenig
bekannt ist, im N. des Pilcomayo, Chaco Cen-
tral, zwischen Pilcomayo und Vcrmejo und Chaco
Austral bis zum Salado. Ersterer ist zwischen Vo-
livia und Paraguay geteilt; die beiden andern ge-
hören zur Argentinischen Republik. Nach dem Kessel-
treiben auf die Indianer (1884-85), die die An-
siedelungen beunruhigten, wurden hier zwei Gober-
naciones Chaco (s. d.) und Formosa (s. d.) errichtet.
Grand, grober, aus kleinen Steinchen bestehen-
der Kiessand; im Bergwesen fein gepochter und
in Backsteinform gebrachter quarzfreier Thonschiefer
oder Lebm, der am Harz als Vefatz für Bohrlöcher
dient; niederdeutsch auch seine Weizenkleie, daher
Grandmehl, grobes, mit Kleie vermischtes Mehl;
grandig, G. enthaltend, kiesig.
Qra.ua (frz., spr. grang), groß, großartig, wichtig.
<5ra.nÄ ^rm^ ottkS lispublio, gewöhnlich
abgekürzt (-. ^. N., ein 1866 in Decatur (Illinois)
gestifteter Verein von Perfonen, die während des
Bürgerkrieges im Heer der Vereinigten Staaten ge-
dient haben. Der Verein war anfangs zu Wohl-
thätigkeitszwccken gegründet und hatte keinen polit.
Charakter, begann sich aber später für die Erhöhung
der Pensionen zu interessieren und drohte seine
Stimmen für demokratische Kandidaten abzugeben,
falls die Republikaner Mangel an Freigebigkeit
zeigen sollten. Juli 1888 wurde die Mitgliederzahl
der 6. ^. auf 387473 angegeben.
Grand-Canal (spr. grännd kenäll), der wichtigste
Kanal in Irland, ist 129 wn, mit Verzweigungen
235 kni lang, verbindet Dublin mit Ballinasloe
am Suck. Der Bau wurde 1765 begonnen und
kostete 37,96 Mill. M.
Q-ranä oont (spr. grang hang), s. Cent (Maß).
Grand-Combe, La (spr. grang kongb), Haupt-
ort des Kantons G. (89,04 hkm, 6 Gemeinden,
19149 E.) im Arrondissement Alais des franz.
Depart. Gard, am Gardon d'Alais, besteht aus meh-
rern Ortschaften, die die Linie Clermont-Ferrand-
Nimes der Mitttelmeerbahn schneidet, hat (1891)
7152, als Gemeinde 13141 E., bedeutende Stein-
kohlengruben, Glashütten, Zinkschmelzen und
Koh'lenhandel. j^s. Combin.
Grand-Gombin (spr. grang kongbäng), Berg,
Grand-Croix, La (spr. grang troä), Stadt im
Kanton Rive-de-Gier, Arrondissement St. Etienne
des franz. Depart. Loire, am Gier und an der Linie
Roanne-St. Etienne-Lyon der Mittelmeerbahn, hat
(1891) 3947, als Gemeinde 4535 E., Kohlenbau
und Eisenwerke.
<5ra.nÄ-6uo (frz., spr. grang düch, Gvohherzog,
auch Großfürst; (^nä6-änc1i6836 (jpr. grangd-
düschess'), Großherzogin, Großfürstin.
Grande Chartreuse, La (spr. grangd schar-
tröhs), s. Chartreuse.
Grande-Eau, La (jpr. grangd oh), rechter
Nebenfluß der Rhone im i'chweiz. Kanton Waadt,
entspringt als wildes Vergwasser aus den Gletschern
des Creur de Champ am Nordabsturz der Diable-
rets (s.d.), empfängt vom Oldenhorn Herden Dard,
vereinen prächtigen Wafserfall bildet, fließt dann
durch das liebliche stark besiedelte Alpenthal Or-
mont, wendet sich bei Le Sepey nach SW. und tritt
bei Aigle in die Rhöneebene, um 3 km westlich, nach
27 kin langem Lauf, zu münden. Durch das Thal
führt ein Weg von Aigle zum Pillonpaß (1550 m)
und nach Gsteig ins Bernische Saaneland; von Le
Sepcy zweigt die Poststrafte nördlich über den Paß
Les Mosses (1809 m) nach Chätcau d'Oer ab.
Granden (span. <Ärlmä63), war im co^.N^che
seit dem 13. Jahrh, der erbliche Titel des höchsten
Adels oder der sog. reichen Leute (Kicog iioindi-68),
denen der König durch Erteilung des Banners das
Recht gegeben hatte, eigene Söldner zu werben. Sie
besaßen gewisse königl. Lehne, wofür sie dem König
zum Kriegsdienst und zur Stellung einer verhältnis-
mäßigen Anzahl von Söldnern verpflichtet waren;
die Lehne konnten sie nur in gewissen, gesetzlich be-
stimmten Fällen verlieren. Auch waren sie frei von
Steuern, durften ohne Genehmigung des Königs
vor keinen Richter gefordert werden und konnten
samt ihren Vasallen einem andern Fürsten selbst
gegen ihren Lehnsherrn dienen, ohne daß es ihnen
als Hochverrat angerechnet winde. Außer diesen
allgemeinen Vorrechten des hohen Adels und dem
Ansprüche auf die ersten Staatswürden standen
ihnen noch andere Auszeichnungen zu, worunter be-
sonders das Recht gehörte, bei allen öffentlichen
Handlungen in Gegenwart des Königs das Haupt
zu bedecken, ein Vorrecht, welches sie mit den sog.
Titulados, den Herzögen und Grafen, teilten. Der
König redete den G. mit ini pi-imo, d. i.mein Vetter,
an, während er einen andern vom hohen Adel nur
mit ini Mi'ioiito, d. i. mein Verwandter, anredete.
In den Cortesversammlungen saßen sie unmittelbar
hinter den Prälaten und vor den Titulados. Durch
Ferdinand und Isabella wurde unter der Leitung
der Kardinäle Mendoza und Timenes die Macht des
Lehnsadels gebrochen, sodaß am Ende des 15. Jahrh,
mit den Vorrechten der G. auch die des hohen Adels
fast ganz beseitigt waren. Ferdinands Nachfolger,
Karl V., machte aus dem unabhängigen Lehnsadel
einen abhängigen Hofadel. Seitdem entstanden drei
Klassen der G., die sich im Ceremoniell des Kopfbe-
deckens unterschieden, aber sämtlich denTitelExcellenz
führten. Allmählich veralteten jedoch die Rangunter-
schiede. Unter der Regierung Joseph Bonapartes