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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Graphische Künste - Graphologie
in den Hauptländcrn der Erde von 1830 bis
1890).- Vgl. die Drucksachen betreffend die 8.Sefsion
des Internationalen Etatist. Kongresses (Petersb.
1872); Mayr, Die
leben (Münch. 1877) ; A. Meitzen, Geschichte, Theo-
rie und Technik der Statistik (Berl. 1886).
Graphische Künste nannte man früher das
Schreiben, Zeichnen und Malen, später und jetzt
die vielen verschiedenen Künste, das Gezeichnete oder
Geschriebene graphisch so zu fixieren, daß es durch
Druck in einer Presse vervielfältigt werden kann.
Während inan init diesen ältern Reproduktions-
weiien nur Zeichnungen und Schriften vervielfäl-
tigen konnte, ermöglicht der Hinzutritt der photo-
mechan. Pressendruäverfahren, Kopien mit photogr.
Treue durch den Druck in beliebiger Anzahl herzu-
stellen. So vielfach die graphischen Darstellungs-
methodcn sind, alle lassen sich auf die drei voneinan-
der völlig verschiedenen Principien der Holzschneide-
kunst (des Hochdruckes), der Kupfcrstechkunst (des
Tiefdruckes) und der Lithographie (des Reaktions-
druckes oder Druckes aus der Ebene) zurückführen.
(S. Autotypie, Chemitypie, Farbendruck, Galvano-
glyphie, Galvanographie, Glyphographie, Holz-
sckneidekunst, Kupferstechkunst, Lichtdruck, Lithogra-
phie, Photozinlograpbie, Stahlstich, Zinkographie.)
- Vgl. Wesjely, Geschichte der G. K. (Lpz. 1891).
Graphische Statik, s. Graphostatik.
Graphit, Reißblei, in heragonalcn Tafeln kry-
stallisierendes höchst vollkommen basisch spaltbares,
eisenschwarzes bis bleigraues, mctallglänzendes,
schlüpfrig anzufühlendes, sehr weiches und daher
stark abfärbendes und mit dem Messer schneidbares
Mineral von 1,9 bis 2,3 spec. Gewicht, das wesentlich
nur aus Kohlenstoff besteht, jedoch meist mit etwas
Eisen gemengt und oft durch Kieselsäure, Kalk und
andere Stoffe verunreinigt ist. Der G. stellt daher
den Kohlenstoff in einer andern Modifikation dar,
als er im Diamant vorliegt. Er ist unschmelzbar
und verbrennt beim Glühen an der Luft sehr schwer
zu Koblensä'ure. Gereinigter G. von mchrern Fund-
orten binterläßt beim Verbrennen nur 6,25 bis 1,97
Proz. Aschenrückstand. Ein Teil des G. zeigt zufolge
Luzi die eigentümliche Erscheinung, daß, wenn man
ganz kleine Partikel desselben auf einem Platin-
blech mittels eines Glasstabes mit konzentrierter
roter rauchender Salpetersäure durchfeuchtet und
hierauf das Platinblech direkt in der Flamme eines
Bunsenbrenners glüht, lange moos- und wurm-
förmige Aufdlä'hungsgebilde (fclbst bis 20 cin lang)
entstehen und der G. ^'ogar über das Hundertfache
se'mcs Volumens aufgebläht wird. Ein anderer Teil
des G. (sog. Graphitit) zeigt diese Erscheinung
nicht nur nicht, sondern kleine Stückchen zerfallen
nach dem Durchfeuchten mit der Säure fogar oftmals
Zu einer Art Schlamm. Der G. findet sich einerfeits
als selbständiges schieferiges Aggregat, sog. Gra-
phitschicfcr, eingelagert in Gneisen, Glimmerschic-
fern, Phylliten und Kalksteinen, sodann als einzelne
Blätter und kleine Partien eingewachsen als acces-
sorisckcr Gemengteil in Graniten, verschiedenen
Schiefern und Kalksteinen. Der reinste G. ist der
von Vorrowdale in der cngl. Graffchaft Cumber-
land, von der Insel Ceylon und der aus Sibirien,
wo im Distrikt von Semipalatinsk und an der
untern Tunguska, auch im Tunkinsker Gebirgszuge
sehr viel G. gewonnen wird. Weniger rein kommt
cr in Bayern (bei Passau), Böhmen, Sachsen, der
Lausitz Steicnnark, Sahburg,Tirol, Italien, Spa-
nien, Norwegen u. s. w. vor. Auch im Meteoreisen
findet fich hin und wieder G. ausgeschieden. Die
Hauptanwendung des G. besteht in dessen Ver-
arbeitung zu Bleistiften (s. d.). Mit Thon ver-
mischt bildet er die Masse der schwarzen Graphit-
ticgel (s. d.), in Leinölfirnis angerieben eine vor-
treffliche und vielgebrauchte Anstreichfarbe (Tia-
mantfarbe). Ferner dient er als Schmiermittel zur
Verminderung der Reibung bei Mafchinen, zum
Schwärzen der eisernen Stubenösen und anderer
grober Guheisenwaren, zum überziehen der aus
Gips, Holz, Guttapercha und andern Nichtleitern
der Elektricität bestehenden Formen für die Gal-
vanoplastik, zum Polieren von Vleifchrot, in Holland
auch zum Polieren von Schiehpulver, als Bestand-
teil der Paste für das Schürfen der Rasiermesser
u. s. w. In den Eisenhochöfen und aus sehr kohlen-
stoffreichem Roheifen, wenn diefes nach dem Schmel-
zen sehr langfam erkaltet, scheiden sich oft in Menge
grauschwarze Vlättchen ab, die chemisch mit den:
G. übereinstimmen und daher H 0 ch 0 fengraphit
oder künstlicher G. genannt werden. Auch durcb
Kochen gewisser Cyanvcrbindungen mit Ätznatron
scheidet sich unter Uniständen ein Teil des Kohlen-
stoffs des Cyans als G. aus; z. V. in den Soda-
fabriken bei der Vereitung des Litznatrons.
Graphrtcement, ein Kitt, der namentlich zum
Verbinden von Eifenteilen, z. B. zum Dichten von
Röhrenleitungen verwandt wird. Derselbe wird
bereitet, indem 0 Teile Graphit, 3 Teile Kreide,
9 Teile Schwerspat, alle im fein geschlemmten,
trocknen Zustande, mit 3 Teilen Leinölfirnis zu-
sammengeknetet werden.
Graphittt, s. Graphit.
Graphrtpapier, s. Pauspapier.
Graphtttiegel, Ipser Tiegel, Passauer
Tiegel, ein aus feuerfestem Thon mit reichlichem
Zusatz von Graphit bereiteter Tiegel (s. d.). Der
Graphit hat hierbei mehrere Aufgaben zu erfüllen.
Er dient als sog. Magerungsmittel, d. h. er ver-
mindert die Neigung des Thons zum Schwinden
und Reißen beim Brennen der Tiegel; er ist un-
schmelzbar und erhöht dadurch die Feuerbeständig-
keit der Tiegel; er zerstört oxydierende Gase, welche
durch die Poren des Tiegels in das Innere ein-
dringen könnten (Wasserdampf, Kohlensäure, Sauer-
stoff), indem er selbst neue Verbindungen mit ihnen
eingeht, und verhindert solcherart deren nachteiligen
Einfluß auf das eingeschlossene Metall. Auf 1 Ge-
wichtsteil Thon in den G. pflegen 1-2 Gewichts-
teile Graphit zugefetzt zu werden. Einen G. zum
schmelzen von Guhstahl zeigt Fig. 7 der Tafel:
Eisenerzen gun g III.
Grapholrth (grch., "Schreibstein"), Tafelschiefer.
Graphologie (grch.), die Kunst, aus den Zügen
der Handfchrift eines Menschen seinen Charakter
zu erscklicßen. Wie alle Bewegungen eines Men-
schen, Gang, Haltung, selbst Sprache und Stimme,
das Gepräge seines Charakters zeigen, so besonders
auch die der Hand und der Fingerspitzen, in denen sick
die Nervenenden ganz besonders dicht beieinander
finden. Das gilt ebenso für die Handschrift des
Schreibenden wie sür das Bild des Malers und
die Vortragsweise des Musikers u. s. w. Schon in
Sckulhandschriften finden sich individuelle Ver-
schiedenheiten; ein Kind schreibt größer und schie-
fer, oder fpitzer, oder runder als das andere u. s. w.
Deutlich aber tritt der Charakter erst hervor, wenn
die Echriftform die Gedanken nich^ nck k^chai-