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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gregor (Päpste)
machus sum 500) zuerst aufgebrachte Übersendung
des Pallium allgemein einführte. Von großer Be-
deutung war auch die Thätigkeit G.s für die Aus-
breitung des Christentums in Corsica und nament-
lich unter den Angelsachsen in Britannien, wohin
er 594 den Benediktinermönch Augustinus entsandte.
G. starb 12. März 604. - Wie für die äußere Macht-
stellung der Kirche ist G. auch für ihre innere Gestal-
tung von der größten Bedeutung. Er predigte selbst
regelmäßig und suchte den Klerus zu heben; seine
"NsFula. MLtoi-aliZ" blieb jahrhundertelang Haupt-
buch für den abendländ. Klerus. Für die Ordnung
des Gottesdienstes verbesserte er das "^^ci-amsn-
wrwm" von Gelasius I. und führte durch feine Sän-
gerschule statt des bisher gebräuchlichen "Ambro-
sianischen" den sog. "Gregorianischen Kirchengesang"
ein. (S. Kirchenmusik.) Er bezeichnete zuerst das
Abendmahl als eine thatsächliche Wiederholung des
Opfers Christi am Kreuz, begünstigte den Heiligen-
und Reliquiendienst, bildete die Lehre vom Fege-
feuerund von den damit zusammenhängenden See-
len- oder Totenmessen weiter und verteidigte den
Bilderdienst, allerdings nur als Hilfsmittel für die
Unwissenden. G. wird zu den "Kirchenlehrern" (äoo
tors3 scelssias) gezählt. Das Mönchtum begün-
stigte er sehr und bahnte die Scheidung der Mönche
von den Geistlichen und ihre Befreiung von der
bischöfl. Oberaufsicht an, um in ihnen ein dem Papst-
tum unbedingt ergebenes Werkzeug zu besitzen. Die
von ihm aus den Klöstern gesammelten Wunder-
geschichten sind in seinem Buche "Dialo^oi-um äs
vita, et mii'Hculiä imtrum Italicoruin st äs astsr-
nitats HinmiN'uin lidri IV" aufgespeichert. Seine
Werke sind am besten herausgegeben von den Mau-
rinern (4 Bde., Par. 1705), auch in Mignes "?H-
ti-oloAiH latinw) Md. 75-79). Eine deutsche Über-
setzung ausgewählter Werke gab Kranzfelder (in der
"Bibliothek der Kirchenväter", Kempten 1872-74)
heraus. - Vgl. Lau, G. I. nach Leben und Lebre
(Lpz. 1845); Pfahler, G. d. Gr. und feine Zeit
(Franks, a. M. 1852); Böhringer, Die Kirche Christi
und ihre Zeugen, Bd. 12 (2. Aufl., Stuttg. 1879);
Pingaud, 1.3. politi^us äs 8t. l^i-sFoirs (Par. 1872);
Wolfsgruber, Die vorpäpstl. Lebensperiode G.s
d. Gr. (Wien 1886); Clausier, 8t. 6.1s 6ranä (Lille
1887); Bonsmann, G. I. d. Gr. (Paderb. 1891).
G. II., der Heilige (715-731), früher Sergius,
aus Nom, Benediktinermönch, befestigte den röm.
Supremat, trat den bilderfeindlichen Verordnungen
des byzant. Kaifers Leo III. des Ifauriers entfchie-
den entgegen und bannte den Patriarchen Anasta-
sius von Konstantinopel. Den Langobardenkönig
Liutprand vermochte G. durch persönliche Unter-
redung von der Einnahme Roms Abstand zu neh-
men. Zugleich wandte er sich um Schutz an die
Franken und bereitete dadurch die Verbindung des
Fränkischen Reichs mit dem päpstl. Stuhle vor.
Durch Vonifatius fesselte G. auch die deutsche Kirche
an Rom. Selbst Irland nahm die röm. Zeit der
Osterfeier und andere Gebräuche an. G. stellte das
von den Langobarden zerstörte Kloster Monte Cas-
sino wieder her, verschärfte die kirchliche Zucht und
veranlaßte die Zusammenstellung des "I^idsi- äini -
iui3 ^ontiücuui Romanoi^im", eins der ältesten
Formel- und Ceremonienbücher der röm. Kirche.
G. starb 10. Febr. 731. - Vgl. Dahmen, Das Pon-
tisikat G.s II. (Düsseld. 1888).
G.III., der Heilige (731-741), ein Syrer, befolgte
die Politik seines Vorgängers. Auf einer Synode
;u Rom 732 billigte G. die Bilderverehrung. Um
Hilfe gegen die Langobarden zu erlangen, sandte
G. 739 an Karl Martell die Schlüssel zum Grabe
des heil. Petrus nebst einigen Reliquien und bot
ihm vergeblich die Würde eines röm. Patricius an.
Den Bonifatius ernannte er zum Erzbischof und
Primas von Deutschland. G. starb 28. Nov. 741.
G. IV. (827-844), ein Römer, spielte in den
Streitigkeiten Ludwigs des Frommen mit seinen
Söhnen eine traurige Rolle, errichtete das Bistum
Hamburg und ernannte Ansgar (s. d.) zum päpstl.
Vikar für den Norden. Er führte das Fest Aller-
heiligen und angeblich das Gregoriusfest (s. d.)
ein. - Vgl. Simson, Jahrbücher des Fränkischen
Reichs unter Ludwig dem Frommen, 1. Bd., 814
-830 (Lpz. 1874).
G. V. (996-999), der erste deutsche Papst, ur-
sprünglich Bruno vonKärnten, ein Vetter
König Ottos III. und von diesem zur Wahl em-
pfohlen, war der Richtung von Cluny (s. d.) zugethan
und trug sich mit durchgreifenden Reformplänen.
Er befahl dem franz. König Robert die Trennung
seiner Ehe mit der ihm verwandten Bertha, erlag
aber dem Widerstände des röm. Adels gegen die
deutsche Herrschaft. - Vgl. Höfler, Die deutschen
Päpste, Abteil. 1 (Regensb. 1839).
G. VI., Gegenpapst Benedilts VIII. (s. d.), 1012
von den Crescentiern auf den päpstl. Stuhl erhoben,
muhte vor seinem Gegner nach Deutschland fliehen.
G. VI. (1045-46), ein Römer, vorher Johan-
nes Gratianus, ein frommer und gelehrter
Priester, bewog durch Geld den lasterhaften Papst
Venedikt IX. zur Niederlegung seiner Würde und
wurde dann selbst Papst. Da aber die Partei der
Grafen von Tusculum in Sylvester III. einen Gegen-
papst ausstellte und auch Benedikt IX. sein Amt wei-
ter sührte, die Kirche somit drei Päpste hatte, erklärte
die Synode von Sutri, 20. Dez. 1046, unter Ein-
wirkungKaiser Heinrichs III. alle drei für abgesetzt. G.
zog mit dem Kaiser nach Deutschland und starb 1048
m Köln. - Vgl. Steindorff, Jahrbücher des Deut-
schen Reichs unter Heinrich III., Bd. 1 (Lpz. 1874).
G. VIl. (1073 - 85), einer der größten Päpste.
Von seiner Jugend ist wenig bekannt. Er hieß
früher Hildebrand, war von niederer Herkunft,
um 1020 in Soana in Tuscien geboren, kam früh
nach Rom, wurde hier Benediktinermönch, dann Ver-
trauter des Erzbifchofs Laurentius von Amalsi und
schließlich Kaplan des Papstes G. VI. Nach dessen
Absetzung 1046 ging er mit ihm nach Deutschland
und trat 1048 in das Kloster Cluny ein. Papst Leo IX.
berief ihn 1049 nach Rom, machte ihn zum Sub-
diakonus und vertrauten Ratgeber in allen wich-
tigen Gefchäften der Kurie. Unter Victor II. war
Hildebrands Einfluß gering, aber Victors Nach-
folger Stephan X. (1057-58) erhob ihn zum Ar-
chidiakonus und fandte ihn wiederholt als Legaten
nach Frankreich und Deutschland. Von dieser Zeit
an leitete er die Angelegenheiten des Papsttums.
Als nach dem Tode Stephans die röm. Großen
gegen den Willen der Kardinäle den Bischof von
Velletri als Venedikt X. zum Papst erhoben hatten,
bewirkte G. unter Zustimmung der Kaiserin Agnes
die Wahl des Bischofs Gerhard von Florenz als
Nikolaus II. (1059). Sofort nach der Wahl veran-
laßte er ihn, die Papstwahl dem Einfluß der ital.
Großen dadurch zu entziehen, daß durch ein neues
Gesetz neben dem Kaiser dem Kardinalskollegium
dio entscheidende Stimme übertragen wurde, und
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