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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Gregorsorden - Greif (fabelhaftes Tier)
Seine erste bedeutendere Arbeit war"Goethes Wil-
helm Meister in seinen socialistischen Elementen" (Kö-
nigsb. 1849), die eine eigentümliche Auffassung des
modernen Lebens überhaupt bekundete. Zwei kleinere
Arbeiten: "Die Idee des Polentums" (ebd. 1848) und
die "Polen- und Magyarenliedern (ebd. 1849) waren
zu Gunsten jener Nationen geschrieben. Zwei Jahre
später erschien sein Drama "Der Tod des Tiberius"
(Hamb. 1851), dem sich fast gleichzeitig die "Geschichte
des röm. Kaisers Hadrian und seiner Zeit" (Königsb.
1851) anschloß. Diese Schrift ist von ihm ganz um-
gearbeitet und neu gedruckt u. d. T. "Der Kaiser
Hadrian, Gemälde der röm.-hellen. Welt zu seiner
Zeit" (Stuttg. 1884). Sein Buch "Corsica" (ebd.
1854; 3. Aufl. 1878) wurde ins Englische, Italie-
nische und in Corsica selbst von der korsischen Aka-
demie der Wissenschaften in Vastia ins Franzosische
übersetzt. Den Wundern Pompejis widmete er sein
episches Gedicht in Hexametern "Euphorion" (Lpz.
1858; 6. Aufl. 1891; illustrierte Prachtausgabe,
2. Aufl. 1884; Silhouetten zu "Euphorion" von
M. Rehsener, 1882); ferner übersetzte er und führte
in die deutsche Litteratur ein die "Lieder des Giovanni
Meli von Palermo" (2. Aufl., ebd. 1886). Seine
Arbeit "Die Grabdenkmäler der Päpste" (ebd. 1857;
2. Aufl. 1881; auch französisch und italienisch) ist
eine Orientierungsschrift für sein Hanptwerl "Die
Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter" (8 Bde.,
Stuttg. 1859-72; 4. Aufl. 1886 fg.). Diese große
originale Arbeit stellte er her aus den umfassendsten
Forschungen in Bibliotheken und Archiven Roms,
Italiens und Deutschlands. Der röm. Gemeinde-
rat veranstaltete nach dem Falle der päpstl. Herr-
schaft eine Fortführung der ital. Übersetzung des
Werks in Venedig auf öffentliche Kosten, und 8. März
1876 wurde G. zum Ehrenbürger der Stadt Rom er-
nannt, der erste Protestant, der diese hohe Auszeich-
nung erhielt. G. schrieb ferner "Lucrezia Borgia.
Nach Urkunden und Korrespondenzen ihrer eigenen
Zeit" (2 Bde., Stuttg. 1874; 3. Aufl. 1875), "Ur-
ban VIII. im Widerspruch zu Spanien und dem Kai-
ser", eine Episode des Dreißigjährigen Krieges (ebd.
1879; von ihm selbst ins Italienische übersetzt, Rom
1879), "Korfu, eine ionifche Idylle" (2. Aufl., Lpz.
1884), Seitenstück zu der Separatausgabe der Idylle
"Die Insel Capri" (2. Aufl., ebd. 1884), "Athe-
nais, Geschichte einer byzant. Kaiserin" (ebd. 1882;
3. Aufl. 1892). Auf Wunsch der Familie von Hum-
boldt gab er die "Briefe Alexanders von Humboldt
an seinen Bruder Wilhelm" (Stuttg. 1880) heraus
und versah sie mit einer biogr. Einleitung. Die Frucht
seiner Reise nach Griechenland 1880 war außer andern
Studien die Abhandlung "Athen in den dunkeln
Jahrhunderten" (in "Unsere Zeit", Lpz. 1881). Für
die röm. Akademie der Wissenschaften gab er einen
von ihm aufgefundenen Stadtplan Roms heraus:
"IInI. piautN di Roink ä6lin6lUH da I^onai-äo äa
V630220 Ni1an686" (Rom. 1883). Sodann schrieb
er das Eeitenstück zur "Geschichte der Stadt Rom",
die "Geschichte der Stadt Athen im Mittelalter"
(2 Bde., 2. Aufl., Stuttg. 1889), gleichfalls auf den
umfassendsten Quellenstudien beruhend. Für Vin-
cenzo Vindis "NoiiuuiLnti Ltorici ßä l^rtiätici do^Ii
^dru22i" schrieb er die histor. Einleitung. Einige
seiner zerstreut erschienenen Abhandlungen vereinigte
er u. d. T. "Kleine Schriften zur Geschichte und
Kultur" (3 Bde., Lpz. 1887-92). Aus G.' Nach-
laß gab Graf Schack "Gedichte" (Lpz. 1892), F. Alt-
haus, "Röm. Tagebücher" (Stuttg. 1892) heraus.
Gregorsorden (Orden des heiligen Gre-
gor des Großen), päpstl. Orden, 1. Sept. 1831
vom Papst Gregor XVI. zur Belohnung für Civil-
und Militärdienst gestiftet, hat seit 1834 3 Klassen,
30 Grohkreuze, 70 Commandeure und 300 Ritter.
Das Ordenszeichen ist ein rot emailliertes, acht-
spitziges Kreuz mit dem Bildnis des heil. Gregor
auf blauem Grunde und der Umschrift "8. (^r^oi-ing
Nl,xnu8"; auf dem 'Revers "?i-o I)6ci 6d ?i-incip6",
mit der Umschrift "(Fi^oi-ing XVI. ?. ^I. ^uno I."
Das Band ist rot mit gelben Randstreifen.
Gregöry, Edward John, engl. Maler, geb.
1850 zu Southampton, erhielt daselbst seine Aus-
bildung und kam dann nach London, wo er für den
"6i-l^nic'> als Zeichner thätig war. 1873 wurde er
zum Mitglied des Institute ol Mintsi'g in ^vatsr
coloui-s gewählt und stellte seitdem zahlreiche Bilder
in den Räumen dieser Körperschaft aus, wie: Norwe-
gische Piraten, Das Jüngste der Herde, Sir Galahad,
Heiliger Georg, Der letzte Versuch. Sein erstes be-
deutendes Ölgemälde war: Tagesanbruch (in einem
Ballsaal); späterhin widmete er sich der Porträt-
malerei. G. wurde 1883 Mitglied der Königlichen
Gregöryfluß, s. Albertflnß. Wademie.
Gregoryfches Spiegelteleskop, s. Fernrohr
(Bd. 6, S. 684d).
Gregr, Eduard, eigentlich Greger, Gröger,
czech. Politiker, geb. 15. März 1828 in Brezhrad bei
Königgrätz, habilitierte sich 1859 nach absolviertem
Studium der Medizin an der Prager Universität.
Mit dem Erwachen des konstitutionellen Lebens in
Osterreich (1861) wandte sich G. ausschließlich der
Publizistik und Politik zu und wurde Mitbegründer
der jungczech. Partei (s. Czechen), deren begabtester
Wortführer er ist. Er bekämpft die Altczechen und
deren Führer Nieger besonders wegen ihrer Vunoes-
genossenschaft mit den ultramontanen und feudalen
Elementen, steht aber trotz seiner liberalen Grund-
sätze in unversöhnlichem Gegensatz zu der deutschen
Partei Böhmens, da er den Aufbau eines erUusiv
czech. Staates anstrebt. Er ist seit 1861 Mitglied des
böhm. Landtags, seit 1889 auch des Landesaus-
schusses und seit 1883 als Vertreter des Naudnitzer
Bezirks Abgeordneter des Reichsrats.
Gregr, Julius, Bruder des vorigen, gcb. 19. Okt.
1831 in Brezhrad, widmete sich nach kurzer jurist.
Praxis in Friedland der Journalistik und gründete
1861 das Blatt Mkroäni liät)", das unter allen
czech. Zeitungen verbrcitetste und einflußreichste
Organ der jungczech. Partei. Unter dem Mini-
sterium Schmerling (1861-65) wurde G. wieder-
holt in Preßprozesse verwickelt; 1862 verbüßte er
eine Gefängnisstrafe von 10 Monaten. G. ist
böhm. Landtagsabgeordneter und war Mitglied
des Neichsrats. Aus letzterm trat er 1880 aus, da
er sich der altczech.Ältajorität im CzechischenKlub nicht
unterordnen mochte. Als Redner trat er seltener
hervor. Seit dem System Taasfe richtet G. seine
heftige Sprache weniger gegen die Regierung als
gegen das Deutschtum und gegen die Altczechen
und deren Verbündete.
Greif (grch. 31^3; lat. ^r^nuä), ein fabelhaftes
Tier des Altertums, das an Größe und Stärke
einem Löwen gleich, mit vier Krallenfühen, zwei
Flügeln und dem krummen Schnabel eines Raub-
vogels versehen (s. umstehende Figur), dem Orient
(schon aufReliefs vonNimrud ähnliche Gebilde) seine
Entstehung verdankt. Die G. erscheinen häusig, von
den ältesten Zeiten Griechenlands an, als Verzie-