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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Greifswalder Bodden; Greifswalder Oie; Greifzirkel; Grein; Greina; Greinerwald; Greis

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Greifswalder Bodden - Greis

Krieg gegen die Fürsten von Mecklenburg, welche sich nach Wizlaws IV. Tode (1325) Rügens bemächtigen wollten. Durch seinen Bürgermeister Heinr. Rubenow erhielt G. 1451 seine Verfassung in 17 Statuten, die, wenn auch in einigen Teilen 1651 überarbeitet und ins Hochdeutsche übertragen, bis in die neueste Zeit zu Recht bestand und erst 1873 durch einen neuen Stadtreceß wesentlich verändert wurde. Der Wohlstand G.s geriet durch die Besetzung mit Wallensteinschen Truppen (1627-31) und durch die beiden Belagerungen des Großen Kurfürsten (1659 und 1678) sowie durch den Nordischen Krieg, in dem es 1711 von Russen, Polen und Sachsen besetzt, und durch eine Feuersbrunst (1713) verheert ward, in Verfall, hob sich aber unter der milden Herrschaft Schwedens seit 1648 zu neuer Blüte. 1758-59 wurde G. vorübergehend von den Preußen, 1807-10 von den Franzosen besetzt. 1815 kam die Stadt mit dem übrigen Schwedisch-Pommern an Preußen. Eine Sturmflut richtete 13. Nov. 1872 großen Schaden an. - Vgl. Gesterding, Beitrag zur Geschichte der Stadt G. (3 Bde., Greifsw. 1827-29); Kosegarten, Geschichte der Universität G. (3 Tle., ebd. 1857); Pyl, Geschichte der Greifswalder Kirchen u. s. w. und des Ursprungs der Stadt (3 Bde., ebd. 1885-87); Berqhaus, Landbuch der Provinz Pommern, Bd. 4 (Anklam 1865); Perlbach, Versuch einer Geschichte der Universitätsbibliothek zu G., 1. Heft bis 1785 (Greifsw. 1882).

Greifswalder Bodden, s. Bodden.

Greifswalder Oie, kleine Felseninsel in der Ostsee, 15 km östlich von der Halbinsel Mönchgut auf Rügen, hat einen 30 m hohen Leuchtturm, einen Nothafen und ist Signalstelle erster Klasse der Deutschen Seewarte.

Greifzirkel, in der Praxis oft Taster genannt, ein Zirkel mit gebogenen Schenkeln, welcher zum Messen in zahlreichen Fällen benutzt wird, wo geradschenklige Zirkel nicht anwendbar sein würden; so z. B. beim Messen eines Kugeldurchmessers, eines Cylinderdurchmessers, wenn die Endflächen des Cylinders nicht zugänglich sind u. s. f. Die Abbildungen lassen die Einrichtung dieser Zirkel deutlich erkennen. Fig. 1 ist ein Scharnierzirkel, Fig. 2 ein Federzirkel.

^[Abb.: Fig. 1., Fig. 2.]

Grein, Gewicht, s. Gran.

Grein, Stadt in der österr. Bezirkshauptmannschaft Perg in Oberösterreich, links an der Donau (218 m), Station der Donaudampfschiffe, hat (1890) 1125, als Gemeinde 1330 E., Post, Bezirksgericht (299,24 qkm, 10 Gemeinden, 106 Ortschaften, 15 467 kath. deutsche E.), ein Schloß, an Stelle der alten Greinburg im 16. Jahrh. von den Herren von Meggau erbaut, seit 1823 im Besitz des Herzogs von Sachsen-Coburg. Auf der Höhe (468 m), eine Stunde nördlich von G., das Kaltwasserbad Kreuzen (s. d.). Unterhalb G. sind zwei Stromschnellen, der Strudel (250 m lang, 9-13 m breit) und Wirbel, durch 1853-66 beendete Sprengungen teilweise beseitigt und jetzt für die Schiffahrt ganz gefahrlos. Westlich von G. beim Dorfe Klam (770 E.) auf einer steilen Anhöhe über dem Klambach das Schloß Clam des Grafen Clam-Martinicz, mit gewaltigem Wartturm und prächtigem Ahnensaal. G. wurde von Kaiser Friedrich III. 1491 zur Stadt erhoben.

Grein, Michael, Germanist, geb. 16. Okt. 1825 in Willingshausen bei Ziegenhain, studierte in Marburg und Jena Naturwissenschaften und Germanistik, wurde 1862 Privatdocent in Marburg, 1865 Archivar am kurfürstl. Archiv in Cassel, 1870 in Marburg, 1873 daselbst außerord. Professor. Er starb 15. Juni 1877 in Hannover. Sein Hauptwerk, die "Bibliothek der angelsächs. Poesie" (4 Bde., Gött. 1857-64; neu hg. von Wülker, 2Bde., Cass. 1881-88), der eine "Bibliothek der angelsächs. Prosa" (Bd. 1, Gött. 1872; fortgesetzt von Wülker, Bd. 3, Cass. 1889) und eine stabreimende Übersetzung der "Dichtungen der Angelsachsen" (2 Bde., Gött. 1857-59) folgte, ist eine vortreffliche, durch ihr wertvolles Wörterbuch noch heute unentbehrliche Sammlung der angelsächs. Dichtungen.

Greina, La, Paß zwischen den Lepontinischen und den Adula-Alpen, an der Grenze der schweiz. Kantone Graubünden und Tessin, verbindet das Vorderrheinthal mit dem Bleniothal. Der Weg überschreitet bei Surrhein den Vorderrhein und steigt als rauher Fußpfad durch die malerische Val Somvix zu dem grünen Hochthale G. hinauf, das sich 7 km lang zwischen den vergletscherten Medelserbergen und den Ausläufern des Rheinwaldgebirges nach W. zieht, überschreitet die Paßhöhe Passo crap (2360 m) und senkt sich steil in die felsige Val Camadra hinab, um bei Olivone (893 m) die Lukmanierstraße zu erreichen. Auch von Ilanz (s. d.) führt ein Weg durch das Lugnetz und das Brinthal und über den Paß Diesrut (2424 m) zum G. Beide Wege sind seit der Eröffnung der Lukmanierstraße verödet.

Greinerwald, Teil des Böhmerwaldes (s. d.); bildet die Grenze zwischen Nieder- und Oberösterreich.

Greis wird der Mensch während der Periode der Abnahme oder des Welkens genannt. Das Greisenalter oder Greisentum (senium, senectus), die Zeit, wo die, auch geringe, Abnutzung des Körpers größer ist als der Ersatz für das Verbrauchte, beginnt im allgemeinen beim Mann zwischen dem 50. und 60. Jahre, bei der Frau zwischen dem 40. und 55. Jahre.

Das Überwiegen der Rückbildung (Involution) über die Ernährung macht sich an allen Organen geltend. Das Gehirn atrophiert, es tritt Gehirnschwund und an die Stelle des Festen eine größere Menge Gehirnflüssigkeit (Gehirnwassersucht) ein. Dem entsprechend leiden auch die geistigen Fähigkeiten. Das Gedächtnis wird unsicher, einzelne Erinnerungen schwinden ganz, während andere mit Hartnäckigkeit festgehalten und mit Vorliebe gepflegt werden; die Aufnahme neuer Wissensgegenstände und neuer Ideen ist geschwächt, die Kombination erlahmt u. s. w. Der Gehirnschwund disponiert außerdem zu Er-^[folgende Seite]