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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Grétry; Gretsch; Greußen; Greuter; Greux; Greuze

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Grétry – Greuze

Grétry, André Ernest Modeste, franz. Komponist, geb. 8. Febr. 1741 in Lüttich, erhielt als Chorknabe an der Kirche St. Denis musikalischen Unterricht und ging, mit einem Stipendium vom Lütticher Domkapitel versehen, 1759 nach Rom. Hier studierte er unter der Leitung Casalis, schrieb einige ital. Scenen und Sinfonien, die man mit Beifall aufnahm, unter andern das Intermezzo «La vendémiatrice». Anfang 1767 wandte er sich nach Genf, wo er mit Erfolg die Oper «Isabelle et Gertrude» aufführen ließ. Sein nächstes Ziel war Paris, wo indes seine musikalisch-dramat. Thätigkeit, auf die sein ganzer Ehrgeiz gerichtet war, anfangs nicht in Fluß kommen wollte. Durch die Vermittelung des schwed. Gesandten, Grafen von Creutz, überließ ihm endlich Marmontel das Libretto der Oper «Le Huron», die im Aug. 1768 aufgeführt wurde und großen Erfolg hatte. Ihr folgten unter beifälliger Aufnahme «Lucile» und «Le tableau parlant», denen sich bis 1803 unter Steigerung seines Ruhms noch gegen 50 anschlossen. Aus dieser Reihe sind hervorzuheben: «Les deux avares», «Zémire et Azor», «L’ami de la maison», «La rosière de Salency», «La fausse magie», «L’amant jaloux», «Les événement imprévus», «Aucassin et Nicolette», «Richard Cœur-de-Lion», «La caravane du Caire», «Panurge», «Anacréon chez Polycrate», «Raoul Barbe-Bleue» u.s.w. Bei der Gründung des Konservatoriums erhielt G. eine von den Inspektorstellen, die er aber nur kurze Zeit bekleidete. Die letzten Jahre seines Lebens verbrachte er meist auf Rousseaus Eremitage zu Montmorency, die er erworben hatte. Hier starb er 24. Sept. 1813. G.s Büste wurde noch bei seinen Lebzeiten im Foyer der Großen Oper, seine Statue im Vestibül der Opéra comique aufgestellt. Soweit Anmut und Frische, lebendiges Gefühl und Geist reichen, hat G. Vortreffliches geleistet; für das Große und Tiefbedeutende genügte seine Kraft nicht. In der That war darum auch nur die komische Oper und wohl auch noch die semi-seria das Feld seines eigentlichen Wirkens. Außer Opern schrieb G. einige Kompositionen für Kirche und Kammer und trat auch als Schriftsteller auf, indem er «Mémoires ou essais sur la musique» (Par. 1789; 2. Aufl., 3 Bde., 1796; deutsch von Spazier, Lpz. 1800) veröffentlichte. Von der mit Unterstützung der belg. Regierung von Breitkopf+Härtel veranstalteten kritischen Gesamtausgabe seiner Werke erschienen 1883–93 15 Bände.

Gretsch, Nikolaj Iwanowitsch, russ. Schriftsteller, geb. 14. (3.) Aug. 1787 in Petersburg, war daselbst Lehrer der russ. Litteratur, wurde 1829 im Ministerium des Innern angestellt und starb 24. (12.) Jan. 1867. G. war 1830–40 der einflußreichste russ. Schriftsteller, doch schadeten ihm sehr seine Beziehungen zu Bulgarin (s. d.), mit dem er 1825–60 die «Sěvernaja Pčela» («Nordische Biene») in konservativ-polizeilichem Sinne herausgab. 1812 hatte er schon die Wochenschrift «Sohn des Vaterlandes» gegründet, die er bis 1818 redigierte. Seine bedeutendsten Arbeiten sind die «Ausführliche russ. Sprachlehre» (1830 u. ö.) und der «Versuch einer Geschichte der russ. Litteratur», 14 Bde., Petersb. 1819–22; 3. Aufl. 1844). Letztere enthält eine Rhetorik und Poetik nebst Proben aus russ. Dichtern und Prosaikern und nur eine kurze Übersicht der russ. Litteratur (diese deutsch in Ottos Lehrbuch der russ. Litteratur, Lpz. 1837). Ferner versuchte sich G. im Roman («Die schwarze Frau»), ↔ veröffentlichte «Reisebriefe aus England, Frankreich und Deutschland» (3 Bde., Petersb. 1838), «Briefe von einer Reise in Deutschland, der Schweiz und Italien" (3 Bde., ebd. 1843), «Vorlesungen über russ. Litteratur» (2 Bde., ebd. 1841) u. a. Eine Ausgabe seiner Werke in 3 Bänden erschien in Petersburg 1855, seine «Aufzeichnungen über mein Leben» (ebd. 1886).

Greußen, Stadt im Landratsamt Sondershausen, Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (Unterherrschaft), 24 km im SO. von Sondershausen, an der Helbe, in flacher Gegend, an der Linie Nordhausen-Erfurt der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Erfurt), hat (1890) 3461 evang. E., Post zweiter Klasse, Telegraph, Cichorienfabrik, Zuckerfabrik, 3 Malzfabriken, landwirtschaftliche Maschinenfabrik, Molkerei, je 3 Brauereien und Dampfziegeleien und in der Umgegend Tuffsteingräbereien.

Greuter, Joseph, klerikaler österr. Politiker, geb. 1817 zu Tarrenz im Oberinnthal, trat in den Priesterstand und wurde 1849 Gymnasiallehrer in Innsbruck. Seit 1864 Mitglied des tirol. Landtags und des Abgeordnetenhauses, war er einer der Wortführer der klerikalen Partei im Reichsrat und ein Führer der Ultramontanen Tirols, wobei er sich durch seine volkstümliche Beredsamkeit und seinen oft treffenden Witz bemerkbar machte. G. wirkte mit Giovannelli für das Zusammengehen der klerikalen Abgeordneten der deutschen Provinzen mit den Slawen, für die Aufrechterhaltung des «eisernen Ringes» der Rechten. Er starb 22. Juni 1888 zu Innsbruck.

Greux (spr. gröh), Gustave Marie, franz. Radierer, geb. 1828 zu Paris, war Schüler des Malers Gleyre und widmete sich anfangs der Dekorationsmalerei, seit 1860 aber unter Leitung Gaucherels der Radierkunst. Zu seinen bekanntesten Originalradierungen gehören die Pariser Ansichten, wie das Innere von Notre-Dame (1869), der Lettner der Kirche St. Etienne du Mont u.s.w. Ferner lieferte er Stiche für Lièvres «Collections célèbres d’œuvres d’art» und Radierungen nach Ruisdael, Delacroix, Claude Lorrain u. a., die meist in der Kunstzeitschrift «L’Art» erschienen.

Greuze (spr. gröhs'), Jean Baptiste, franz. Genremaler, geb. 21. Aug. 1725 zu Tournus (Depart. Saône-et-Loire), erhielt den ersten Unterricht von dem Lyoner Maler Gromdon und besuchte dann die Akademie in Paris. Seine ersten Bilder: Bibelvorlesung des Hausvaters (Dresdener Galerie), Der getäuschte Blinde (1755), fanden allgemeinen Beifall. 1756 weilte er in Italien, wo seine Kunst eine neue Richtung bekam; nach Paris zurückgekehrt, wurde er 1769 mit dem Gemälde: Kaiser Severus seinen Sohn Caracalla wegen des gegen ihn in den Engpässen Schottlands geplanten Attentats zur Rechenschaft ziehend (im Louvre), in die Akademie aufgenommen. G. starb 21. März 1805 zu Paris. Er malte im Sinne Diderots, der ihn hoch feierte, Vorgänge aus dem Leben des franz. Bürgerlichen Mittelstandes in empfindsamer Auffassung und mit lehrhafter Absicht; dazu kommen noch eine Anzahl Bildnisse naiver und anmutiger junger Mädchen (eins der anziehendsten im Berliner Museum). Von seinen Genrebildern besitzt das Louvre in Paris: Verlobung auf dem Dorfe (1761), Der Fluch des Vaters, Rückkehr des reuigen Sohnes, Der zerbrochene Krug (s. Tafel: Französische Kunst V, Fig. 8, Bd. 7, S.154); das Museum in Montpellier:

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 309.