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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Grew; Grey

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Grew – Grey (De Grey, Adelsgeschlecht)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Grévy (Jules)'

1880 die Märzdekrete gegen die vom Staate nicht anerkannten Kongregationen, sprach sich 1882 gegen die von dem radikalen Pariser Gemeinderat beantragte Errichtung einer Centralmairie aus und wirkte, wenn auch nicht offiziell, der von Gambetta geplanten Listenwahl entgegen, dessen «Politik der Abenteuer» von G. überhaupt gemißbilligt wurde. Andererseits freilich ließ er 1883 die Aufnahme des chauvinistisch gesinnten Generals Thibaudin als Kriegsminister in die zwei aufeinander folgenden Ministerien Fallières und Ferry zu und unterzeichnete das von Thibaudin gegen die Prinzen von Orléans gerichtete Dekret vom 15. Febr. 1883. Bei dem Besuche, den König Alfons von Spanien 29. Sept. 1883 der Stadt Paris abstattete, unterließ er es, dem durch die Presse angekündigten Straßenskandal in geeigneter Weise vorzubeugen, und willigte nur mit Widerstreben in die Entlassung des Kriegsministers Thibaudin. Am 28. Dez. 1885 wurde G. mit 457 Stimmen unter 589 Votanten von neuem zum Präsidenten der Republik gewählt, obwohl seine geringe Thätigkeit und seine für Knauserei erklärte Sparsamkeit ihn nicht sehr beliebt gemacht hatten. Seine Unpopularität mußte er bei dem Nationalfest 14. Juli 1887 persönlich erfahren. Bald darauf ward durch den Prozeß Caffarel Limousin der Handel aufgedeckt, den G.s Schwiegersohn Wilson in ausgedehntem Maße mit Ämtern und Orden betrieb. (S. Frankreich, Bd. 7, S. 122b.) An dessen Schuld glauben wollte G. aber auch dann noch nicht, als schlagende und höchst skandalöse Beweise sie außer Frage stellten. Dies erschütterte seine Stellung derart, daß Clémenceau direkt von ihm die Niederlegung seiner Würde verlangen konnte. G. verweigerte dies und erklärte sich erst dazu bereit, als er an Stelle des zurückgetretenen Ministeriums Rouvier kein neues zu bilden vermochte (1. Dez. 1887). Da brachte die Sorge, Ferry könnte Präsident werden, mehrere radikale Abgeordnete dazu, G. zum Bleiben zu bewegen. Er ließ sich dazu bestimmen, und erst als die Kammer, durch fast einstimmiges Votum, die Erwartung seines Rücktritts aussprach, legte er in einer Botschaft an die beiden Kammern 2. Dez. 1887 sein Amt nieder. Er starb 9. Sept. 1891 in Mont-sous-Vaudrey, wo er die letzten Jahre seines Lebens in völliger Zurückgezogenheit verbracht hatte. In Dôle wurde ihm 1893 ein Denkmal (von Carrier-Belleuse und Falguière) errichtet. – Vgl. Barbou, M. G. (Par. 1879); Discours politiques et judiciaires de M. G. (hg. von Delabrousse, 2 Bde., ebd. 1888).

Grew (spr. gruh), Nehemiah, engl. Botaniker, geb. um 1628, studierte Medizin und lieft sich als Arzt in seiner Vaterstadt Coventry nieder; 1672 siedelte er nach London über und wurde 1677 Sekretär der Royal Society, der er schon seit 1670 als Mitglied angehörte; er starb 25. März 1711 in London. G. ist neben Malpighi als Begründer der wissenschaftlichen Pflanzenhistologie zu nennen. Sein Hauptwerk in dieser Richtung ist «The anatomy of plants etc.» (Lond. 1672), das 1682 in zweiter Auflage zugleich mit dem 1673 zuerst gedruckten Aufsatze «An idea of a philosophical history of plants» herausgegeben wurde. Auch mit pflanzenphysiol. Untersuchungen hat sich G. beschäftigt, so z.B. mit der Frage nach der Ursache des Windens der Schlingpflanzen, mit der Sexualität der Pflanzen.

Grey (spr. greh), De Grey, engl. Adelsgeschlecht, das auf kurze Zeit den Thron einnahm, ↔ soll von Rollo, einem Kammerherrn Roberts, Herzogs von der Normandie, abstammen, der das Schloß Croy in der Picardie zum Lehn erhielt und sich daher Seigneur de Croy nannte. Einer seiner Nachkommen begleitete Wilhelm den Eroberer nach England, wo der Name sich im Lauf der Zeit in Grey (oder Gray) verwandelte. Henry de G. erhielt von Richard I. die Ländereien von Turroc in Essex. Dessen Enkel, Reginald, ward als Lord G. de Ruthyn 1322 ins Oberhaus berufen und hinterließ zwei Söhne, John und Edward. Letzterer heiratete die Erbin des Lord Ferrers de Groby, welchen Titel er annahm.

Reginald, Lord G. von Ruthyn, focht unter Heinrich IV. gegen Owen Glendower von Wales und geriet 1402 in dessen Gefangenschaft. John G., Lord Ferrers de Groby, fiel 1461 in der Schlacht von St. Albans, worauf seine Witwe, Elisabeth Woodville, Tochter des Grafen Rivers, sich in zweiter Ehe mit König Eduard IV. vermählte, dem sie Eduard V. und die Prinzessin Elisabeth, Gemahlin Heinrichs VII., gebar. Von ihrem ersten Gatten hatte sie zwei Söhne, deren ältester, Thomas G., 1471 zum Grafen von Huntingdon und 1475 zum Marquis von Dorset erhoben wurde. Er wirkte für die Thronbesteigung Heinrichs VII. und starb 10. April 1501. Sein Enkel, Henry G., dritter Marquis von Dorset, heiratete Frances Brandon, Tochter des Herzogs von Suffolk und Maria Tudors, der Tochter Heinrichs VII. und Witwe Ludwigs XII. von Frankreich, und wurde 1551 nach dem Tode seines Schwiegervaters zum Herzog von Suffolk (s. d.) ernannt.

Seine Tochter war Jane G., die durch ihr tragisches Schicksal bekannte Gegenkönigin der Königin Maria. Sie war wenig mehr als das Werkzeug des Ehrgeizes des Herzogs von Northumberland, der seine Allmacht auch nach Eduards VI. Tode zu behaupten strebte. Er verheiratete 1553 seinen jüngern Sohn Guildford Dudley mit der 1535 geborenen Jane G. und nötigte dem jungen Eduard eine Thronfolgeordnung ab, die anstatt seiner Schwestern Maria und Elisabeth Jane G.an die erste Stelle setzte. Jane kam die Nachricht von ihrer Erhebung nach Eduards Tod (6. Juli 1553) völlig überraschend. Sie ließ jedoch ihre Ausrufung als Königin geschehen, vermochte aber nicht die natürliche, von Heinrich VIII. gewollte Erbordnung umzustoßen. Trotz der Sorge vor der streng kath. Maria wurde deren Anhang sofort übermächtig, Northumberland ergab sich ohne Widerstand und wurde 22. Aug. 1553 hingerichtet. Jane, ihr Gemahl und ihr Vater, der Herzog von Suffolk, wurden im Tower in Haft gehalten. Als aber letzterer nach seiner Freilassung an der Empörung des Thomas Wyatt (1554) sich beteiligt hatte, wurden nach deren Unterdrückung neben den Rebellen auch Jane und ihr Gatte in das Verderben gezogen. Am 12. Febr. 1554 fielen ihre Häupter auf dem Blutgerüst, fünf Tage darauf das ihres Vaters.

Der überlebende Bruder ihres Vaters, Lord John G., setzte das Geschlecht fort, sein Enkel Henry Lord G. von Groby (gest. 1673) wurde 1628 zum Grafen Stamford erhoben; er befehligte im Bürgerkriege auf Seite des Parlaments gegen Karl I., sein ältester Sohn Thomas gehörte sogar zu dessen Richtern. Von seinem ältesten Enkel ging die Grafenwürde 1720 auf dessen Vetter, den Erben seines dritten Sohnes, Harry G., fünften Grafen Stam-