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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Griechenland (Geschichte 500–404 v. Chr.)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Griechenland (Geschichte)'

Die Entwicklung dieser letztern kann man näher in dem Staate verfolgen, der gegen das Ende dieser Periode neben Sparta in den Vordergrund der griech. Geschichte tritt: in Athen. Hier hatte sich, etwa 621, die herrschende Klasse genötigt gesehen, durch einen aus ihrer Mitte, Drako (s. d.), eine Aufzeichnung des bestehenden Gewohnheitsrechts vornehmen zu lassen, um dem Volke einige Garantie gegen die Willkür der Gerichte zu geben; allein dieser Zweck war durch die übermäßige Härte der als Gesetze aufgestellten Bestimmungen vereitelt worden. Kurz darauf suchte ein ehrgeiziger Mann, Kylon (s. d.), sich Athens zu bemächtigen, allein der Versuch mißglückte; darauf wurde der Staat jahrelang durch die heftigsten Parteikämpfe zerrüttet, bis 584 der Eupatride Solon (s. d.) zum ersten Archon gewählt und mit außerordentlicher Vollmacht zur Schlichtung der socialen Wirren und dann (593) zur Schöpfung einer neuen Verfassung und Gesetzgebung betraut wurde. Derselbe suchte, nachdem er zunächst durch mehrere durchgreifende Finanzmaßregeln die drückende Lage der ärmern Klassen erleichtert hatte, durch eine Einteilung der Bürger nach Vermögensklassen, welche das Maß der polit. Rechte und Pflichten nach dem Grundbesitz und den Leistungen für den Staat regelte, eine wohlberechnete Mischung des aristokratischen und demokratischen Elements herbeizuführen. Allein seine Verfassung, die den einen nicht weit genug, den andern zu weit ging, vermochte nicht, dem Staat auf die Dauer den Frieden zu geben; die Kämpfe zwischen den drei Parteien der Pediäer, Paralier und Diakrier brachen von neuem aus, und der Führer der letztern, Pisistratus (s. d.), bemächtigte sich, nachdem er sich durch List eine bewaffnete Leibwache verschafft, mit Hilfe derselben der Tyrannis (560). Zweimal (559–554 und 552–541) durch seine adligen Gegner vertrieben, kehrte er endlich 541 als Sieger zurück und behauptete sich bis zu seinem Tode (527) in der Herrschaft, die er im wesentlichen zum Besten des Staates führte, indem er namentlich der Kunst und der Gewerbthätigkeit Athens einen bedeutenden Aufschwung gab. Sein Sohn Hippias (s. d.) folgte ihm in der Regierung, wurde aber, als er nach der Ermordung seines Bruders Hipparchus (s. d.) durch die Edelleute Harmodius (s. d.) und Aristogiton (514) hart und gewaltthätig auftrat, 510 mit Hilfe der Spartaner vertrieben und zog sich nach der Stadt Sigeion in Troas, die ihm gehörte, unter den Schutz des pers. Hofs zurück. In Athen gelangten nun zunächst wieder die Eupatriden ans Ruder; allein ein hervorragendes Mitglied derselben, der Alkmäonide Kleisthenes (s. d.), trat zum Demos über und gab auf Grundlage der Solonischen Verfassung, die er in manchen Punkten in mehr demokratischem Sinne umbildete, der Verwaltung eine Organisation, welche die Übermacht des Adels brach (508 v. Chr.). Zwar wurde er auf Betrieb seines Gegners Isagoras mit Hilfe des spartan. Königs Kleomenes aus Athen vertrieben, aber vom Volke bald zurückgerufen, und als ein Heer aus Peloponnesiern, Thebanern und Chalkidiern in Attika einbrach, um dem Demos wider seinen Willen die Ritterherrschaft wieder aufzuzwingen, triumphierte das Glück Athens und der Mut seiner Bürger über die drohende Gefahr: das peloponnes. Heer löste sich auf Veranlassung der Korinther, welche die allzu große Machterweiterung Spartas ↔ fürchteten, auf, die Thebaner und Chalkidier aber wurden von den Athenern geschlagen, Chalkis gedemütigt, ein Teil seines Gebietes unter 4000 athen. Bürger verteilt; die Thebaner mußten sich den Bund Platääs mit Athen gefallen lassen (506 v. Chr.). Dieser Sieg erfüllte die Athener mit hohem Selbstgefühl, und als die Thebaner sich mit den Bewohnern von Ägina verbündeten, das, seitdem es sich (581 v. Chr.) von seiner Mutterstadt Epidaurus emancipiert hatte, nahezu die erste Seemacht von Hellas geworden, da wandte auch Athen größere Mittel auf die Flotte, und begann mit Ägina einen Kampf, der freilich erst später zur Entscheidung kam.

Weit früher als Athen erhob sich Sparta zum Range einer hellen. Vormacht. Durch die Lykurgische Verfassung innerlich gekräftigt, suchte es seine Herrschaft über die Grenzen Lakoniens auszubreiten. Durch zwei langdauernde und blutige Kriege gelang es den Spartanern, sich das benachbarte Messenien zu unterwerfen. Eine weitere Ausbreitung ihres Gebietes gelang den Spartanern im Osten und Nordosten, wo sie die ursprünglich den Argivern gehörige Ostküste der Parnonhalbinsel mit der Landschaft Kynuria nach langen und harten Kämpfen diesen entrissen und dadurch Argos, das bis dahin der erste Staat der Halbinsel gewesen, zum zweiten herabdrückten. Auch ihre nördl. Grenznachbarn, die Arkadier, überzogen sie mit Krieg, mußten aber infolge des tapfern Widerstandes von seiten Tegeas sich mit einer unbedeutenden Gebietserweiterung im obern Eurotasthale und mit einer Bundesgenossenschaft begnügen (um 555). Dagegen gelang es ihnen, den ganzen Peloponnes (außer Argos und Achaia) unter ihrer Hegemonie zu einer starken Symmachie zu vereinigen. Sparta galt als die Hauptmacht der griech. Aristokratie.

3) Von den Perserkriegen bis zum Ende des Peloponnesischen Krieges (500–404 v. Chr.). Bis zum Beginn dieser Periode, der klassischen Blütezeit G.s, hatte es den entwickelten Kulturstämmen der Griechen an einer äußern Veranlassung gefehlt, welche außer einigen, mehr ethischen Zeichen der Nationaleinheit, den gemeinsamen heiligen Spielen zu Olympia, auf dem korinth. Isthmus, in Delphi und in Nemea, der gemeinsamen Religion, der delphischen Amphiktyonie und dem delphischen Orakel, die Masse der griech. Völker auch politisch näher zusammengeführt hätte. Eine solche Veranlassung gab erst die Gefahr, welche die Perserkriege allen Griechen nahezu auf gleiche Weise brachten. Wenn auch in diesem Kampfe Sparta und Athen die Vorkämpfer waren, so schlossen sich doch die meisten übrigen Staaten (mit Ausnahme von Argos, das aus Eifersucht gegen die Führerschaft Spartas sich von der nationalen Sache dauernd fern hielt, von Theben, Thessalien, der Insel Kerkyra u. a.) an, sodaß es für einige Zeit fast völlig zu einer Vereinigung der Nation kam. Beim Beginn dieser Kämpfe (500 v. Chr.) besaß Sparta eine unbestreitbare Überlegenheit an äußern Mitteln; Athen sollte seine Ebenbürtigkeit erst beweisen. Das griech. Mutterland, das mit Persien selbst nie in unmittelbare Berührung gekommen war, wurde durch seine Pflanzstädte in Kleinasien in den Kampf verwickelt. Aristagoras von Milet war, als er um Unterstützung der 500 v. Chr. von Persien abgefallenen ion. Städte nachsuchte, von Sparta kalt zurückgewiesen worden. Die Athener, welche ihm

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 323.