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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Griechenland Geschichte (1503–1832)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Griechenland (Geschichte)'

Reich durch innere Unruhen und durch das Vordringen der Osmanen in Kleinasien stark geschwächt war, fiel (seit 1331) der König von Serbien, Stephan Duschan, in das Reich ein, eroberte beinahe ganz Epirus, Macedonien und Thessalien, nahm (1346) den Kaisertitel an und übertrug (1349–50) die Herrschaft über Thessalien und Epirus einem seiner Feldherren, dem «Cäsar» Gregor Preliub, während er Ätolien und Akarnanien als besonderes Despotat seinem Bruder Simeon überließ. Als aber Duschan zu Ende 1355 starb, zerfiel das Reich. Simeon und sein Sohn Johannes behauptete Thessalien und die Hoheit über die Acheloosländer und Epirus; doch regierten in letzterm Gebiet seit 1358 in Wahrheit teils serbische, teils ital. Dynasten, teils albanes. Häuptlinge, bis 1430 die Türken die Suprematie in dem Despotat Epirus gewannen. Während Venedig die Küste des Adriatischen Meers behauptete, unterwarfen die Türken allmählich Albanien. Nur ein kleiner Teil der Albanesen behauptete (1443–68) unter des heldenmütigen Skanderbeg (s. d.) Führung noch eine ehrenvolle Unabhängigkeit, bis gänzliche Erschöpfung und der Tod dieses Helden auch sein Gebiet zur Beute der Osmanen machten.

Gleiches Schicksal hatte nach mannigfachen Drangsalen und öfterm Wechsel seiner Beherrscher das Herzogtum Athen. Gegen die Catalonier, die seit 1311 im Besitz der Herrschaft waren (s. oben), eröffnete 1384 Rainerio Acciajuoli den Krieg, der Abkömmling eines florentin. Geschlechts, der um diese Zeit Korinth und Vostitsa besaß; er eroberte 1385 das Herzogtum und wurde 14. Jan. 1394 von Ladislaus, dem König von Neapel, als neuer Herzog von Athen legitimiert. Er starb 1394; seine Nachkommen behaupteten sich bis 1458, dann fiel auch Athen in die Hände der Türken und wurde dem Osmanischen Reich einverleibt. Vollendet wurde die Unterwerfung von Morea durch die Eroberung des fränk. Fürstentums Achaia und des byzant. Despotats von Lacedämon. Das Fürstentum Achaia war (1364) nach dem Tode Roberts von Tarent (s. oben) als Vermächtnis an dessen Witwe, Maria von Bourbon, gekommen, der es aber ihr Schwager Philipp II. (III.) von Anjou-Tarent 1370 durch Vertrag abgewann. Als dieser 1373 starb, huldigten die Barone des Landes der Königin Johanna I. von Neapel. Jakob von Baux, ein Neffe Philipps II., warb jedoch eine große span.-franz. Söldnerschar, die sog. Navarresische Compagnie, die ihm 1381 Morea eroberte. Als er 1383 starb, regierten die Führer der Navarresen als «Vikare» das Land. Einer derselben, Peter Bordo von Saint Superan, erkaufte endlich 1396 von König Ladislaus von Neapel die Anerkennung als Fürst Peter von Achaia oder Morea. Als er 1402 starb, wußte 1404 unter neapolit. Zustimmung der intrigante Neffe seiner Gattin Maria, der Genuese Centurione Zaccaria, seine Tante und ihre Kinder der Herrschaft zu berauben, mußte sie aber 1430 wieder den Griechen abtreten (s. unten).

Die griech. Fürsten zu Misthra oder Lacedämon hatten seit der Mitte des 14. Jahrh. einerseits das durch Fehden und türk. Raubzüge verödete Land durch Albanesen neu kolonisiert, andererseits aber den Franken ein Gebiet nach dem andern abgenommen. So hatte der kriegerische Theodor I. Paläologos (1383–1407) 1395 namentlich Korinth wiedererlangt, während Venedig 1389 und 1394 die Städte Nauplia und Argos gewann. Als ↔ Theodor I. starb, folgte ihm in Misthra sein Neffe, des Kaisers Manuel Paläologos zweiter Sohn, Theodor II., dem nachmals noch die Brüder Thomas und Konstantin zugesellt wurden. Seit 1428 dehnten diese ihre Eroberungen auf Kosten der Franken immer mehr aus, und endlich nötigte Thomas 1429 den Fürsten Centurione, ihm die Hand seiner Tochter Katharina und mit ihr das Fürstentum Achaia zu geben (1430). Damit hörte die Frankenherrschaft im Peloponnes auf. 1443 resignierte Theodor II., 1448 wurde Konstantin Kaiser von Byzanz, und nun erhielt der jüngste Bruder Demetrius Misthra. Nach dem Fall von Konstantinopel (1453) erkauften Demetrius und Thomas den fernern Besitz ihrer Despotate durch Tribut an den Sultan. Zu ihrem Unheil ließen sich die beiden Despoten 1457 durch das Gerücht einer Koalition der Fürsten des Abendlandes gegen die Osmanen verleiten, Mohammed II. den Tribut aufzukündigen. Der Sultan drang 1458 selbst in Morea ein, eroberte Korinth, verwüstete das Innere der Halbinsel und zwang die Despoten, das von ihm eroberte Gebiet abzutreten. Nur noch zwei Jahre behaupteten sie eine kümmerliche Herrschaft. Eine abermalige Erhebung (1459) bewog Mohammed zu einer zweiten Heerfahrt nach Morea, in deren Verlauf 1460 die ganze Halbinsel, mit Ausnahme der von Venetianern besetzten Seefestungen und der unzugänglichsten lakonischen Gebirgsgegenden, in die Gewalt der Osmanen fiel.

Nicht so leicht war die Eroberung der 1462 noch durch Monemvasia vermehrten venet. Besitzungen und der Inseln des Archipels. Zwar hatte der Pascha von Morea, Isa, Argos 1463 durch Verrat gewonnen, doch eroberten die Venetianer unter Bertoldo d’Este die Stadt noch in demselben Jahr zurück, unternahmen einen Zug in das Innere von Morea und schritten zur Belagerung von Korinth. Estes Tod unter den Mauern dieser Stadt (Okt. 1463) hatte die Aufhebung der Belagerung zur Folge, worauf sich der Krieg zunächst auf gegenseitige Verwüstungszüge und auf nutzlose Angriffe der Venetianer auf Midillü (Mitylene), das die Osmanen 1462 besetzt hatten, und auf Misthra beschränkte. Erst nach dem Frieden mit den Gebirgsvölkern in Albanien wendete der Sultan, erbittert über die Erfolge des Venetianers Nicolo Canale, seine ganze Macht wieder gegen Venedig und nahm 1470 Euböa. Ein für Venedig schimpflicher Friede kam endlich 1479 zu stande. 1499 erneuerte Bajazet II. den Krieg und eroberte innerhalb zweier Jahre Lepanto, Methoni, Koroni und Navarino, während er sich vergeblich bemühte, nun auch die letzten Besitzungen der Venetianer in Morea, Nauplia und Monemvasia, mit seinem Reiche zu vereinigen. 1503 wurde ein Friede unter der Bedingung abgeschlossen, daß beiden Teilen die gemachten Eroberungen, die sich auf seiten Venedigs auf Kephallenia und einige kleinere Inseln im Ägäischen Meere beschränkten, verbleiben sollten.

C. Dritte Hauptepoche. Vom Beginn der Türkenherrschaft bis zur Begründung des Königreichs G. Mit dem Frieden zwischen der Pforte und den Venetianern 1503 war die Herrschaft der Pforte in G. entschieden. Die noch selbständigen oder den Venetianern noch gehörigen Teile G.s wurden in mehrern glücklichen Kriegen seit 1522 von den Türken unterworfen. 1540 wurden Nauplia und Monemvasia ihnen übergeben. Mit dem 1573 abgeschlossenen Frieden, der den

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 333.