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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Grimsey - Grinnell-Land
sich der Weg in vielen Windungen den Vergkamm
binauf und gabelt sich in zwei Äste: der eine steigt
links an dem düstern Totensee vorbei zu der Paß'
böhe der Hauseck (2182 m) und senkt sich steil ander
mit Alpenrosen bewachsenen Maienwang (400 m)
zum Nhönegletscher hinab; der andere zieht sich recht?
zur Pahhöhe (2164in), von wo das Kleine Sidel-
dorn (2766 m) leicht bestiegen wird, und über die
Grimselalv nach Obergesteien (Oberwallis) in das
^lhönethal; beide Wege münden in die Furkastraße.
1799 war die G. Schauplatz hartnäckiger Kämpfe,
bis es den Franzosen unter Führung des Wirts
Fahner von Guttannen gelang, die österr.Stellnngen
auf der G. über das Nägelisgrätli zu umgehen.
Grimsey, kleine dän. Insel im N. von Island,
unter dem Polarkreise, bat etwa 90 E., die Fischerei
und Einsammeln von Möveneiern betreiben. Die
mittlere Jahrestemperatur beträgt nur 1,4° (I
Grimskär, s. Öland.
Grimstad, Stadt im norweg. Amt Nedenäs,
im NO. von Kristiansano, an der Küste des Skager-
rat, hat (1891) 2894 E., Ncederei und Holzausfuhr.
Grind oder Schorf, die Kruste, die sich auf
verletzten Stellen der äusiern Haut oder der Schleim-
häute durch Eintrocknung des ausgetretenen Bluter
oder der ausgeschwitzten Blutflüssigkeit bildet. Die
Farbe des G. ist honiggelb oder braunrot bis
schwarzbraun; seine Dicke ist sehr verschieden, sie
kann bis zu mehrern Millimetern betragen. Der
G. haftet anfangs der Stelle, auf der er sich gebil-
det, fest an, sodaß die Entfernung desselben eine
:ieue Verletzung bewirkt; allmählich wird er aber
lockerer und fällt zuletzt ganz oder stückweise ab,
nachdem die von ibm bedeckte Hautstelle entweder
geheilt in oder sich in ein Geschwür verwandelt hat.
Die Verletzung, auf welche die Grindbildung folgt,
kann entweder durch eine äußere Verwundung her-
beigeführt oder die Folge einer Hautkrankheit sein,
weshalb man mit dem Namen G. auch Hauttrant-
deiten bezeichnet, bei denen Grindbildung stattfindet,
wie Kopfgrind, Kleiengrinv, nässender G. u. a.
Grind (Vutzkops), Waltier, s. Delphine.
Grindelwald. 1) Thal des Verner Oberlandes
in der Schweiz, wird im S. von den gewaltigen
Hochgipfeln der Berner Alpen überragt; den
Nordrand bildet die Faulhornkette; Lauoerhorn und
Tschuggen (2523 m) mit der Kleinen Scheidegg
"2069 m) trennen das G. von Lauterbrunner-, die
Große ^cheidegg (im NW. des Wetterhorns) vom
Aarethal. Das Klima ist trotz der Höhe (durchschnitt-
lich 1000 m) und der Nähe der Grindelwald-
gletscher (s. d.) mild, Getreide, Kartoffeln, Flachs und
Hanf, der Kirschbaum gedeihen vorzüglich; Weiden
und Wälder bedecken die Abhänge. - 2) G., eigent-
lich Gydisdorf, Dorf im Bezirk Interlaken des
schweiz. Kantons Bern, in 1057 in Höhe, südöstlich
von Intcrlaken, hat (1888) mit der weithin über das
Thal zerstreuton Gemeinde 3087 evang. E. und als
Mittelpunkt des Fremdenverkehrs zahlreiche Hotels.
Alpwirtschaft und Führerwesen sind die Haupt-
erwerbszweige. G. ist mit Interlaken (19,3 km) und
'eit 1893 mit Lauterbrunnen (18 km, Wengernalp-
dahn) durch Bergbahnen verbunden. G. wurde
18. Aug. 1892 durch Feuer zum Teil zerstört. -
Vgl. Bandlin, G. als Winterkurort (Bern 1875).
Grindelwaldgletscher, zwei Gletscher an der
Nordseite der Finsteraarhorngrnppe in den Verner
Alpen, im Hintergrund des Thales von Grindel-
wald (s. d.). Der größer? Untergrindelwald-
gletscher, zwischen dem Mönch, den Schreckhörnern
und den Viesckerhörnern, umfaßt 37 hkin und be-
sitzt eine Gletscherzunge von 7,5 kin Länge; er ist
der sechftgröftte Gletscher der Alpen und reicht mit
seiner Zunge am tiefsten hinab; sein Ende lag
1870 in 1080 in Höhe. -Der Obergrindelwald-
gletscher zwischen den Schreck- und den Wetter-
Hörnern bedeckt 14,5hkiii, die Zunge ist 31cm lang;
sein Ende lag 1870 in 1320 in Höhe.
Grindwal (Grind, Vutzkopf), s. Delphine.
Grindwurzel, s. Rninex
Gringore (spr. gränggohr), auch Gringoire
lspr. gränggöahr) genannt, Pierre, franz. Dichter
unter Ludwig XII. und Franz I., geb. zwischen 1475
und 1480, machte sich, nachdem er frühzeitig die
gelehrten Studien aufgegeben, zuerst durch allego-
risch-moraliscke Gedichte bekannt, denen mehrere
satirische, politische und Gelegenheitsfarcen folgten.
Er war 1502 - 20 Träger einer der Hauptrollen
der Theatergesellschaft der I^ntHntZ 8^n8 3ouci
in Paris, der Noi-6 8ott6, und nahm wiederholt
teil an der Abfassung und Aufführung von My-
sterien, die beim Einzug hochgestellter Personen in
Varis vorgeführt wurden. Später trat er als
Wasfenberold in den Dienst des Herzogs von Loth-
ringen, beschloß seine Dichterlaufbahn mit geistlichen
Dichtungen und starb 1544. Von litterarhistor. Be-
dentung ist er als Schöpfer des polit. Schauspiels
in Frankreich, das er in den Dienst Ludwigs XII.
stellte und in dem er mit derbem Spott desfen Feinde,
das Papsttum, die Geistlichkeit und Gebrechen der
Zeit verfolgte. Die bedeutendsten unter seinen
stücken sind: "1^6 ^6n äu piinco ä68 80t8" (1511)
und "1^6 invLtöi's 6o 8t.-I^0ui8" (um 1524). Seine
<((Nuvi'63" wurden von Montaiglon und I. de Noth-
schild herausgegeben (Bd. 1 u.2, Par. 1858-77).
<c?i6i'i'6 Oi'inF()ii'6" in V. Hugos tt^otre Dam6 ä6
?ari3", in Vanvilles Schauspiel "^i-inFoii-L" (1866;
deutsch von Bettn Paoli, Wien 1872) und in Vrülls
Oper "Gringoire" (1892) sind freie Schöpfungen.-
Vgl. Pieot, 6.6t i68 coin6äi6N8 itÄii6N8" (Par. 1878).
Grinnell, Henry, Beförderer der amerik. Nord-
polfahrten, geb. 13. Febr. 1799 zu New-Bedford in
Massachusetts, ließ sich 1828 in Nenyork nieder, wo
er als Reeder und Kaufmann zu Ncichtum gelangte.
Er rüstete auf eigene Kosten das Schiff aus, welches
1850 unter de Haven zur Auffuchung Franklins
ausging, und trug teilweife die Kosten der Polar-
reifen von Kane (1853-56) und Hayes und Hill
l1860-61). Nach ihm ist das Grinnell-Land (s. d.)
benannt. G. starb als Präsident der amerik. Geo-
graphischen Gesellschaft 30. Juni 1874 zu Neuyork.
Grinnell-Laltd, Polarland im arktischen Ocean,
von Grönland durch den Kennedysund getrennt,
wurde 1850 von de Haven entdeckt und nach Henry
Grinnell (s. d.) benannt. Die brit. Expedition (1875
-76) erforfchte zuerst das Land, in welches Greely,
der Leiter der amerik. Polarstation in der Discovery-
bai, 1881 bis zum Greely-Fjord an der Westküste
vordrang. Lockwood erreichte von hier aus Lock-
wood-Island unter 83° 24^ an der Nordküste Grön-
lands und damit den nördlichsten bisher erreichten
Punkt der Erde. In den Thälern, die im Sommer
schneefrei und von dichtem Moose und von einer
der grönländ. gleichartigen Phanerogamenflora,
darunter von arktischem, blumige Felder bildendem
Mohn bewachsen waren, fand Greely weidende
Mofchusochfen und Schneehühner, die hier überwin-
terten, ausier Wölfen, Hasen, Füchsen, Lemmingen