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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Bevölkerung)

gewandert. Von 1841 bis 1851 stieg dort die Zahl der in Irland Geborenen von 289404 auf 519869, und 1881 auf 562374, wobei die Nachkommen dieser Irländer ausgeschlossen sind, da der Census nur den Geburtsort berücksichtigt. 1891 sind wieder 4142 Iren in Großbritannien eingewandert. Schotten lebten 253528 in England und Wales. In Schottland lebten (1881) 218745 Irländer, 90017 Engländer, 1806 Waliser und 949 in Man und Kanalinseln Geborene. In Irland lebten 69382 in England oder Wales Geborene und 22328 Schotten. In Großbritannien lebten (1881) 107273 in brit. Kolonien und 62842 im Auslande Geborene; in Schottland 12874 und 6469. In England und Wales waren (1881) 118031 fremder Abstammung, darunter 37301 Deutsche, 17767 aus den Vereinigten Staaten, 14596 Franzosen, 10679 Holländer, 6504 Italiener, 4089 Schweizer, 3789 Russen, 3203 Norweger, 2462 Belgier u. s. w. In Schottland waren (1881) 6409 Ausländer, darunter 2143 Deutsche, 469 Franzosen, 328 Italiener u. s. w. In Irland lebten 19535 Ausländer, darunter 7034 Amerikaner, 1129 Franzosen, 927 Deutsche, 357 Italiener u. s. w. Die Zahl der im Vereinigten Königreich Geborenen, aber im Auslande Lebenden belief sich (1881) auf 2881167, darunter 2772169 in den Vereinigten Staaten (meist nicht mehr brit. Unterthanen), 36447 in Frankreich, 11139 in Deutschland, 7230 in Italien u. s. w. Die brit. Bevölkerung Ostindiens betrug 1871: 64061, 1891: 100511 Köpfe.

Bezüglich der Einteilung nach dem Beruf bestand (1831) das Verhältnis in folgender Weise: 31,51 Proz. beschäftigen sich mit Ackerbau, 39,65 mit Handel, Manufaktur und Fabrikation, mit sonstigem 28,84. Es wendeten sich aber in den folgenden Jahren immer mehr Kräfte dem Handel und der Industrie zu, sodaß bereits 1841 die Prozente 25,93, 43,53 und 30,54 betrugen. Diese Tendenz ist seitdem bei jeder Volkszählung wieder hervorgetreten. Die Zählung von 1881 für England und Schottland, von 1891 für Irland ergab Folgendes:

Berufsgruppen England Insgesamt Weiblich Schottland Insgesamt Weiblich Irland Insgesamt Weiblich Vereinigtes Königreich Insgesamt

Höhere Berufe 647075 196120 96103 30604 214243 75272 941862

Häusliche Dienstleistung 1803810 1545302 176565 151273 255144 220654 2406536

Handelsgewerbe 980128 19467 132126 5383 83173 2161 1184499

Landwirtschaft 1383184 64840 269537 54322 936759 91068 2650677

Industrie 6373367 1578189 932653 256689 656410 252255 7997529

Unbestimmt u. unproduktiv 14786875 9930619 2128589 1437827 2559021 1744387 19793745

^[Additionslinie]

Zusammen 25974439 13334537 3735573 1936098 4704750 2385797 34974848

Unter den in der Industrie Thätigen waren 1499577 mit Gewinnung und Bearbeitung von Mineralien (England 1277592, Schottland 181161, Irland 40824) beschäftigt, 1385302 mit der Textilindustrie (1053648, 201867, 129787), 313034 mit der Fabrikation von Maschinen, Werkzeugen u. s. w. (267976, 38600, 6458), 209106 mit Bearbeitung von Pflanzenstoffen (166745, 30682, 11679), von Tierstoffen 78107 (68202, 6678, 3227), von Chemikalien u. s. w. 50371 (43015, 6038, 1318) u. s. w.

Die Teilung der Bevölkerung nach Ständen ist tief mit der brit. Verfassung verwachsen und hat hier eine ganz andere Bedeutung als anderwärts. Dem Gesetz nach giebt es nur zwei Stände: die "Peers" und die "Gemeinen" (Commoners). Die erstern bestehen aus dem Adel über dem Baronetrang und genießen einige kleine Vorrechte, deren hauptsächlichste die Freiheit von Haft in Civilsachen ist und das Recht, in Fällen von Verrat (treason) und schweren Verbrechen (felony) nur von ihresgleichen gerichtet zu werden. Alle andern Personen sind "Gemeine". Auch die Söhne des höchsten Adels sind Commoners und können, wie auch häufig geschieht, Mitglieder des Unterhauses werden. Viel tiefer geht die sociale Einteilung, und sie drückt dem brit. Staat einen von der Nordamerikanischen Union vollkommen verschiedenen Charakter auf.

Bedeutungsvolle polit. Änderungen in der Einteilung der Bevölkerung wurden durch die Reformbills von 1867 und 1884 bewirkt. Die erstere vermehrte mittels der Einführung des Haushalterstimmrechts in die Boroughs die Zahl der Parlamentswähler von 1056659 auf 2012631, die zweite dehnte dasselbe Recht auf die Grafschaften aus, stellte die drei Königreiche auf gleichen Fuß hinsichtlich der Wahlberechtigungen und erhöhte die Zahl der Wähler um beinahe drei Millionen. Die Zahl der Wahlberechtigten betrug 1892: 4539873 für England, 270358 für Wales, 606403 für Schottland, 744816 für Irland, insgesamt 6161456, d. i. durchschnittlich 9059 Wähler auf 1 Abgeordneten.

Die Bewegung der Bevölkerung für das J. 1891 ergiebt sich aus folgender Übersicht:

Länder Geburten Darunter uneheliche Todesfälle Eheschließungen

England 913836 38781 587666 226025

Schottland 125965 9537 83548 27949

Irland 107883 2900 86053 21421

^[Additionslinie]

Zusammen 1147684 51218 757267 275395

Das Verhältnis der unehelichen zu den ehelichen Geburten stellt sich demnach in England auf 4,2, in Schottland auf 7,6, in Irland (1890) auf 2,7 Proz. Die höchste Ziffer erreicht die schott. Grafschaft Wigtown mit 16 Proz., die niedrigste die irische Provinz Connaught mit 0,8 Proz.; in England steht Norfolk mit 6,5 Proz. an der Spitze.

Bedeutende Verluste erleidet die Bevölkerung durch die Auswanderung. 1815 verließen nur 2081 Personen die Heimat. Seitdem ist die Zahl schnell und ständig gestiegen. Von 1815 bis 1852 wanderten 3463592, von 1853 bis 1889 6903850 aus (s. Auswanderung, Bd. 2, S. 185 a). 1892 wurden in brit. Häfen überhaupt 321379 Auswanderer gezählt, darunter 210042 Briten; 41638 gingen nach Britisch-Nordamerika, 235221 nach den Vereinigten Staaten, 16183 nach Australien, 11641 nach Südafrika. Mehr als die Hälfte der