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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Industrie)

Gesamtwert der aus brit. Erzen erzielten Metalle betrug 13488453 Pfd. St. Die Haupteisengruben liegen neben den Kohlenfeldern; die berühmtesten im Distrikt Cleveland in Yorkshire. Blei findet sich in großer Menge in Durham und Northumberland; die Produktion in Schottland und Irland ist gering. Zinn wird in Cornwall und Devon gewonnen, Kupfer in abnehmender Menge in denselben Grafschaften, in Anglesea und in Irland, Zink in Man, Cornwall und Wales. Die ungeheuren Kohlenvorräte haben eine bedeutende Einfuhr fremder Metalle veranlaßt. 1891 wurden 3180543 t Eisenerz besonders aus Spanien (2,88 Mill.) und Schweden, 212327 t Kupfererz, 169724 t Blei, 28207 t Zinn zum Schmelzen eingeführt.

Der Gesamtwert der nicht metallischen Mineralien betrug (1891) einschließlich der Kohlen 86,62 Mill. Pfd. St. Davon entfallen auf Bausteine 8,69 Mill. Pfd. St., auf Schiefer u. s. w. 415029 t im Werte von 987000 Pfd. St., auf Thon 3222035 t (943896 Pfd. St.), auf Salz 2043571 t (976824 Pfd. St.), auf Ölschieferthon 2361119 t (707177 Pfd. St.), auf phosphorsauren Kalk 10000 t (20000 Pfd. St.), auf Gips 151708 t (60038 Pfd. St.), auf Arsenik u. s. w. 11143 t (62963 Pfd. St.), auf Baryt 26876 t (32120 Pfd. St.). Die Mineralproduktion überhaupt erreichte einen Wert von 91238032 Pfd. St. - Im Bergbau beschäftigt sind insgesamt 711411 Personen, darunter 6112 weiblichen Geschlechts, die aber nicht unter Tage arbeiten; schwere Unglücksfälle fanden 961 statt, die den Tod von 1030 Personen verursachten. 1872 kam ein Todesfall auf 258 Angestellte; infolge der vier Parlaments-Akte über den Bergwerksbetrieb ist die Zahl auf 1:686 herabgesunken.

Industrie. Die brit. Fabrikindustrie ist begründet auf dem ungewöhnlichen Reichtum des Landes an Mineralien, besonders Kohle, auf der Thatkraft und dem Erfindungsgeist der Bewohner und begünstigt durch die Entwicklung des Schiffswesens im Verein mit der günstigen geogr. Lage des Landes, die billigen und bequemen Zugang zu allen Teilen der Welt ermöglicht, wo die ausgedehnten Kolonialbesitzungen ein sicheres Absatzgebiet darstellen. Der brit. Arbeiter ist kräftig und übertrifft in seinen Leistungen durchschnittlich den Arbeiter des Festlandes. (Über die Zahl der Arbeiter in den einzelnen Industriezweigen s. oben Bevölkerung, S. 401 a. Über ihre umfassende Organisation s. Gewerkvereine, Bd. 7, S. 988, und Friendly Societies.) Arbeitseinstellungen haben (1890) 1028 stattgefunden, 62 Proz. derselben wurden durch Forderung von Lohnerhöhungen oder Widerstand gegen Lohnherabsetzungen veranlaßt. Hiervon waren 78 Proz. ganz oder teilweise erfolgreich, 22 Proz. endeten mit der Niederlage der Arbeiter. 59 Streiks richteten sich gegen die Beschäftigung nichtgelernter (d. h. oft nur der Trade Union nicht angehöriger) Arbeiter. Im ganzen waren 418325 Arbeiter beteiligt, die durchschnittliche Streikdauer war 17,3 Tage; der Verlust an Kapitalrente und Löhnen soll 22 Mill. Pfd. St. betragen. Arbeitsnachweise sind jetzt auf Anregung der Arbeiterpartei bei den Vestries (Kirchspielen) in London und in allen größern See- und Industrieorten errichtet worden. Im voraus sei bemerkt, daß England die Hauptsitze fast aller Industriezweige enthält, daß in Schottland die blühende Industrie in Textilwaren, Eisenwerken und Schiffbau sich auf den Süden beschränkt und daß in Irland nur die Leinenindustrie in Ulster größere Bedeutung besitzt. 1888 wurde die Zahl der Dampfpferdestärken auf 9200000 angegeben, d. h. 25 auf je 100 E., die höchste Zahl auf der Erde.

Die Textilindustrie ist bei weitem der wichtigste Gewerbszweig. Die Ausfuhr von Textilfabrikaten und Garnen stellt beinahe die Hälfte des Wertes der Gesamtausfuhr des Königreichs dar. Das in der Herstellung baumwollener, wollener und leinener Produkte angelegte Kapital beträgt etwa 200 Mill. Pfd. St., der jährliche Wert der Produktion beläuft sich auf 170 Mill. Pfd. St. und die Anzahl der von diesen Industriezweigen abhängigen Personen beträgt 5 Mill. Der Betrag der jährlich verbrauchten Baumwolle ist jetzt 36mal größer als zu Anfang dieses Jahrhunderts, der Wolle beinahe 5mal, des Flachses 2mal größer. Die Ausfuhr von Baumwolle hat 14mal mehr Wert als 1800, die von Wolle 4mal, von Flachs 6mal mehr. Einen Überblick über die Ausdehnung für 1890 giebt die folgende Tabelle:

Länder Zahl der Betriebe Zahl der Spindeln Zahl der Arbeiter Männlich Weiblich Zusammen

England u. Wales 6180 50211216 357848 500404 858252

Schottland 747 2413735 46386 108205 154591

Irland 263 1016111 23848 47940 71788

^[Additionslinie]

Zusammen 7190 53641062 428082 656549 1084631

Diese Ziffern zeigen im Vergleich mit 1885 eine Abnahme der Betriebe um 275, aber eine Zunahme der Spindeln um 500950 und der Arbeiter um 49720. Die Webstühle sind von 773704 auf 822489 gestiegen. Unter den Arbeitern waren (1890) 40558 männliche und 45941 weibliche Kinder mit halber Arbeitszeit, 88698 jugendliche Arbeiter (zwischen 13 und 18 Jahren) und 610608 Mädchen (über 13 Jahre) mit voller Arbeitszeit.

Fabriken für Baumwolle bestehen 2538, für Wolle 1793, für Kunstwolle 125, für Wollgarn 753, für Flachs 375, für Hanf 105, Jute 116, Borste 42, Kokosnußfaser 24; für Seide 623, Spitzen 403, Strümpfe 257, elastische Gewebe 54. Das Hauptcentrum der Baumwollindustrie ist die Grafschaft Lancashire, wo allein 615719 Webstühle (gegen 560955 im J. 1885) vorhanden sind; die wichtigsten Fabrikorte sind: Manchester, Blackburn, Preston, Ashton-under-Lyne, Stalybridge, Bolton, Rochdale, Middleton, Heywood, Stockport, Wigan und Bury. Für Strumpfwaren sind Nottingham, Derby und Leicester zu nennen. Die Grafschaften Wilts, Devon und Nots sind für Spitzenindustrie wichtig; besonders berühmt sind die Spitzen von Honiton. Ein zweites Centrum ist Glasgow; die Grafschaften Renfrew und Lanark sind dicht besäet mit Webereien. (S. auch Baumwollindustrie, Bd. 2, S. 535 b.)

Von den 1793 Wollfabriken liegen die meisten in England. Das Wollgeschäft ist eine Stapelindustrie Englands und hauptsächlich in Yorkshire und im Westen heimisch. Die wichtigsten Plätze für die Wollindustrie sind Bradford-on-Avon, Frome, Stroud, Trowbridge; sehr bekannt ist auch Worcester, das Hauptcentrum aber ist Manchester, und in Yorkshire seine Rivalen Leeds, Huddersfield, Bradford und Halifax. Folgende Zweige werden besonders gepflegt: Feines breites Tuch (Broadcloth) in Leeds, Manchester, Halifax, Huddersfield und Bradford; Flanell in Halifax und Rochdale: Woll-^[folgende Seite]