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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Großbritannien und Irland (Zeitungswesen)

öffentlicht. Das Experiment einer täglich erscheinenden illustrierten Zeitung wurde 1890 mit dem "Daily Graphic" mit Erfolg gemacht. Der "Daily Graphic" wird hauptsächlich als Familienblatt betrachtet; die polit. Haltung ist streng neutral (s. Graphic).

Zu diesen Morgenzeitungen gesellen sich die meistens 1 Penny kostenden Abendzeitungen. Das älteste Abendblatt ist der konservative "Globe" seit 1803. Die wichtigsten sind der konservative "Evening Standard", die hochkonservative, schlagfertig geschriebene "St. James' Gazette" (seit 1880), deren litterar. Kritiken besondere Beachtung verdienen; ferner die "Pall Mall Gazette" (seit 1868). Diese, anfangs konservativ, wurde später liberal und russenfreundlich und bevorzugt die chronique scandaleuse. Ende 1892 verwandelte sie sich in ein unionistisch, bez. gemäßigt konservatives Blatt. Die alten Mitarbeiter gründeten 1893 mit Hilfe der extrem liberalen Partei die ultraliberale "Westminster Gazette", die trotz der kurzen Zeit ihres Bestehens wohl das gelesenste Penny-Abendblatt geworden ist. Die "St. James' Gazette", die "Pall Mall Gazette" und "Westminster Gazette" veröffentlichen auch gut illustrierte Wochenausgaben zu dem Preise von 6 Pence, unter den Titeln "St. James-Budget", "Pall Mall Budget" und "The Westminster Budget".

Das erste 1/2 Penny kostende Blatt, das liberale "Echo", trat 1868 ins Leben. Es erfreut sich heute noch einer großen Beliebtheit, die tägliche durchschnittliche Auslage ist 150000 Exemplare. "The Evening News and Post" wurde als konservatives Organ 1881 gegründet, fand aber nie rechten Anklang. Am meisten Erfolg hatte das radikale Arbeiterblatt "The Star", 1888 gegründet, das sich einer Auflage von 200000 Exemplaren rühmt. Seit 1893 erscheint "Sun", von T. P. O'Connor herausgegeben, mit ultraradikaler und irisch-nationalistischer Tendenz. 1892 wurden auch zwei 1/2 Penny Morgenzeitungen: der konservative "Morning" und der radikale "Morning Leader" begründet.

Im Anschluß an die täglichen Zeitungen sind die wöchentlichen Zeitungen und Zeitschriften zu nennen. Die meisten erscheinen zum Preise von 1 Penny. In London erscheinen 10 Sonntagsblätter. Einige haben eine unglaubliche Verbreitung. Das ultraradikale "Lloyd's Weekly Newspaper", seit 1843, hat eine notariell beglaubigte Auslage von 600000 Exemplaren. Sein Rivale ist das demokratische, 1850 zuerst erschienene "Reynold's Newspaper" mit 550000 Exemplaren. Sehr großer Beliebtheit erfreut sich die radikale "Weekly Sun" (1891), mit guten litterar. Besprechungen. Der konservative "People", die liberale "Weekly Times and Echo", die Weekly Dispatch", die 1843 gegründete "News of the World", alle finden einen großen Leserkreis. Das vornehmste Sonntagsblatt ist jedoch der gemäßigt liberale, alt ehrwürdige, 1791 gegründete "Observer", dessen litterar. Besprechungen großes Gewicht beigelegt wird. Sein Preis ist 4 Pence.

Unter den illustrierten Blättern für Unterhaltung erlangten einen Weltruf die "Illustrated London News" (s. d.) und der "Graphic" (s. d.). 1889 trat "Black and White" ins Leben. Seine Hauptanziehung sind die meisterhaften Holzschnitte. Die 1893 erschienene "Sketch" bringt Originalzeichnungen hervorragender Künstler.

Für Frauen erscheint wöchentlich seit 1886 die fashionable "Queen" mit Erzählungen der besten Autoren, guten Illustrationen und Modekupfern, zum Preise von 6 Pence. Ihre bedeutendsten Rivalen sind "The Gentlewoman" (1890) und "The Lady's Pictorial" (1880).

Eine eigentümliche Erscheinung in Großbritannien sind die etwa 24, meist wöchentlich erscheinenden Society Papers oder Gesellschaftsblätter. Die wichtigsten sind die aristokratische von E. Yates 1874 begründete "World" und die 1870 von Labouchère begründete radikale "Truth".

Eine Menge dem Klatsch und der Frivolität huldigenden Blätter gelangen beständig in Hollywell-Street zur Ausgabe. Die Polizei ist ihnen scharf auf den Fersen, aber ganz zu unterdrücken war diese beständig ihre Verleger und Titel wechselnde Skandalpresse nicht.

Unter den wöchentlichen Zeitschriften nehmen die sog. "Reviews" polit.-litterar. Richtung den ersten Platz ein. Der Preis ist 6 Pence. Sie sind die Nachfolger der von Addison, Steele, Tickell, Hughes u. a. geschriebenen und herausgegebenen Journale, wie der "Tattler" (1709), "Spectator" (1711) und "Guardian" (1713), die eine ungemeine Verbreitung und Berühmtheit erlangten und das 18. Jahrh. hindurch unzählige Nachahmungen ("Rambler", "Adventurer, "Idler", "World", "Connoisseur", "Lounger", "Mirror") hervorriefen. Die bekanntesten sind jetzt der 1828 gegründete liberale "Spectator", mit sorgfältig geschriebenen Kritiken der polit. und litterar. Tagesneuigkeiten; die seit 1855 erscheinende konservative "Saturday Review", mit geistvollen Besprechungen der engl., franz. und deutschen Litteratur; der 1890 gegründete radikale "Speaker"; der seit 1888 (als "Scot's Observer") erscheinende hochkonservative "National Observer". Noch zu erwähnen ist "The Tablet" (1840), die kath. "Review". Ihr Preis ist 5 Pence. Die kommerziellen und finanziellen Interessen werden von dem 1843 begründeten "Economist" wahrgenommen.

Eine andere Art Wochenblätter dient der Unterhaltung, polit., kirchlichen und Sonderinteressen. Die wichtigsten politischen sind unter Sonntagsblätter angeführt. Die meisten dieser Blätter kosten 1 Penny. Die bedeutendsten kirchlichen Wochenzeitungen sind: "The British Weekly", "The Christian World", beide allgemein prot. Richtung. Die einzelnen Kirchen haben ihre besondern Organe. Die ritualistische katholisierende Richtung der Staatskirche ist in der "Church Review" und "The Church Times" vertreten, die prot.-calvinistische in "The English Churchman" und "The Rock", während die "Broad-Church" ihre Interessen im 1846 begründeten "Guardian" wahrnimmt. Ferner erscheinen: "The Baptist", "The Methodist Times", "The Independent and Nonconformist". Die Katholiken haben eine Anzahl Blätter, darunter die "Catholic Times" in Liverpool und die "Catholic News" in Preston. Die Juden haben das "Jewish Chronicle" (1841) und die "Jewish World" (1873). Die Freimaurer veröffentlichen "The Freemason" und "The Freemason's Chronicle". Für Atheisten erscheint der 1881 unter Bradlaughs Einfluß gegründete "Freethinker"; für die Spiritisten "The Light", "The Medium" und das Mitte 1893 von Stead gegründete "Borderland", "The Two Worlds", während die "Thesosophical Society" ihre Lehren durch den "Lucifer", "Path" und "The Theosophist" zu verbreiten trachtet. "The War Cry" sorgt für die Heilsarmee.