Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

436

Großbritannien und Irland (Geschichte 1714-1832)

1778 trat ihnen Frankreich, dann Spanien zur Seite, 1780 vereinigten sich die meisten übrigen Festlandmächte zu einer bewaffneten Seeneutralität, um den eigenen Handel gegen Englands Übergriffe zu schützen; dem Anschluß Hollands kam England mit der Kriegserklärung zuvor. Trotz seiner gewaltigen Hilfsquellen war es aber diesem ungleichen Kampf nicht gewachsen. Nach einem Vorfrieden mit den Vereinigten Staaten (2. April 1782), der deren Unabhängigkeit anerkannte und England nur Canada und Neufundland ließ, folgte 1783 der allgemeine Friede von Versailles, in dem England neben kleinen Abtretungen an Frankreich in Westindien und Afrika an Spanien Florida und Minorca verlor. Während man noch im Kampf begriffen war, hatten die unterdrückten Iren die Verlegenheiten Großbritanniens zu einer Erhebung benutzt (1779), sie forderten Religions- und Handelsfreiheit, vor allem aber die Aufhebung des Gesetzes von 1720, das sie den Beschlüssen des brit. Parlaments unterwarf; 1782 mußte die gesetzgeberische Unabhängigkeit des irländ. Parlaments gegenüber dem großbritannischen zugestanden werden. Daneben hatten andere Unruhen England und Schottland erregt; eine Toleranzbill von 1778, welche die Katholiken von ihren schlimmsten bürgerlichen Beschränkungen befreite, rief eine Erhebung fanatischer schott. Presbyterianer hervor, diese verpflanzte sich nach England, und hier brachen 1780 die sog. Gordonschen Unruhen aus (s. Gordon, Lord George), die London für mehrere Tage der Herrschaft plündernder Pöbelhaufen überlieferten. Alle diese Schläge hatten das Ministerium North erschüttert, 1782 mußte es abtreten, Rockingham und Shelburne folgten schnell, der Abschluß des Versailler Friedens von 1783 war dann das Werk einer Ministerkoalition, die, auf die Unterhausmehrheit gestützt, dem König ihre Zulassung zum Amt abgezwungen hatte. Diese Koalition war geschlossen zwischen dem extremen Whig Fox und dem schnell abtrünnig gewordenen Königsfreunde und Tory North. Aber Georg benutzte die erste Gelegenheit, ein von Fox eingebrachtes Gesetz, das den Mißbräuchen der Ostindischen Compagnie steuern sollte, durch seinen Einfluß im Oberhause zu Falle zu dringen und darauf hin im Dez. 1783 das Koalitionsministerium zu entlassen. Er berief an dessen Stelle den jüngern William Pitt.

Mit dem Eintritt des erst 24jährigen Pitt begann eine neue, die ruhmvollste Epoche in Georgs III. Regierung, in der dieser den fähigen Staatsmann gewähren ließ. Mit seltenem Mut und Geschick behauptete sich der neue Premierminister gegen die von Fox geführte oppositionelle Unterhausmehrheit. Er erreichte, daß diese in erbittertem Kampf sich selbst zerrieb und die Neuwahlen im Frühjahr 1784 ihm eine überwältigende Mehrheit brachten. Er schuf sich eine neue Torypartei, die er fest zusammenzuhalten wußte, und mit der er fast zwei Jahrzehnte gegenüber einer jährlich mehr zusammenschmelzenden Opposition regierte. Vor allem suchte er die Finanzen zu ordnen und den Druck der Staatsschuld von 243 Mill. Pfd. St. zu erleichtern. Umsonst aber waren seine Bemühungen, den Hebel zu einer Reform des Unterhauses anzusetzen. (S. Reformbill.) Der Eindruck der franz. Revolution brachte alle derartigen Versuche zum Scheitern, war aber insofern vorteilhaft für ihn, als die Whigs sich spalteten in begeisterte Revolutionsfreunde unter Fox und ihre scharfen Gegner unter Burke, die schließlich die ministerielle Partei verstärkten. Pitt hielt sich anfangs neutral; erst die gefährlichen Versuche, die Revolutionsideen nach England und Irland zu verpflanzen, brachten beschränkende Gesetze. Als Frankreich dann Belgien besetzte und dadurch auch engl. Interessen verletzte, entstand eine Spannung zwischen beiden Mächten, die endlich durch die franz. Kriegserklärung vom 1. Mai 1793 zu offenem Kriege führte. In England wuchs die revolutionsfeindliche Stimmung, der Krieg war populär, obwohl er zu Lande in den Niederlanden von Unglück begleitet war (s. Französische Revolutionskriege), und in Irland eine neue Erhebung durch die "Vereinigten Irländer" unter Fitzgeralds Führung ausbrach, die mit grausamer Strenge niedergeworfen wurde. Zur See behauptete sich England; Kapland, Ceylon wurden den Franzosen entrissen, und die Sorge, die Napoleons Ägyptische Expedition (s. d.) für den Besitz Indiens erweckte, schwand vor Nelsons glänzendem Sieg bei Abukir (1. und 2. Aug. 1798). Dabei aber herrschte Teuerung im Lande, die Bank von England stellte vorübergehend ihre Zahlungen ein, und auf der Flotte brachen gefährliche Meutereien aus. Die übrigen Verbündeten gegen Frankreich hatten zu Basel (1795) und Campo-Formio (1797) ihren Sonderfrieden geschlossen; erst 1799 wurde eine zweite europ. Koalition zusammengebracht. Um aber die beständige, von Irland drohende Gefahr dauernd zu beseitigen, suchte Pitt dessen völlige Vereinigung mit Großbritannien durchzusetzen; beide Parlamente sollten verbunden, jeder Verkehr frei, jedes Recht gleich sein. Nach schweren Mühen und schließlich nur durch vielfache Bestechungen wurden Pitts Anträge im Herbst 1800 Gesetz; 100 Gemeine und 28 auf Lebenszeit gewählte Lords mit vier Bischöfen stellte Irland für das Gesamtparlament. Aber der Ausschluß der dort weit überwiegenden Katholiken machte die That zu einer halben. Pitt war entschlossen, die beschränkenden Katholikengesetze aufzuheben, stieß aber bei dem Eigensinn des Königs auf einen so energischen Widerstand, daß dieser Febr. 1801 lieber seinen großen Staatsmann entließ, als daß er in sein Begehren eingewilligt hätte.

Durch Pitts Rücktritt war der Weg zum Frieden mit Napoleon gebahnt, für den auch in England viele Stimmen laut wurden. Inzwischen hatte nämlich eine Landexpedition nach Holland unter dem Herzog von York mit dessen Kapitulation zu Alkmaar (1799) ein unrühmliches Ende gefunden, Kaiser und Reich hatten sich im Frieden von Lunéville (Febr. 1801) wieder von der Koalition gelöst, und die Nordmächte hatten einen Bund geschlossen zum Schutz des neutralen Handels gegen die dauernden Übergriffe der Engländer. Freilich hatte Nelson durch einen Angriff auf Dänemark dieses bald zum Austritt zu zwingen und die Freiheit des Sundes zu erkämpfen gewußt, und die Thronbesteigung Alexanders I. (1801) ermöglichte einen friedlichen Schiffahrtsvertrag mit Rußland, dem Schweden und Dänemark beitraten. Darauf unternahm es Addington, Pitts schwächlicher Nachfolger, nun auch den großen Kampf mit Frankreich zu einem Abschluß zu bringen; 1. Okt. 1801 wurden in London die Friedenspräliminarien unterzeichnet, 27. März 1802 der Friede von Amiens geschlossen, der England von allen seinen Eroberungen nur Trinidad und Ceylon ließ und gegenüber Napoleons Politik, der in demselben Jahre sich zum lebenslänglichen Konsul aufschwang, nur ein Scheinfrieden sein